Christentum

Das Christentum ist mit circa 2,26 Milliarden Anhängern die größte Weltreligion. Es ging aus dem Judentum hervor und basiert auf der Bibel als heilige Schrift.

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Was genau ist das Christentum?

Christen glauben an einen Gott (Monotheismus) und richten sich nach der sogenannten Trinitätslehre, also der Dreifaltigkeit. Diese besagt, dass Gott gleichermaßen Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Alle drei „Personen“ existieren seit Ewigkeit als Einheit und unterscheiden sich zwar voneinander, sind aber gleichzeitig vollkommen Gott. Kernpunkt des Christentums ist der Leidensweg und die Auferstehung Jesu von Nazaret. Das apostolische Glaubensbekenntnis, das auf die Aussagen der Apostel über Jesus zurückgeht, beschreibt Jesu Wirken auf der Erde so:

„Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten, die Lebenden und die Toten.“

Dass Gott als Mensch auf die Erde gekommen ist, um sich den Sünden der gefallenen Menschen anzunehmen, ist die Essenz des christlichen Glaubens. Christi Tod am Kreuz und seine Auferstehung beschließen die Aussöhnung Gottes mit dem Menschen, der sich im Garten Eden einst gegen ihn wandte (siehe 1. Mose 3 „Sündenfall“).

Neuer Bund und alter Bund

Durch Gottes Opfer seines einzigen Sohnes kann heute ein neuer Bund zwischen Gott und dem Menschen bestehen. Der neue Bund besagt, dass jeder Mensch durch Jesus Zugang zum Vater und dessen Vergebung hat (siehe Johannes 14,6). Der alte Bund, den Gott im Alten Testament mit seinem Volk Israel schloss, wurde durch den neuen Bund bestätigt. Der alte Bund besagt, dass das Volk Israel von Gott gesegnet wird, wenn es seine Gebote einhalten kann. Der neue Bund besagt hingegen, dass der Mensch nichts zum Segen oder der Gnade Gottes hinzutun kann und dass Gottes Gnade ein Geschenk ist, dass die Menschen lediglich anzunehmen brauchen. Entgegen aller Irrtümer verlieren die zehn Gebote, die Gott Moses im Alten Testament als Regelwerk überreicht hat, mit dem neuen Bund nicht ihren Wert. Damals galt es die zehn Gebote zu halten, um Gottes Gunst zu erlangen. Heute sind die Gebote ein Leitfaden für ein gottesfürchtiges Leben und werden im Neuen Testament als selbstverständlich vorausgesetzt. Sie gipfeln im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe.

Christliche Symbole

Die bekanntesten Symbole sind der Fisch, das Kreuz und Alpha und Omega. Der Fisch ist das älteste Symbol und diente in Zeiten der Christenverfolgung als Erkennungszeichen der Christen untereinander. Noch heute wird er als Bekenntnis der Zugehörigkeit des Christentums verwendet, beispielsweise als Autoaufkleber.

Das Kreuz als wichtigstes Symbol erinnert an den Leidensweg Christi und den daraus resultierenden Sieg über den Tod. Die waagerechte Linie des Kreuzes steht für die Menschlichkeit bzw. das Irdische, die senkrechte Linie stellt das Göttliche dar.

Alpha (A) ist der erste und Omega (Ω) der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Daher stehen beiden Symbole für die allumfassende Bedeutung Gottes. Sie symbolisieren, dass Gott das Leben jedes Menschen von Anfang bis Ende begleitet.

Eine Christenheit?

Innerhalb des Christentums existieren heutzutage viele Konfessionen, Kirchen und Glaubensüberzeugungen. Sie lassen sich im Wesentlichen in fünf Gruppen zusammenfassen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxe Kirche, die protestantische Kirche, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung.

Die römisch-katholische Kirche hat als einzige Kirche den Papst als Oberhaupt und ist die größte Kirche des Christentums. Der Papst nimmt die Rolle des Stellvertreters Jesu, bzw. des direkten Nachfolgers des heiligen Petrus auf der Erde ein und ist als Person unfehlbar. Die Verehrung der Heiligen, die sieben Sakramente (Taufe, Eucharistie, Ehe, Beichte, Sarkament der Weihe, Krankensalbung und Firmung) und die katholische Liturgie (z.B. die heilige Messe) spielen eine große Rolle.

Die evangelische Kirche entstand durch die Reformierung der Kirche im 16. Jahrhundert, die auf Martin Luther zurückgeht. Im Protestantismus gibt es kein Zölibat – das bedeutet, jeder kirchliche Würdenträger darf heiraten. Die Heiligenverehrung und Verehrung Marias als heilige Mutter Gottes wird von Protestanten abgelehnt, außerdem gibt es nur zwei Sakramente – die Taufe und das Abendmahl.

Die orthodoxe Kirche geht auf Kaiser Konstantin zurück und ist vor allem in Osteuropa verbreitet. Im Unterschied zum Katholizismus gibt es kein Oberhaupt, sondern gleich mehrere Patriarchate, die von einem Bischofsgremium gewählt werden. Die orthodoxe Kirche legt viel Wert auf ihre Liturgie und verschiedene Rituale, ebenso auch auf die Heiligenverehrung.

Die anglikanische Kirche („Church of England“) hat viele Ähnlichkeiten zum Protestantismus und Katholizismus, allerdings erkennt die Kirche von England den Papst der katholischen Kirche nicht an. Das Oberhaupt (der Monarch) ist Königin Elizabeth II, der Erzbischof von Canterbury ist das religiöse Oberhaupt.

Der starke Fokus auf das Wirken des Heiligen Geistes ist das markanteste Unterscheidungsmerkmal zwischen der Pfingstbewegung und anderen christlichen Kirchen. Der Name bezieht sich auf das Pfingstfest, an dem die Ausgießung des heiligen Geistes auf die Apostel Jesu (Apostelgeschichte 2, 1-13) stattgefunden hat. In der Lehre dieser Bewegung haben vor allem die Geistestaufe und die Geistesgaben (Zungenrede, Heilung, Prophetie, etc.) große Relevanz. Liturgie und Tradition spielen im Vergleich zu den anderen christlichen Konfessionen keine so große Rolle, dafür aber die Evangelisation im Sinne von Missionierung.

Was Konfessionen verbindet

Die zentralen Aspekte des Glaubens, über die sich die Konfessionen einig sind, sind unter anderem:

  • Jesus Christus ist der Sohn Gottes, der als der Messias auf die Erde gekommen ist, um die Menschen durch seinen Tod von der Sünde zu befreien. Er ist zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch
  • Gott liebt den Menschen nicht aufgrund seiner eigenen Leistung, sondern allein aus Gnade
  • Die Bibel ist Gottes Wort und bildet die Grundlage des christlichen Glaubens
  • Gott hat die Allmacht und ist der Schöpfer der Welt
  • Gott erneuert den Menschen und wirkt durch den Menschen, sodass dieser zu guten Werken fähig ist. Der Mensch ist ein gefallener, sündhafter Mensch, der errettet werden muss, um in den Himmel zu kommen
  • Gott ist im Gegensatz zu anderen Weltreligionen ein nahbarer Gott, mit dem man in Beziehung treten kann
  • Es gibt ein Leben nach dem Tod – Gott schenkt ewiges Leben denen, die an ihn glauben
  • Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Vater Unser, die Taufe und die Eucharistie / das Abendmahl sind überkonfessionell
  • Gott beruft die Kirche, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt und Nächstenliebe zu leben

Aufgrund der vielen Spaltungen, die es im Laufe der Jahrhunderte in der Christenheit gegeben hat, bemüht man sich heute darum, Ökumene, das heißt die Vereinigung der christlichen Kirchen, anzustreben. Ziel ist es, voneinander zu lernen, anstatt einander anzufeinden. Die einzelnen Kirchen können von der Art und Weise, wie andere Kirchen ihren Gottesdienst gestalten und ihre theologischen Schwerpunkte legen, lernen und sich weiterentwickeln und darüber hinaus offen bleiben für Veränderung.

Christenverfolgung

Christen werden schon seit der Entstehung des Christentums verfolgt und sind heute die weltweit größte verfolgte Religion. Ein genauer Beginn oder eine Ursache der Verfolgung lässt sich nur schwer bestimmen – historisch betrachtet könnte der große Brand Roms im Juli 64 n. Chr. ein schwerwiegender Auslöser gewesen sein, da Kaiser Nero zu dieser Zeit den Christen die Brandstiftung unterstellt hatte. Die Christen, die im römischen Reich eine soziale Randgruppe dargestellt haben, wurden fortan verfolgt und mit harten Konsequenzen bestraft – auch die Apostel Paulus und Petrus sollen durch die neronische Christenverfolgung umgekommen sein. Das Christentum wurde erst im Jahr 380 n. Chr. in Rom als Staatsreligion anerkannt.

Auch heute werden mehr Christen verfolgt, als vielleicht angenommen. In Ländern wie Nordkorea, Afghanistan, Somalia und Libyen ist die Lage besonders schlecht. Den Menschen, die sich zu ihrem christlichen Glauben bekennen, wird die Arbeit genommen und sie werden bedrängt, inhaftiert, gefoltert und gar getötet. Was da in vielen Ländern dieser Welt passiert, ist eine massive Verletzung der Menschenrechte, die hierzulande kaum denkbar wäre.

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