Leserbriefe

Kirche im Werden

Danke für den faszinierenden Beitrag „Das Mysterium wiederentdecken“ (CIG Nr. 37, S. 6) von Andreas R. Batlogg. Die Relektüre von Romano Guardini analysiert scharfsinnig und führt zu einem dynamischen Prozess, in dem Kirche trotz ihrer „furchtbaren Unzulänglichkeiten“ als Kirche im Werden verstanden wird. Oder, wie Tomáš Halík schreibt, als eine „sich fortsetzende Auferstehung“ – auch vom eigenen Dahinsterben und von individuellen Selbstüberhebungen. Das ist eine ermutigende Sicht, gerade in der gegenwärtigen Kirchenverdrossenheit.

Klaus Beurle, Würzburg

Ist es nicht so, dass die „zentrifugalen Kräfte in der Kirche“ den Ausbruch aus dem Vorhandenen voranbringen – und damit Weite „verheißen“ (Gotthard Fuchs), die hier in der Tat verängstigt, dort aber Hoffnung stiftet? Denn: „Auferstehung darf doch sein“ (Johannes Röser).

Auch Tomáš Halík stimme ich unbedingt zu. Resurrectio continua aber braucht Anregung, Begleitung, Ermutigung – und spirituellen Grund! Das Kleid der Kirche kann sich dann von der vielfach empfundenen Zwangsjacke zum flotten Outfit wandeln. Kontemplation, Kommunikation und Kommunion lassen jetzt schon eine Gestalt wachsen, der der alte Panzer nicht mehr passt. Auch wenn er noch Macht signalisiert – in vielen Seelen lebt eine Kirche, noch unbenannt zwar, verdeckt auch oft, aber mit Sehnsuchtsdynamik. Wer wagt mit?

Paul-Reiner Krieger, Neunkirchen-

Seelscheid

Der Resonanzraum

In dem lesenswerten Artikel „Eine echte Seel-Sorge-Kirche“ (CIG Nr. 38, S. 6) heißt es, Kirche solle ein „Resonanzraum“ sein, „in dem die Seele erwachen und sich erheben kann“. Ein sehr schöner Gedanke, und doch ist er irgendwie so weit weg. Das wurde mir deutlich, als Papst Franziskus jetzt wieder einmal zum Umgang mit homosexuellen Menschen befragt wurde. Zitiert wird er mit den Worten, dass homosexuelle Paare „Anspruch auf pastorale Fürsorge“ haben. In dieser Aussage entdecke ich eine, oder vielleicht die Grundproblematik der kirchlichen Situation.

Denn es wird davon ausgegangen und so geredet, als ob homosexuelle Menschen unserer „Zuwendung“ bedürfen. Aber was ist, wenn sich eine homosexuelle – oder auch eine geschiedene wiederverheiratete – Person als lebendiger Teil der Kirche versteht? Was, wenn diese Menschen im Glauben nicht von oben herab als die Armen, der Fürsorge Bedürftigen gesehen werden wollen? Sondern wenn sie einfach Teil der Gemeinschaft sein oder sich sogar aktiv im kirchlichen Leben engagieren wollen?

Es wird darauf ankommen, dass sich das Verhältnis zwischen kirchlicher Lehre und Gläubigen insoweit ändert, dass man jede glaubende Person in ihren Lebensverhältnissen als Gottsuchende anerkennt und sie nicht in die Ecke der Hilfsbedürftigkeit oder gar Sündhaftigkeit stellt. Womöglich kann diese Person sogar von einer lebendigen Gottesbeziehung erzählen, welche sie durch ihr Leben getragen hat. Das Bild der Kirche als Resonanzraum der Seele würde uns weiterbringen.

Jochen Braunschädel, Zollikon / Schweiz

Wirklich Bürgerpflicht?

Die Argumentation des Moraltheologen Peter Schellenberg in dem Kommentar „Gesetze für Teufel“ (CIG Nr. 37, S. 2) kann ich nicht nachvollziehen. Soll Denunziation wirklich eine „Bürgerpflicht“ sein? Ist sie tatsächlich geboten, „auch wenn dadurch möglicherweise niedere Instinkte oder Motive gekitzelt werden“?

In was für einem Land wollen wir denn leben? Für die Einhaltung der Gesetze ist der Staat verantwortlich, ob im Straßenverkehr, beim Schutz vor illegaler Einwanderung oder eben auch zum Eintreiben der gerechten Steuer. Wenn das dem Finanzamt wegen Personalmangels nicht möglich ist, müssen eben mehr Beamte eingesetzt werden. Die Bevölkerung zur Denunziation einzuladen, ist für mich als Christ nicht nachvollziehbar.

Alfred Bergrath, Düren

Vor allem Zuwendung

Zum Beitrag „Nur Mut“ von Margot Käßmann (CIG Nr. 32, S. 5) möchte ich anmerken: Ich bezweifle, dass es Menschen eines säkular aufgeklärten Bewusstseins, in dem die Humanwissenschaften, ganz generell die Naturwissenschaften, einen großen Einfluss haben, hilft, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen, wenn „Christinnen und Christen getrost und unverzagt ihren Glauben leben“. Nackte Verzweiflung und Angst machen sich breit, wenn Katastrophen hautnah erfahren werden und zum Verlust von lieben Menschen und von Hab und Gut führen. Da hilft – wenn überhaupt – nur die tatkräftige Unterstützung und besondere Zuwendung durch andere Menschen.

Dr. Heribert Scheffler, Oberhausen

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