Tipps für ihre GesundheitIch kann nicht mehr!

Es gibt viele mögliche Gründe für eine Überlastung. Im Folgenden werden vier häufige Ursachen beschrieben, und zwar solche, denen Sie zumindest teilweise aus eigener Kraft begegnen können.

Ich kann nicht mehr
© Harald Neumann

Studien zur Erzieherinnengesundheit zeigen, dass Beschäftigte in der Kinderbetreuung überdurchschnittlich hoch belastet sind. Wenn Fachkräfte sich ausgebrannt fühlen, schnell gereizt sind und scheinbar die Lust am Beruf verloren haben, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie ihre eigenen Grenzen überschritten haben. Es gibt Fälle, bei denen es nicht möglich ist, die Ursachen selbst zu bekämpfen. Dann ist der richtige Weg, Hilfe zu holen – in Form von Fachberatung, Coaching oder Supervision. Doch oft kann es schon helfen, das eigene Handeln kritisch zu reflektieren und daraufhin sein Verhalten zu ändern, um der Überlastung entgegenzuwirken.

Aufgaben priorisieren

Im Arbeitsalltag ist immer alles wichtig: Das Gespräch mit der Mutter, das Spielen mit dem Kind, das Wegräumen von Sachen, das Dokumentieren von Beobachtungen, die Vorbereitung von Festen etc. Die Liste könnte unendlich verlängert werden. So entsteht schnell das Gefühl eines Hamsterrades, aus dem man nicht entkommt. Nehmen Sie sich die Zeit und überlegen Sie im Team, welche Aufgaben Sie täglich wahrnehmen. Halten Sie diese auf einem Flipchart fest. Benennen Sie jede Kleinigkeit und füllen Sie die Blätter, bis Ihnen nichts mehr einfällt. Haben Sie dann den Mut, diese Tätigkeiten zu priorisieren: Welche sind wichtig und notwendig, welche eher weniger oder bei genauerem Hinsehen gar verzichtbar? Sie werden feststellen, dass es auch bei Ihnen Aufgaben gibt, die Sie weniger wichtig finden als gedacht. Diese gehören ans Ende Ihrer Prioritätenliste oder werden ganz gestrichen. Setzen Sie dann mithilfe der Liste neue Schwerpunkte für Ihr Handeln. So kann es bspw. eine Möglichkeit sein, auf das ein oder andere jahreszeitliche Kreativangebot zugunsten von mehr Freispielzeit zu verzichten. Berücksichtigen Sie die Bedürfnisse der Kinder. Ihre Entscheidungen sollten Sie pädagogisch vertreten können.

Zeiträuber besiegen

Der Arbeitstag hat oft nicht genug Stunden! Aufgaben, die eigentlich schon gestern erledigt sein sollten, liegen vor einem wie ein großer Berg. In der Konsequenz geht oft der Überblick verloren. Am Ende des Tages kommt das Gefühl auf, nicht alles erledigt zu haben, was man eigentlich erledigt haben müsste. Es kann helfen, wiederkehrende Zeiträuber zu identifizieren, also Tätigkeiten oder Vorgehensweisen, die nicht notwendig sind, aber wertvolle Zeit kosten: Malen Sie eine große Uhr auf ein Plakat, mit den Stunden, in denen Sie in der Einrichtung sind. Dann beantworten Sie folgende Frage: Wie viel Zeit benötigen Sie für welche Tätigkeit? Tragen Sie alle, auch die kleinen Tätigkeiten zwischendurch, möglichst präzise in die Uhr ein. Zeiträuber, die Sie möglicherweise identifizieren und ggf. streichen sollten, sind diese:

  1. Häufige Telefonstörungen: Aktivieren Sie in der Betreuungszeit den Anrufbeantworter und hören Sie diesen regelmäßig ab. Es stört die Betreuungssituation, immer wieder ans Telefon zu müssen.
  2. Arbeiten ohne Prioritätensetzung (s. o.)
  3. Interne Störungen: Bündeln Sie Spontangespräche in geplanten Teamsitzungen. (Davon unberührt bleiben natürlich dringend notwendige Absprachen zwischendurch.)
  4. Alles selbst tun: Teilen Sie bestimmte Aufgaben im Team zu, damit nicht jeder alles im Blick haben muss. So kann bspw. eine Kollegin für die Wechselkleidung in der Einrichtung zuständig sein, eine andere betreut das Sandspielzeug.
  5. Perfektionismus: Erledigen Sie Aufgaben so gut wie nötig, nicht so gut wie möglich.
  6. Nicht Nein sagen können: ein großer Zeiträuber, den Sie nur loswerden, indem Sie das Nein-Sagen (verbunden mit wertschätzenden Begründungen) immer wieder üben. Machen Sie sich gerade auch in diesem Zusammenhang bewusst, dass die Zeit für und mit den Kindern immer Vorrang hat!

Sich abgrenzen

Die Personalsituation in Kitas ist bundesweit sehr unterschiedlich. Unabhängig davon können aber fast überall Planungen immer wieder nicht eingehalten werden, weil eine oder mehrere Kolleginnen erkranken. Schließlich sind Fachkräfte täglich körperlichen Belastungen und Stressfaktoren ausgesetzt. Improvisation, Flexibilität und Mehrarbeit bedeuten dann noch mehr Stress für die verbleibenden Fachkräfte und dadurch oft auch für die Kinder.
Machen Sie sich von dem Gefühl frei, dass alles erledigt sein muss! Gestehen Sie sich in solchen Situationen zu, dass manches eben nicht getan werden kann. Haben Sie den Mut und verschieben oder streichen Sie bspw. einen Ausflug oder ein Fest und führen Sie ggf. auch eine fest eingeplante Entwicklungsdokumentation erst zu einem späteren Zeitpunkt durch.

Bedürfnisorientiert gestalten

Nicht jede Einrichtung verfügt über einen großzügigen Raum. Enge Räume können den Stress in Betreuungssituationen jedoch verstärken. Scheuen Sie sich bei Platzmangel nicht, Ihren Träger immer wieder darauf aufmerksam zu machen, was dies für die Kinder und für Ihre Arbeit bedeutet. Ein Ausbau ist meist aus finanziellen Gründen zeitnah nicht möglich, aber wenn Sie konsequent auf Probleme aufmerksam machen, können neue Pläne ins Rollen gebracht werden.
Oftmals geht auch die Raumgestaltung und -ausstattung an den Bedürfnissen der Kinder vorbei. Diese sind aber wesentlich für ein vertieftes Spiel der Kinder und deren Selbstbildung. Fehlt die Erfahrungsvielfalt, tritt schnell Langeweile auf. Das kann zu Frust und Unruhe und damit zu erhöhtem Stress, auch bei den Fachkräften, führen. Beobachten Sie Ihre Kinder regelmäßig unter diesem Gesichtspunkt: Gibt es Ecken, in denen häufig Unruhe entsteht? Welche Materialien werden intensiv genutzt und wären somit ausbaufähig? Fragen Sie auch die Kinder nach Vorlieben. Dadurch fühlen sich diese wertgeschätzt und werden die Spielangebote entsprechend aufmerksam wahrnehmen. Passen Sie die Räume immer wieder an die aktuellen Interessen der Kinder an. Wenn Sie dieses Bedürfnis befriedigen, sorgen Sie gleichzeitig für eine weniger belastende Arbeitssituation.

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