Pro & ContraDie Ostergeschichte in der Kita?

Die Ostergeschichte in der Kita
© pexels

Die Ostergeschichte – besser geht es ohne!

Verrat, Folter, eine blutige Hinrichtung, dazu ein Vater, der seinen eigenen Sohn opfert: Wäre dies nicht die Handlung der Ostergeschichte, sondern die eines Bilderbuchs, dann würde man es kaum in die Hände von Kleinkindern geben - zu grausig, zu unverständlich. So sehr die Geschichten der Bibel unsere Kultur geprägt haben, kommt man doch nicht um die Feststellung herum: Für junge Kinder ist die Ostergeschichte nicht geschrieben. Sie sind noch nicht in der Lage, die frohe Botschaft hinter dem Grauen zu erkennen, es fehlt ihnen die Lebenserfahrung, um die Handlung voller Verrat, Misstrauen und Machtspiele verstehen zu können. Das kann zu Ängsten führen.
Ich plädiere dafür, auf die Ostergeschichte im Krippenalter zu verzichten. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, Kindern die Besonderheiten dieses Festes erfahrbar zu machen: Ostereiersuche und Osterdekoration, Karfreitagsfisch und Osterlamm, um nur einige zu nennen. Zwar erzählen diese fröhlichen Rituale nichts vom Leiden und der Auferstehung Jesu. Aber sie sind Kultur und lassen Kinder sinnlich spüren, dass eine besondere Zeit angebrochen ist. Die Rituale können die Basis dafür sein, sich später, wenn die Kinder reif dafür sind, mit dem religiösen Hintergrund zu beschäftigen: „Warum feiern wir Ostern eigentlich?“ Religiöse Rituale dienen seit jeher dazu, Dinge begreiflich zu machen, die Menschen nicht mit Worten erklären können. Das passt zum Denken und Fühlen kleiner Kinder hervorragend: Durch Rituale und symbolhafte Handlungen bekommen sie einen ersten, für sie verständlichen Zugang zur Ostergeschichte.

Wir sollten Kleinkindern die Ostergeschichte nicht vorenthalten.

Beim Erleben religiöser Traditionen spielt die Passionsgeschichte eine wichtige Rolle, in ihr liegt die Wurzel des christlichen Glaubens. Ostern zu feiern, ohne die dahinterliegenden Ereignisse anzusprechen, wird dem wichtigsten christlichen Fest und auch den Kindern nicht gerecht. Wenn man die überlieferte Erzählung um das Osterfest in der Kinderkrippe thematisiert, muss man jedoch kindgerechte Formen finden, die es den Jungen und Mädchen ermöglichen, die Ostergeschichte zu entdecken. In (Boden-)Bildern bspw. lassen sich ausgewählte Abschnitte der biblischen Geschichte mithilfe von Figuren und Symbolen, Liedern und kleinkindgerechter Sprache lebendig erzählen. Die Kinder können sich außerdem einzelne Szenen eigenständig erschließen: Sie greifen ein und führen selbst die Figuren. So kann man sehen, was sie an der Geschichte interessiert oder vielleicht doch noch überfordert.
Mit einfachen Elementen können auch schwierige Inhalte wie Kreuzigung und Auferstehung angedeutet werden, ohne die biblischen Worte zu verwenden: Wenn es darum geht, dass Jesus getötet wird und seine Freunde traurig sind, kann dies durch ein dunkles Tuch angedeutet werden, das auf die Figuren fällt. Ein helles Tuch dagegen, das in der Luft flattert, versinnbildlicht die Rückkehr Jesu und die Freude darüber. Kleinkinder kennen Gefühle wie Trauer und Freude. Wenn eine Bezugsperson oder ihr Haustier stirbt, beschäftigt sie deren Tod. Diese Grunderfahrungen machen sie auch empfänglich für die Ostergeschichte.  

Kleinstkinder-Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen Kleinstkinder-Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.