Predigtwettbewerb für Prädikantinnen und Prädikanten – das Ergebnis

Eigentlich war es ein Versuch. Er war nach dem „Nachwuchspredigtpreis“ im vergangenen Jahr nunmehr der Freude von Gemeindegliedern mit anderer beruflicher Ausbildung am Evangelium und dem Predigtdienst sowie der Not vieler Gemeinden bei sinkenden Pfarrer- und Pfarrerinnen-Zahlen geschuldet. Wertschätzend also dem wesentlichen Dienst, den Prädikantinnen und Prädikanten seit Jahrzehnten im Predigtamt und bei Kasualien unserer Kirche tun.
Ich hätte nie gedacht, dass 53 Prädikantinnen und Prädikanten sich an unserem Predigtwettbewerb beteiligen. Das freut mich als Schriftleiter der PASTORALBLÄTTER. Das freut mich für unsere Landeskirchen und die dort für die Aus- und Fortbildung der Prädikantinnen und Prädikanten Verantwortlichen.
Teilgenommen an dem Wettbewerb haben im Übrigen Prädikantinnen und Prädikanten aus allen (!) Landeskirchen, das ist erstaunlich genug. Unter den Teilnehmenden waren 36 Prädikantinnen und 17 Prädikanten.
Die zehnköpfige, überaus engagierte Jury, die die vielen Predigten, Gebete und Vorschläge zu lesen und zu bewerten hatte, hatte eine schwierige Entscheidung zu treffen. In den mehr als zehn Spitzenpositionen lagen die Wertungen am Ende nahe beieinander. Aber das ist eben so bei über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Der Verlag, der Redaktionsbeirat und der Schriftleiter bedanken sich sehr, sehr herzlich bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement, sowohl bei der Herausforderung im Wettbewerb der PASTORALBLÄTTER wie auch für ihren Dienst in der Kirche. Gleichzeitig gratulieren wir den drei Preisträgerinnen. Die Predigt der 1. Preisträgerin ist in dieser Ausgabe abgedruckt (siehe S. 682).

1. Preis: Veronika Kabis, Saarbrücken
2. Preis A: Anja Bergemann, Carlow
2. Preis B: Ulrike Labuhn, Berlin

Auf dem Holzweg?

Ich lese bei Wikipedia: „Die Redewendung ,Auf dem Holzweg sein’ beschreibt ein nicht zielführendes Vorgehen und impliziert die Aufforderung, den Irrweg zu verlassen. Das Wort ,Holzweg’ steht für einen Weg, der in einem Wald angelegt wurde, um Holz zu beschaffen, und nicht der Verbindung zweier Orte dient.“
Es gab in diesem Jahr schon ernsthaft das Corona-bedingte Verbot, sich nicht weiter als 15 km vom Wohnort zu entfernen. In manchen europäischen Ländern gar ein generelles Ausgangsverbot. In Baden-Württemberg wurde es zumindest im Winter abends um 20.00 Uhr sehr still auf den Straßen. Der Astra Zeneca-Impfstoff wurde erst für die Älteren nicht zugelassen, dann ganz gestoppt, dann wieder zugelassen. Die Zustimmung zu den Entscheidungen der Regierenden in Bund und Ländern, später auch Landkreisen und Kommunen sank mehr und mehr. Die Diskussion begleitet die ganze Corona-Pandemie: Hat die Regierung die richtige Strategie? Die kontroverse Diskussion um Sommerreisen, die Einlassungen all der sympathischen und unsympathischen Interressensvertreterinnen und Lobbyisten, die öffentlichen Anklagen und die geheimen Hintergrundgespräche – meist eher ein peinliches Gerangel um öffentliche Schuldzuweisungen und vertuschte Bereicherungen, ein Geschachere um Plus- oder Minuspunkte in all den Wahlkämpfen. Bei den eher ernsthaften Verantwortlichen, nicht nur in der Politik, die immer wieder selbstkritisch gestellte Frage: Sind wir auf dem Holzweg?

Jetzt rücken die Sommerferien in allen Bundesländern näher. So richtig, sagt man uns nach, könnten wir Deutsche Ferien und Feiertage gar nicht mehr ertragen. Wir würden sie durchplanen und vollstopfen, sodass mancher sich nach dem geregelten Alltag sehnt, weil die Wochenenden der pure seelische Stress seien. Ich hoffe, Sie können die freie Zeit, die Ihnen geschenkt ist, trotzdem genießen. Können mit Muße und heiterem Staunen der Natur etwas von ihrer Schönheit, ihrer Frische und Geduld abgucken. Wenn Sie nicht gerade schimpfend in Autokolonnen auf der Autobahn stehen – was im Februar/März, als ich dies schreibe, noch eher unwahrscheinlich ist – oder von Programmpunkt zu Programmpunkt einer Reise hetzen, dann können Sie, so hoffe ich, in Ihrer Freizeit durchatmen und aufatmen.
Es ist nötig, dass ich mich ab und zu bewusst neben mich stelle, den Kerl mal anschaue, der aus mir geworden ist in all den Jahren und Jahrzehnten. Es ist nötig, ab und zu einmal zurückzublättern: Wo wollte ich eigentlich einmal hin? Wollte ich da eigentlich hin, wo ich jetzt bin? Oder bin ich hier eher unversehens gelandet? Ist das vielleicht gar nicht mein Weg?
Ich habe gelesen, dass Dietrich Bonhoeffer und ein französischer Pfarrer sich einmal gefragt haben: Was wollen wir eigentlich mit unserem Leben? Der französische Pfarrer sagte: „Ich möchte ein Heiliger werden.“ Bonhoeffer meinte: „Ich möchte glauben lernen.“
Und Sie? Was wollen Sie mit Ihrem Leben, jetzt, wo Sie da sind, wo Sie sind? – „Durchhalten, solange es geht, eben durchhalten, und ich hoffe, Gott gibt mir die Kraft“, sagt mir eine Frau, seit über vierzig Jahren mit einem bösartigen Mann verheiratet. Was wollen Sie mit Ihrem Leben? Nur durchhalten?
Ein junger Mann sagt beim Traugespräch: „Wir haben beide erst versucht, im Beruf Fuß zu fassen, dann haben wir die Wohnung gekauft, jetzt heiraten wir, nun wollen wir auch Kinder. Unsere Ziele haben wir bisher eigentlich immer erreicht. Toi, toi, toi.“

Im Rückblick werden wir wohl immer feststellen, dass alles dann doch ganz anders geworden und gekommen ist. Selbst die Fünfjahrespläne waren meist zu weit gegriffen. Aber es war wichtig, dass wir eigene Pläne hatten. Dass wir uns Wege ausgedacht und Ziele gesetzt haben. Die wirklich einschneidenden Ereignisse kommen sowieso ungeplant und überraschend. Es gibt ein Gleichnis, in dem Jesus von einem Mann erzählt, der zur Hochzeit weg ist, um seine Braut heimzuführen. Seine Knechte und Mägde zu Hause bittet er zu wachen, weil er nicht weiß, wann er kommt. Er möchte gerne, selbst wenn er mitten in der Nacht kommt, mit ihnen weiterfeiern. Und sagt beim Abschied: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter angezündet.“ Rafft also eure Kleider so hoch, dass die Füße und Beine frei werden zum Laufen. Und lasst das Licht brennen. So vorbereitet, wird mich sicherlich das eine oder andere überraschen, aber es erschlägt mich nicht. Ich habe die „Röcke gerafft“ und bin bereit, mich auf den Weg zu machen.

Mehr und mehr rückten die Verantwortlichen für die Wege in, mit und durch die Pandemie mit der Wahrheit heraus: Wir wissen es nicht. „Wir fahren auf Sicht“, war die beschönigende Umschreibung des schwierigen Lernprozesses angesichts eigener Hilflosigkeit. Natürlich weiß man am Anfang oft nicht, ob der Weg, den man geht, nicht doch ein Holzweg ist. Mit all den hybriden Gottesdienstversuchen, den Online-Proben der Chöre und den Plagen mit Wechsel-, Staffel- oder Online-Konfirmandenunterricht sind auch die Kirchen und Gemeinden „Holzwege“ gegangen.
Trösten Sie sich mit der Erkenntnis, dass fast alle Wege, die früher einmal „Holzwege“ im dichten Wald waren, heute die breiten Wege sind, die breiten Straßen. Wenn Sie mit dem Auto auf einer schönen Straße durch den Wald fahren, dann können Sie fast sicher sein: Das war früher mal ein Holzweg. Es ist ein längeres Nachdenken wert, dass wir sicheren Fußes, gut ausgeschildert und unbeirrt auf den Holzwegen unserer Vorfahren unterwegs sind. Das gilt wohl nicht nur im Wald.

Gerhard Engelsberger

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