KorruptionsverdachtDas „Prinzip Trauen“

Der Dortmunder Spieler Jude Bellingham kritisiert den Schiedsrichter Felix Zwayer und wird dafür bestraft. Dabei war es der Unparteiische, der einst die „Ursünde“ (Zeit online) begangen hat.

Zur umstrittenen und aufsehenerregenden Schiedsrichterentscheidung Felix Zwayers sei angemerkt, dass der Skandal um bestechliche Schiedsrichter vor einem Vierteljahrhundert nicht nur bei Spielern, sondern auch bei uns Zuschauern bis heute schlimme Vertrauenskrisen zur Folge hat. Jeder Fan kennt doch diese Momente: Weshalb wurde der Ball so unglücklich ins Tor gelenkt? Wie konnte dieses Eigentor passieren? Weshalb geschah dem brillanten Torhüter solch ein Patzer? Und vor allem: Weshalb dieser seltsame Pfiff des Schiris? Leider kommen immer wieder die Gedanken hoch, die jetzt Jude Bellingham völlig zu Recht öffentlich in einem Interview äußert: Ging alles mit rechten Dingen zu? Oder ist hier Geld geflossen? Fußball ist eben auch ein Riesengeschäft, bei dem viele versuchen, ihr Stück vom Kuchen zu bekommen.

Trauen oder Glauben?

Der Lieblingssport der Deutschen musste in letzter Zeit einige Veränderungen hinnehmen. Schlimm genug, dass der Videobeweis unseren spontanen Jubel allzu oft in betretenes Schweigen wandelt (was ist dadurch alles an guten Emotionen verpufft!). Noch schlimmer wiegt aber das Misstrauen durch korrupte Schiris damals (und hoffentlich nicht auch noch heute). Hier zeigt sich, was das größte Kapital in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens ist. Exakt das, was Paulus das „Trauen“ nennt: Gott kommt in Christus dem Menschen mit „Trauen“ entgegen und lockt ihn auf diese charismatische Weise, auch ihm zu „trauen“. Dieses gegenseitige „Trauen“ ist als Übersetzung des griechischen Urtextes umfassender und personaler als das eher sachhafte „Glauben“ (wie man das griechische pístis gewöhnlich übersetzt) und wird zuallererst von Gott ausgesagt.

Was Misstrauen anrichtet

Die Briefe des Völkerapostels entwickeln dieses „Prinzip Trauen“ im Rahmen von Auseinandersetzungen, wobei offensichtlich gerade die Ungeschütztheit des Trauens neubekehrte Heidenchristen davon abhält, sich auf diese Weise mit Haut und Haar auf Gott einzulassen: Sie sind „miss-trauisch“, und einige versuchen, sich in einer hermetisch abgeriegelten Panzermentalität – die schon damals zu Ängsten, Verschwörungstheorien und Nationalismen führen konnte – ein dubioses und esoterisches frommes System zurechtzulegen. Dies bedeutet auch, dass die „Misstrauenden“ dem täglichen Sterben und Auferstehen mit Christus ausweichen und sich somit letztlich der bedingungslosen Liebe Gottes nicht anvertrauen. Denn die gilt weiterhin: „Wenn einige untreu wurden, wird dann etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben? Keineswegs!“ (Röm 3,3–4) Wem können wir trauen? Das fragt sich nicht nur der Fußballfan.

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