Ein StatementBezahlt die Vorbereitungszeit!

Dokumentationen, Elterngespräche, Fortbildungen … Für Tagespflegepersonen fällt viel Arbeit außerhalb der regulären Betreuungszeiten an. Diese Vorbereitungszeit muss endlich angemessen entlohnt werden, finden Christina Hin und Isabel Wichmann.

Bezahlt die Vorbereitungszeit!
© Harald Neumann, Freiburg

Mit dem Inkrafttreten des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG) im Jahr 2005 wurde die Kindertagespflege formalrechtlich zur zweiten Säule des Kindertagesbetreuungssystems in Deutschland als gleichrangiges Angebot neben der institutionellen Kindertagesbetreuung. Die Kindertagespflege hat damit den gleichen gesetzlichen Auftrag zur Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern wie institutionelle Angebote.
Um dem gesetzlichen Auftrag gerecht zu werden, wird die Kindertagespflege ständig weiterentwickelt und immer weiter professionalisiert. Das erfordert jedoch einheitliche Rahmenbedingungen, zu denen auch die bezahlte Vorbereitungszeit gehört. In Kindertageseinrichtungen wird die Arbeitszeit der pädagogischen Fachkraft prozentual in „Arbeitszeit am Kind“ und „Verfügungszeit“ eingeteilt. Das bedeutet, dass im Stellenumfang bereits Zeit für Beobachtung und Dokumentation, Kooperation mit Eltern und anderen Netzwerkpartnern, Teambesprechungen etc. eingerechnet sind und somit auch finanziell honoriert werden. Ein solches Modell fordern wir auch für Kindertagespflegepersonen!

Für mehr Professionalität

Mit dem hohen Anspruch an die Kindertagespflegepersonen geht eine fachlich-pädagogisch qualitativ hochwertige Arbeit sowie organisatorischer und bürokratischer Aufwand einher. Da Tagespflegepersonen derzeit nur die reine Betreuungszeit bezahlt wird, erbringen sie diese Leistungen unentgeltlich in ihrer Freizeit – neben der eigenen Familie oder teilweise gar neben einem anderen Beruf, wenn das Gehalt aus der Arbeit als Kindertagespflegeperson für den Lebensunterhalt nicht ausreicht. So gehört zu einem professionellen Angebot z. B. die Dokumentation von Beobachtungen aus dem pädagogischen Alltag. Diese Dokumentation erfordert Zeit außerhalb der Betreuungszeit, die die Tagespflegepersonen aktuell privat aufbringen. An dieser Stelle ist die Qualität der Kindertagespflege somit abhängig vom persönlichen Engagement der einzelnen Tagespflegepersonen. Sie müsste aber vielmehr durch eine bezahlte Verfügungszeit im Berufsbild verankert sein – eine sinnvolle Investition in die Qualität der Kindertagespflege. In der Debatte um Professionalität trifft es auf allgemeine Zustimmung, dass die Kooperation mit den Eltern dringend notwendig ist. Doch auch die regelmäßigen Elterngespräche und Kontakte zu Frühförderstellen, Tageselternvereinen etc., um sich Beratung einzuholen oder zusätzliche Unterstützung für das Kind zu bekommen, müssen von den Tagespflegepersonen zum aktuellen Zeitpunkt unentgeltlich geleistet werden. Da Tagespflegepersonen nur in wenigen Fällen in Teams, sondern vorrangig allein arbeiten, beruht der Austausch untereinander derzeit ebenfalls auf der Basis ehrenamtlichen Engagements. Auch hier wäre es dringend nötig, diese Zeit zu vergüten! Wir sind uns sicher, dass der fachliche Austausch unmittelbar zur Professionalisierung der Tagespflege beiträgt. Ebenso die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsangeboten. Würde auch diese Zeit zumindest teilweise als Verfügungszeit vergütet, könnten Tagespflegepersonen Fortbildungen regelmäßig besuchen und so ihre fachlichen Kompetenzen stetig weiterentwickeln. Wir erhoffen uns davon, dass Tagespflegepersonen das breit gefächerte Fortbildungsangebot über die geforderten Mindeststunden hinaus besuchen. Eine erste bezahlte Fortbildungseinheit könnte sich bspw. mit dem Inhalt dieses Textes beschäftigen: „Was bedeutet eigentlich Vorbereitungs- bzw. Verfügungszeit?“ Es ist unerlässlich, die Tagespflegepersonen darüber zu informieren, welche zusätzlichen Tätigkeiten neben der Betreuung anfallen und wie sie den zeitlichen Aufwand für diese Tätigkeiten dokumentieren können.

Für mehr Attraktivität

Eine Vergütung der Vorbereitungszeit hätte außerdem eine deutlich höhere Arbeitsmotivation und Leistungsbereitschaft bei den Tagespflegepersonen zur Folge – der positive Effekt, den eine angemessene Wertschätzung (auch und gerade in Form der Bezahlung) auf die Arbeitsmotivation hat, ist nicht zu unterschätzen! Letztendlich sind es die betreuten Kinder, die davon profitieren. Eine bezahlte Verfügungszeit würde aber nicht nur die Qualität des Betreuungsangebotes sichern, sondern gleichzeitig auch die Attraktivität des Berufes in der Gesellschaft steigern. So könnten mehr – dringend gesuchte – Tageseltern gewonnen werden. Zusammenfassend fordern wir von der Politik ein klares JA zur bezahlten Vorbereitungszeit! Dieses JA bedeutet nicht einfach nur ein paar Euro mehr für Kindertagespflegepersonen, sondern ist auch ein …

  • JA zur Anerkennung der verantwortungsvollen Tätigkeit einer Tagespflegeperson,
  • JA zur konsequenten Professionalisierung von Tagespflegepersonen,
  • JA zur Wertschätzung von persönlichem Engagement über die Betreuungszeit hinaus,
  • JA zu besseren strukturellen Rahmenbedingungen der Kindertagespflege,
  • JA zur Attraktivitätssteigerung des Berufes in der Gesellschaft.

Zur Umsetzung dieser Vergütung ist es notwendig, ein einheitliches und transparentes Abrechnungsverfahren mit den verantwortlichen Stellen auszuarbeiten, damit die Tagespflegepersonen auf einer klaren Rechtslage ihre Ansprüche auf vergütete Vorbereitungszeit geltend machen können. Dann wird ihnen die Professionalität ermöglicht, die von ihnen erwartet wird.

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