Die Bedeutung von Charismenorientierung für die Kirche in DeutschlandBaustein, nicht Masterplan

Die Lage der Kirche in Deutschland ist dramatisch. Alle Kennzahlen deuten auf einen Showdown zwischen 2025 und 2030 hin. Auf der anderen Seite gab es seit der Zeit unmittelbar nach dem Konzil nicht mehr so viele Aufbrüche und so viel Bewegung wie heute – und natürlich auch so viel Widerstand gegen jegliche Veränderung. Der Unterschied: Damals kam der Impuls zur Veränderung von innen (technology push, eine neue Theologie), heute von außen (market pull, ein verändertes Kundenverhalten). Und damals konnte man den Impuls noch wegatmen, integrieren oder langsam versickern lassen, heute ist genau diese Strategie ein Brandbeschleuniger.

Fazit

Die Verwendung des Begriffs Charismenorientierung ist höchst unterschiedlich und birgt die Gefahr von Missverständnissen. Normativ aufgeladen kann er zudem leicht dazu benutzt werden, Menschen zu instrumentalisieren. Die Gefahr ist besonders groß, wenn die Rede von Charismen primär der Aktivierung dient, Aufgaben in einem vorgegebenen Portfolio zu übernehmen. Aber auch dann, wenn ihre „Entdeckung“ (oder gar „Herstellung“), mithin ihre Kontrolle, (ausschließlich) an dezidierte methodisch-didaktische Vorgehensweisen gebunden wird, erscheint das mehr als fraglich. Umgekehrt kann Charismenorientierung gerade auch für Emanzipation stehen, wenn damit Kirche-sein in Selbstverantwortung verbunden wird. Dann steht der Begriff für einen grundlegenden Paradigmen- oder Systemwechsel, eine andere Form von Kirche und einen Zugewinn an Umweltreferenz.

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