Impulse für eine kindergerechte KircheKinder sind die Gegenwart der Kirche

Wenn man in die kirchlichen Gemeinden blickt, dann kann man feststellen, dass Angebote, die sich an Kinder bzw. Familien richten, sich immer noch großen Zuspruchs erfreuen. Dies gilt für die Vorbereitung und Feier der Erstkommunion ebenso wie für Familien- und Kindergottesdienste oder Kinderbibeltage.

Auch in vielen kirchlichen Jugendverbänden und in den Ministrantinnen- und Ministrantengruppen finden Kinder eine kirchliche Heimat, ebenso wie in Gruppen und Initiativen, die von Ordensgemeinschaften oder geistlichen Gemeinschaften organisiert werden. Aber auch in Gruppen der Schulpastoral, in kirchlichen Theater- und Musik- und Musicalgruppen oder in der offenen Kinder- und Jugendarbeit können sich Kinder in der Kirche beheimaten.
In all diesen Bereichen leisten ehren- und hauptamtliche Frauen, Männer und Jugendliche oft wunderbare Arbeit. Sie helfen mit, dass Kirche ein Ort ist und wird, an dem Kinder willkommen sind. Sie tragen damit auch bei zu einer Form der Evangelisierung, die von Kitas und Schulen, aber auch in Familien oft nicht geleistet werden kann. Im Gegenteil, oft erreicht die Glaubensvermittlung in Kindergruppen wieder neu die Familien, die Eltern, Großeltern und Geschwister – insbesondere, wenn sich Eltern selbst mit in Angeboten für Kinder engagieren. Vor allem die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schenken neben Beruf und Familie wertvolle Zeit für die Vorbereitung und Durchführung der kinderpastoralen Angebote. Ihr Glaube, ihre Verbundenheit mit der Gemeinde und oft auch die eigenen Kinder motivieren sie für diese Aufgabe, die sie mit viel Herzblut und Kreativität erfüllen. Überaus hilfreich – aber oft auch nicht gewusst und daher nicht genutzt – sind das Know-how und die Bildungsangebote der kirchlichen Fachstellen in den Bistümern. Eine neue und wertvolle Ideenbörse ist mit der Plattform „kindergottesdienst -katholisch.de“ entstanden, die von den Referentinnen und Referenten für Kinder- und Familiengottesdienste der deutschen (Erz-)Bistümer und dem Deutschen Liturgischen Institut betreut wird. Gerade in den Zeiten „nach“ der Pandemie ist es geraten, die pastoralen Angebote für Kinder wieder zu beleben oder neu in den Blick zu nehmen. Viele bestätigen, dass die Sehnsucht nach echter Gemeinschaft und Begegnung in realer Präsenz bei Jung und Alt groß ist.

Die Qualität der Beziehungen ist entscheidend

Zum Erfolg von kinder- und familienpastoralen Angeboten tragen verschiedene Faktoren bei. Grundlegend ist aber, ob es den Verantwortlichen gelingt, mit den Kindern in gute Beziehung zu treten. So hatten die Synodenväter der Weltbischofssynode 2018 in Rom in ihrem Abschlussdokument festgehalten: „Es ist die Qualität dieser Beziehungen, die evangelisiert.“ Dies gilt für die Jugendpastoral genauso wie für die Kinder- und Familienpastoral und alle anderen pastoralen Aufgabenfelder. Dabei ist „Qualität von Beziehungen“ immer horizontal und vertikal zu verstehen: Wer etwa Kindern von der „Freundschaft mit Jesus“ erzählt, kann dies vor allem dann fruchtbar tun, wenn er spürbar selbst als Erwachsener in dieser Freundschaft lebt. Wer Kindern nahebringen will, dass Gott ein Vater ist, darf auch davon zu berichten wissen, dass er/sie selbst sich als Kind des Vaters aller Menschen erfährt.
Auch die „Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e. V.“ (AKF) betont in ihren Kursen und Veröffentlichungen die Bedeutung von Beziehung. Dabei führt sie den Psychologen und Arzt Alfred Adler ins Feld, der in seiner Individualpsychologie vier soziale Grundbedürfnisse beschrieben hat, die erfüllt sein wollen, damit Beziehung gelingen kann. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass sich diese Grundbedürfnisse auch in vielen biblischen Geschichten entdecken lassen. Besonders Jesus gelingt es, in seinen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen die sozialen Grundbedürfnisse und damit die Sehnsucht nach gelingender Beziehung zu stillen. Dies kann im Folgenden am Beispiel der bekannten Perikope vom Zöllner Zachäus (Lk 19,1–10) gezeigt werden.

Das Bedürfnis, dazuzugehören und sich geliebt zu fühlen

Zachäus war aufgrund seines ehrenrührigen Berufes und wohl auch seiner Gestalt ein gesellschaftlicher Außenseiter. Geschickt zeichnet Lukas ihn als einen, der in der Masse untergeht, die ihm keine Beachtung schenkt. Jesus ruft ihn dagegen beim Namen und drückt so seine Zuwendung zu ihm aus.
Jesu Handeln an dieser Stelle ist beispielhaft für die Einbindung von Kindern in seine Kirche. Schon sie beim Namen zu nennen und zu begrüßen am Beginn eines Gottesdienstes, kann ohne viel Aufhebens die Kirche ein wenig kindergerechter machen. Des Weiteren gibt es über die Liturgie hinaus unzählige Möglichkeiten, sie ins Leben der Gemeinde einzubinden, zu der sie seit ihrer Taufe ganz selbstverständlich dazugehören. Ungehörig wäre es, sie zur bloß dekorativen Staffage zu machen, wie es gelegentlich bei größeren kirchlichen Ereignissen zu beobachten ist.

Das Bedürfnis, sich fähig zu fühlen und Einfluss nehmen zu können

Jesus lädt sich selbst in das Haus des Zachäus ein. Damit gibt er ihm die Möglichkeit, tätig zu werden und auf eigene Weise die Zuwendung Jesu zu erwidern. Er aktiviert Zachäus’ primäre Ressourcen, sein Haus und seinen Reichtum, um mit ihm in Verbindung treten zu können und seine heilende Gegenwart wirken zu lassen.
Kinder tragen in sich einen reichen Schatz an Kreativität und Lebendigkeit, den eine Kirchengemeinde unbedingt heben soll. Es ist gut, wenn Kinder aktiv an der Gestaltung ihrer Angebote beteiligt werden. Mit „Christus vivit“, dem nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus zur Jugendsynode im Jahr 2018, ist es wichtig, junge Menschen selbst zu Protagonisten kirchlichen Lebens werden zu lassen. Wir machen Kinder- und Jugendarbeit nicht nur für, sondern vor allem mit jungen Menschen. In den Jugendverbänden des Bundes der Deutschen Katholiken (BDKJ) wird diese Erkenntnis schon seit vielen Jahren gelebt. In anderen Bereichen kirchlichen Lebens darf noch mehr Umdenken stattfinden, um Kinder und junge Menschen in Entscheidungs- oder Gestaltungsprozesse mit einzubinden. Von den Kindern her zu denken und zu handeln, sie zu Akteuren ihres eigenen Glaubenslebens und -lernens werden zu lassen, gehört gerade in einer synodalen Kirche zum Wesentlichen der Weggemeinschaft im Glauben. Auch in der Glaubenskommunikation ist es unabdingbar, Kinder mit ihrem tiefen Gespür für Gott nicht nur die hörend-passive Rolle zu geben, sondern ihre Freude an ihrer Selbstmitteilung zu wecken – um so auch die Glaubenswelt der Erwachsenen zu bereichern – und gelegentlich sogar ins Wanken zu bringen. Die Methode „Theologisieren mit Kindern“ – stellvertretend für weitere Angebote genannt – gibt viele gute Anhalts- und Ausgangspunkte für wunderbare und gegenseitig bereichernde Erfahrungen. Oder ein anderes Beispiel: Manche Pfarrei hat sehr gute Erfahrungen damit gemacht, einen Kinderkirchenführer mit den Kindern zusammen zu erarbeiten.
Auch in Gottesdiensten sollte dem Bedürfnis von Kindern nach Mitwirkung nachgegangen werden. Ihnen steht es zu, im Sinne einer „participatio actuosa“ am liturgischen Handeln aller Gläubigen teilzunehmen. Wie gewinnbringend dies für den Glauben und die Kirchenbindung der Heranwachsenden, aber zugleich auch für die Gemeinde sein kann, lässt sich besonders am Ministrantendienst oder bei der Einbindung von Kindern in die Kirchenmusik wahrnehmen.

Das Bedürfnis, sich geborgen und sicher zu fühlen

Zachäus erlebt sein Umfeld feindselig. Die Präsenz Jesu gibt ihm aber den Schutzraum, den er braucht, um aufatmen zu können und seinem Leben eine neue Richtung geben zu können. Zusätzliche Sicherheit gewinnt er dadurch, dass Jesus zu ihm in sein gewohntes Lebensumfeld kommt.
Kinder fühlen sich in der Regel in ihrer Familie geborgen. Auch in ihrer Kitagruppe oder Klasse können sie dieses Gefühl erleben. Im kirchlichen Kontext kann es die Gemeinschaft der Jugendverbände, der Ministrantengruppe oder auch der Erstkommuniongruppe sein, in der Kinder Vertrautheit und Geborgenheit erleben können. Dort sind sie unter ihresgleichen und in ihnen vertrauten Räumen. Die Kirche und der Sonntagsgottesdienst sind hingegen vielen Kindern mit ihren Familien kaum mehr vertraut, bieten aber eine Gelegenheit im Miteinander von mehreren Kindern oder Familien, sich auch diesen Raum nach und nach zu ihrem zu machen. Freilich sind dazu vor allem kindgerechte, zusätzliche Angebote einer „Kinderkirche“ hilfreich, wie sie in vielen Gemeinden praktiziert werden. Insbesondere kleinere Kinder werden dabei oft parallel zur regulären Eucharistiefeier der Gemeinde in einem eigenen Format spielerisch an das Evangelium herangeführt; sie singen und beten kindgerecht miteinander und erleben auch in dieser Weise Räume der Sicherheit und Geborgenheit. Insbesondere kann sich auf diese Weise auch eine innere, eine geistliche Geborgenheitserfahrung eröffnen, wenn Kinder lernen, sich an den Vater im Himmel und an Jesus, ihren Freund, zu wenden.
An dieser Stelle sei aber auch ausdrücklich hinzugefügt: Im Licht des in den letzten Jahren aufgedeckten Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen ist es gerade heute unabdingbar für die Pfarreien und Kindergruppen, alles zu tun, um Missbrauch zu verhindern. Regelmäßige Sensibilisierung durch Präventionsschulungen aller, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, aber auch die Erarbeitung eines institutionellen Schutzkonzeptes, sind hier hilfreich und notwendig. Eine einladende Willkommenskultur und die wache Aufmerksamkeit aller Beteiligten für mögliche Verletzungen von Kindern und für den wertschätzenden Umgang aller mit allen tragen dazu bei.

Das Bedürfnis, wichtig zu sein und Bedeutung zu haben

Was muss das für ein Gefühl für Zachäus gewesen sein, als Jesus zu ihm hochgeblickt hat? Plötzlich gewinnt er Ansehen und wird der Miss- und Verachtung seiner Zeitgenossen enthoben. Mehr noch: Jesus erinnert sie daran, dass auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist, dem mit Würde und Anstand begegnet werden muss.
Wenn Pfarreien in die Arbeit mit Kindern investieren, dann besteht immer neu die Gefahr, dies aus Gründen der Rekrutierung zu tun. Es geht dann um Nachwuchspflege und um besondere Aufmerksamkeit für die, deren Präsenz im Gottesdienst offensichtlich immer seltener wird. Es klingt nach einem Invest, der sich deshalb lohnt, damit der gewohnte kirchliche „Betrieb“ auch in Zukunft weitergehen kann. „Kinder sind unsere Zukunft“, ist dann womöglich zu hören. Wir spüren aber an solchen Formulierungen, dass einer solchen Absicht das Wesentliche fehlt: Kinder sind um ihrer selbst willen wichtig. Kinder haben ein Recht darauf, von einer Glaubensgemeinschaft in die Beziehung mit Christus und den Vatergott eingeführt zu werden. Wir schulden es ihnen als erwachsene Glaubende. Deshalb sind Kinder auch schon Gegenwart der Gemeinde, sind jetzt schon Teil des Leibes Christi, hier und heute. Mehr noch: Gerade weil junge Menschen unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen viel weniger selbstverständlich in den Glauben finden als frühere Generationen, umso mehr brauchen Kinder unsere Zuwendung und unsere Begleitung als Weggemeinschaft. Nicht zuerst, weil wir Erwachsene es brauchen, sondern wir an ihnen einen Auftrag haben. „Lasst die Kinder zu mir kommen“  – sagt Jesus ausdrücklich denen, die sie von ihm fernhalten wollen, „denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ (Mk 10,14). Kinder haben auch deshalb Bedeutung für uns Ältere, weil wir an ihnen lernen können, was es heißt, aus dem Vertrauen zu leben, dass Gott wirklich da ist. Zugleich wird Kindern hier eine Bedeutung zuteil, in der die Gefahr schlechter Egozentrik relativiert werden kann: Wenn vermittelt werden kann, dass die Bedeutung jedes Kindes zuerst von Gott kommt, weil jeder Mensch vor und für Gott unendlich wichtig ist, dann kann von hier auch die Demut mitwachsen – weil Kinder dann nicht fortwährend nur sich selbst loben oder sich nach dem Lob der Erwachsenen ausstrecken, sondern weil sie gemeinsam den loben lernen, der allein allen Lobes würdig ist.

Konsequenzen für eine kindergerechte Kirche

Kinder haben ein Recht darauf, Gemeinschaft im kirchlichen Kontext zu erleben. Dies kann in einem katholischen Jugendverband oder bei Ministrantinnen und Ministranten geschehen. Es kann sich in kirchlichen Kindergärten oder Schulen ereignen, insbesondere auch in der Arbeit der Schulpastoral. Auch geistliche Gemeinschaften legen Kinderprogramme auf und mancherorts erfreuen sich Kindergruppen oder Kindertreffs großer Beliebtheit, die punktuell oder ohne organisatorische Anbindung an bestehende Strukturen organisiert werden. Darunter sind Kinderbibeltage, Projektchöre, Kindergebetsgruppen oder Ähnliches. Und natürlich sind für viele Kinder Gruppen der Vorbereitung auf die Erstkommunion eine zeitlich befristete Gemeinschaftserfahrung.
Solche Gruppen der Kirche und des Glaubens sind für Kinder ein wichtiges Lernfeld für soziale Kompetenzen, wie sie im schulischen Kontext kaum erlebbar sind. Und sie sind Orte von lebendiger Glaubenserfahrung durch Katechesen, gemeinsames Beten und die selbstverständliche Verbindung von Glauben, Gemeinschaft und dem eigenen Leben. Von zentraler Bedeutung für diese Erfahrungsräume sind – wie immer in der Kirche – Personen. Vor allem braucht es Menschen, die in der Lage sind, mit Kindern vertrauensvolle und vor allem nicht manipulative Beziehungen aufzubauen, die Gruppen leiten, Gemeinschaft bilden und die Ressourcen von Kindern entdecken und heben können. Es braucht dazu Räume für Gemeinschaft, Räume zum Spielen und Toben und Räume zum Beten und Feiern. Es geht in der Regel nicht ohne Geld. Und vor allem geht es um eine bewusste Schwerpunktsetzung in der Pfarrgemeinde: Wir setzen auf die Arbeit mit Kindern und jungen Menschen und investieren dafür! Die Rolle der Hauptamtlichen wird dabei wohl in der Zukunft mit Schwerpunkt dahin gehen, Multiplikatoren, Animatoren und Ausbilder für Ehrenamtliche zu sein – und diese darin zu befähigen, mit Kindern Glauben zu leben und zu teilen.

Gottesdienste mit Kindern

Zur Sonntagsmesse als der Mitte kirchlichen Lebens sind alle Gläubigen eingeladen – ob jung oder alt, Kind oder Greis. Und weil diese Feier auch die Versammlung der neuen Gottesfamilie ist, sind natürlich auch Familien mit Kindern besonders willkommen. Wenn Kinder dabei erleben, dass Eltern oder andere Erwachsene gesammelt und ehrfürchtig mitfeiern – lassen sie sich oft selbst mit hineinnehmen in eine gesammelte Atmosphäre. Und wenn der Zelebrant dann auch noch selbst sowohl tief bei der Sache als auch im dialogischen Verhältnis zu Jung und Alt ist, dann kann es bisweilen sogar befriedigend gelingen, dass sowohl Kinder wie Erwachsene mit hineingenommen werden in das Mysterium der Feier.
Freilich zeigt sich in konkreter Praxis aber auch, dass für viele Kinder die Messe schlicht unverständlich oder langweilig wird, dass Eltern dann selbst gestresst und unruhig werden, dass die anderen Gläubigen eine Bandbreite an Reaktionen zeigen zwischen genervt, geduldig und erfreut über die Anwesenheit von Kindern. Auch hier hängt es erfahrungsgemäß am Leiter der Feier im Verbund mit allen Beteiligten: Wie einfühlsam reagiert der Zelebrant, wie die Feiernden aufeinander? Wie sensibel sind auch Eltern ihrerseits in den Versuchen, Kinder zu beruhigen? Und jeder, der schon häufiger in solchen Situationen war, weiß: Es gibt letztlich keine Patentlösung für die fortwährende Spannung zwischen kindlicher Fähigkeit dabei zu sein und dem hochliturgischen Geschehen und der mitfeiernden Gemeinde.
Flexibilität ist in jedem Fall angesagt. Und so ist es zum Beispiel möglich, in einem Pfarrverband oder einer Pfarrei, in der mehrere Sonntagsmessen gefeiert werden, zu einer von diesen jedes Mal ausdrücklich Familien auch mit kleineren Kindern einzuladen. So wissen dann alle in der Pfarrei, dass es dort auch inhaltlich immer kindgerechter zugeht und gegebenenfalls lauter werden kann. Oder, anderer Vorschlag, für die Familien mit Kindern und mit ihnen wird einmal im Monat die reguläre Sonntagsmesse gestaltet und entsprechend angekündigt. Oder aber – wie oben schon erwähnt – es gibt Parallelangebote während der Sonntagsmesse, bei der die Kinder die ganze Zeit oder auch nur bis zur Gabenbereitung oder zum Vaterunser ihre eigene kleine Feier oder Beschäftigung mit dem Evangelium haben. Manchmal ist es dann für Gläubige beeindruckend, wenn Kinder noch kurz in Wort oder Lied mitteilen dürfen, was ihnen vom Evangelium wichtig geworden ist. Mancher Kirchenraum bietet inzwischen auch einen zum Beispiel durch eine Glaswand abgetrennten Bereich, in dem ein gewisser Schallschutz herrscht und in dem sich dann Eltern mit unruhigen oder schreienden Kindern aufhalten und durch akustische Übertragung dennoch die Messe mitbeten können.
Wichtig ist in jedem Fall, dass von den Verantwortlichen und möglichst von vielen Gemeindemitgliedern immer wieder das Signal ausgeht: Wir wollen auch Kinder dabei haben und freuen uns über die Anwesenheit von Kindern. Der Zelebrant kann in kleinen Zeichen oder Anreden speziell die Kinder adressieren. Oder er kann innerhalb der Predigt auch eine kleine Geschichte besonders den Kindern erzählen oder ein katechetisches Gespräch einbauen. Er kann sie im Gottesdienst zu Gebetsgesten einladen. Eine schöne, unkomplizierte Beteiligungsmöglichkeit ist es zum Beispiel, die Kinder mit Kerzen oder Blumen beim Einzug/Auszug oder beim Evangeliumszug mitgehen zu lassen. Mit etwas Kreativität lassen sich von den Gottesdienstverantwortlichen viele weitere – oft auch spontan umzusetzende – Ideen finden. Ein Mindestmaß an Entgegenkommen für die Kinder kann das Bereitstellen von Kinderbüchern sein, die ihnen und ihren Eltern den Gottesdienstbesuch erleichtern, zumal fremde Bücher meist interessanter sind als die eigenen mitgebrachten. Oftmals werden auch Mal- oder Rätselblätter zum Evangelium nach dem Gottesdienst verteilt, um den Gottesdienst so in den Familien nachwirken zu lassen.

Gottesdienste von Kindern

So sinnvoll es ist, wenn Kinder gemeinsam mit ihren Eltern an der Sonntagsmesse teilnehmen, so hilfreich ist es auch, andere Gottesdienste zu feiern, die spezieller auf Kinder zugeschnitten sind: Gottesdienste, in denen sie sich zugehörig fühlen, Gottesdienste, auf die sie Einfluss nehmen können. Gottesdienste, in denen sie geborgen sind. Gottesdienste, in denen sie wirklich Bedeutung haben. Gottesdienste, in denen die Beziehung zu Jesus und zum Vater wachsen kann.
Dafür bieten sich alle Arten von Wort-Gottes-Feiern an, die mehr Gestaltungsspielraum lassen als die Eucharistiefeier. Auch Höhepunkte im Kirchenjahr können besonders für kleine Kinder gestaltet werden, wie beispielsweise eine Kinderkrippenfeier am Heiligen Abend oder eine Kinderauferstehungsfeier an Ostern. Möglich ist auch eine eucharistische Anbetung zum Beispiel verbunden mit kindgerechtem Lobpreis, mit Bitt- und Dankgebet und Zeiten des Stillwerdens. Wichtig ist bei all diesen Gottesdienstformen, dass die Kinder selbst zu Protagonisten auch des liturgischen Handelns werden. Natürlich, in der Regel sind es die Erwachsenen, die sich zunächst Gottesdienstformen oder Gebetseinheiten für Kinder überlegen. Aber sie gelingen im Grunde erst, wenn die Kinder selbst wirklich die Feiernden werden und wir es mit ihnen tun. Gerade mit Kindern und von ihnen können wir lernen und einüben, frei aus dem Herzen lobend, bittend, klagend, dankend und singend vor Gott hinzutreten – mit Gefühlen und Gedanken, die von ihnen selbst kommen. Als erwachsene Begleiter sind wir im gelingenden Fall diejenigen, die den Raum öffnen, damit das Wort des Kindes von innen her sich formen und zum Beispiel sein Gebet werden kann.

Soziales Lernen

In Afrika sagt ein Sprichwort: Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf. Die Bandbreite für die Gelegenheiten des Einübens einer diakonischen und sozialen Praxis mit Kindern verdeutlicht dieses Wort: Mit Kindergruppen lässt sich spielerisch die Schönheit der Schöpfung erschließen und Kinder können staunend entdecken, wie wunderbar die Welt in ihren kleinsten Einzelheiten und Geschöpfen ist und wie wichtig es ist, sie zu erhalten. Kinder können Geflüchteten begegnen und sich den Grund ihrer Not erzählen lassen, sie können Geschenke für Altenheimbewohner basteln und vorbeibringen. Kinder können gemeinsam entdecken, was die Freiwillige Feuerwehr macht und vieles mehr. Gerade weil Kinder in einer ursprünglicheren Weise als wir Erwachsene einen intuitiven Zugang haben zur Schönheit und Güte der Welt, ist die Verbindung von dienender Weltgestaltung zu einem Gott besonders naheliegend, der in die Welt gekommen ist, „um zu dienen, nicht um sich bedienen zu lassen“ (Mk 10,45) – und der jeden Menschen liebt. Und besonders auch die Verwundbarkeit von Kindern, die sie häufig selbst spüren, ist hilfreich, um ihnen die Verletzbarkeit, aber auch die Würde und Unersetzbarkeit jedes Menschen nahezubringen. Pfarreien investieren in die Arbeit mit Kindern, um mit ihnen zu lernen, im Menschsein zu wachsen – einzeln und als Gemeinschaft.

Kinder sind willkommen

Der Evangelist Markus schildert eine rührende Begegnung Jesu mit einem Kind, indem er es in die Mitte stellt: „Er nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ (Mk 9,36) Das Evangelium macht unübersehbar deutlich: Jesus liebt die Kleinen, er liebt die Kinder. Er will sie in unserer Mitte haben. Er steht an der Seite derer, die besonders verletzbar sind – und die zugleich eine Verheißung für uns alle sind. Der große Jugendseelsorger Don Bosco hat einmal gesagt: „Jeder Mensch ist ein Diamant, man muss ihn nur aufheben – und in die Sonne halten – und schon leuchtet er.“ Eine kinderfreundliche Kirche ist mit Kindern unterwegs, um ihnen zu helfen, dass Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, in ihnen aufgehen möge – und dass sie in der Kraft des Lichtes selbst zu leuchten beginnen – weil sie gesehen werden, ernst genommen werden und wirklich mitwirken dürfen.

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