Nachhaltigkeit in der U3-PraxisWas wir schätzen, schützen wir!

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist heute wichtiger denn je – aber auch schon für Kleinkinder? Unbedingt, sagen die Betreiber der Tagespflegestelle Caning & Caning und gehen mit gutem Beispiel voran!

Was wir schätzen, schützen wir
© analogicus - Pixabay

Den Vorgarten der Großtagespflegestelle Caning & Caning in Hamburg-Sasel ziert eine Wäscheleine, die mit allerhand Plastikabfällen bestückt ist. „Die Leine führt uns vor Augen, wie viel Plastikmüll in unserer Tagespflege anfällt“, erläutert Loni Caning das bunte Gebilde. „Wobei es schon nicht mehr so viel ist wie am Anfang. Die Kinder haben mittlerweile merklich weniger Plastikverpackungen in ihrer Frühstücksbox“, ergänzt die Tagesmutter. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael betreut Loni Caning zehn Kinder unter drei Jahren. Die Tagesmutter berichtet, was sie einst auf die Idee mit der Leine brachte: Um den Kindern die Plastikproblematik zu veranschaulichen, startete sie ein Müll-Projekt. Hierfür vergruben sie anfangs ein Apfelgehäuse und eine Käse-Verpackung an einer gekennzeichneten Stelle im Garten. Nach ein paar Wochen buddelten die Kinder das Loch wieder auf und fanden keinerlei Apfelreste, dafür aber eine gut erhaltene Plastik-Verpackung. Am Komposthaufen hatten die Kinder ebenfalls schon beobachtet, dass Bioabfall zu Erde wird. Wie aber lassen sich Plastikabfälle entsorgen, wenn nicht in der Erde oder auf dem Kompost? Das Experiment hatte die Neugier der Kinder geweckt – gemeinsam mit ihrer Tagesmutter verfolgten sie daraufhin den Weg des Mülls. Dabei erfuhren sie, in welche Tonne welcher Abfall gehört. Sie brachten ihre Windeln selbst zur Tonne an der Straße und beobachteten das große Auto, wie es den Müll abholt. Über Rituale und das Vorbild der Tagespflegepersonen lernten die Mädchen und Jungen sogar, Abfälle zu sortieren und, besser noch, zu vermeiden.

Vielfältige Umsetzung

Für ihre Umsetzung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) wurde die Tagespflegestelle als „KITA21“ ausgezeichnet (s. Kasten). Dabei ist BNE in ein ganzes Bündel an Maßnahmen integriert, die den Kindern oft nur beiläufig begegnen, die einen Lernort für nachhaltige Entwicklung aber erst authentisch machen: Neben der gezielten Bil dungsarbeit achten die Tageseltern u. a. auf eine ressourcenschonende Bewirtschaftung und Beschaffung und kaufen möglichst regionale, saisonale und fair gehandelte Lebensmittel ein. Im Garten steht ein Insektenhotel, das den Kindern als Bildungsanlass dient. Die Tagespflegestelle wird mit umweltfreundlichen Reinigungsmitteln geputzt und jedes Kind bringt von zu Hause eine eigene Wickelunterlage mit. Gebastelt wird nach dem Upcycling-Prinzip, also mit vermeintlich wertlosen Resten. Loni Caning ist überzeugt, dass beides, die pädagogische Arbeit und die Ausstattung und Bewirtschaftung der Einrichtung wichtig ist, um bei jungen Kindern ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln zu erzeugen. „Wir beobachten konkrete Verhaltensänderungen bei den Kindern, wenn sie etwa auf einmal das Licht ausmachen, sobald sie den Raum verlassen, oder ihre Eltern darauf hinweisen, das Wasser beim Händewaschen nicht so lange laufen zu lassen.“ Im Sinne von BNE geht es der Tagesmutter aber nicht nur um ressourcenschonendes, sondern auch um kooperatives, sozial verantwortliches Verhalten. „Unsere Kinder helfen sich gegenseitig und übernehmen teilweise Verantwortung füreinander. Dabei brauchen sie noch ein wenig Unterstützung von uns, dann aber macht sie die Teamarbeit oft stolz“, berichtet sie.

Woher kommt der Honig?

Kinderfragen nachzugehen und Zusammenhänge aus verschiedenen Perspektiven zu erforschen, sind Grundprinzipien der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Zu Ostern kam bspw. die Frage auf, wo eigentlich die Eier wachsen. Also besuchte Loni Caning mit den Kindern eine Streuobstwiese, die auch Hühner beheimatet. Die Kinder beobachteten die Tiere, durften sie streicheln und den Nestern vorsichtig die noch warmen Eier entnehmen – ein Erlebnis, das ihnen u. a. den langen Weg der Eier auf den Frühstückstisch verdeutlichte. Im Garten gibt es neben dem Komposthaufen auch eine kleine Wildblumen- Wiese, sie ist Teil des Bienenprojekts, erzählt Loni Caning: „Da Bienen eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen und in Gefahr sind, haben wir das Thema aufgegriffen und mit den Kindern überlegt, wie der Honig zu uns kommt.“ Die Gruppe besuchte einen Imker, beobachtete ein Bienenvolk aus der Ferne und staunte darüber, wie der Honig aussieht, wenn er noch in der Bienenwabe sitzt. „Wir wollen die Kinder mit diesen Aktivitäten für die Bedeutung von Bienen und anderen Insekten sensibilisieren“, so Caning. „Es ist schön zu sehen, wenn die Kinder beim Essen eines Honigbrots dann spontan selbst den Zusammenhang zu den Tieren herstellen.“ Für die Eltern stellte sie Alltagstipps für den Bienenschutz zusammen, bspw. Honig aus der Region, am besten direkt beim Imker kaufen. Generell wünschen sich die beiden Tagespflegepersonen, dass ihre Anreize für nachhaltiges Verhalten in die Familien hineinwirken. So verleihen sie z. B. tageweise und unentgeltlich einen Doppelkinderwagen und zwei Fahrradanhänger als Alternative zum Auto.
Die konsequente Umsetzung von BNE wird hin und wieder von gesetzlichen Auflagen erschwert, berichtet Loni Caning. So ist es in der Kindertagespflege etwa Pflicht, Papierhandtücher zu verwenden. Dennoch möchte sie pädagogischen Fachkräften Mut machen, sich der Aufgabe zu stellen, gerade im U3- Bereich: „Eigentlich ist es gar nicht so schwierig, Nachhaltigkeitsthemen für diese Altersgruppe herunterzubrechen. Junge Kinder sind so begeisterungsfähig. Sie brauchen einfach Erfahrungen mit allen Sinnen, Anknüpfungspunkte zu ihrer eigenen Lebenswelt, Wiederholungen und gut portionierte Angebote, die ihrer kindlichen Konzentrationsspanne entsprechen.“  

Info

KITA21 – Auszeichnung für nachhaltige Bildung

Mit ihrer Bildungsinitiative KITA21 zeichnet die Save Our Future – Umweltstiftung norddeutsche Kitas und Kindertagespflegestellen aus, die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung auf vorbildliche Weise umsetzen.
Informationen zu den Zertifizierungsbedingungen gibt es unter: www.kita21.de

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