Österliche HoffnungWahre Lebenshilfe

Wie gut, dass es das Christentum gibt. Doch wofür?

Prominente Politiker, Schauspielerinnen und Showstars, die sich selber nicht als Gläubige verstehen, bekunden häufig, wie wichtig Religion für das Wohlergehen der Gesellschaft, für „unsere Werte“ sei. Eltern, die sich dem Christlichen entfremdet haben, wünschen dennoch, dass ihre Kinder dessen Tradition kennenlernen. Vielgefragt sind die kirchlichen Privatschulen mit ihrer hohen Bildungsqualität und überdurchschnittlich guten Abschlusszeugnissen. Als Nebeneffekt kann man mit einem sozial bessergestellten bürgerlichen Milieu rechnen. Ebenso anerkannt ist die musikalische Erziehung etwa in Mädchenkantoreien oder bei den Sängerknaben, selbst wenn die Teilnahme an der Liturgie weniger interessiert. Hochgelobt wird die Kirche als Sozialagentur und größter nationaler Arbeitgeber. Der Staat, heißt es, wäre überfordert, müsste er diese Dienste schultern. Was aber, wenn es immer schwieriger wird, Personal zu finden, das in seiner Lebens- wie Geisteshaltung die biblischen Ansprüche beherzigt? Dann muss das kirchliche Arbeitsrecht eben gemildert oder aufgegeben werden. Auf diesen „Konsens“ scheint es hinauszulaufen. Dass so die christliche Berufung unkenntlich wird, scheint kaum zu beunruhigen.

Mit Jenseitsperspektive

Doch bloß für einen Ruck durch die Gesellschaft ist der Logos nicht in die Welt gekommen, nur zur Rettung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist Jesus nicht am Kreuz gestorben, einzig zu diesseitiger Lebensberatung nicht auferweckt worden. Der Mehrwert des Evangeliums liegt anderswo. Bereits die ersten Jünger deuteten die Weltgeschichte als Heilsgeschichte mit Jenseitsperspektive. Weltliches mit Entweltlichung – in dieser Spannung hat sich das Christentum als Religion des Reiches Gottes konstituiert: politisch und mystisch, kämpferisch und kontemplativ, pragmatisch und spirituell. Diese Lebenshilfe greift räumlich und zeitlich weit aus, voller Sehnsucht nach dem ewige Leben als dem wahren Sinn und einzig echten Trost.

Sehnsucht nach dem Numinosen

Nicht der Tod ist das größte Tabu unserer Kultur, vielmehr die Auferstehung. Der Publizist und einstige Kulturstaatsminister Michael Naumann sagte daher einmal: Hauptaufgabe der Kirche sei es, die Gottesfrage in der säkularen Gesellschaft wachzuhalten. Allein dadurch könne das Christentum für moderne Menschen wieder attraktiv werden, dass es die Fähigkeit hat, „die Sehnsucht nach dem Numinosen, Rätselhaften, Unerklärbaren zu stillen“. Die Kirche sei zu sehr „zu einer sozialen Dienstleisterin des in einer entfremdeten Gesellschaft lebenden Menschen geworden“. Soziale Hilfe, gut und gern. Doch die zentrale Aufgabe sei „die Vorbereitung auf das Eschaton“, also auf das Reich Gottes, das ewige Leben. Die Hoffnung auf die Auferstehung bildet den Kern des Christseins. Dafür zu sensibilisieren, das ist die wahre österliche Lebenshilfe, der entscheidende Dienst des Christentums an Kultur und Gesellschaft.

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