Mobilität in der KindestagespflegeVon A nach B

Treppen, Straßenkreuzungen, der Weg zum Spielplatz – mit mehreren Kleinstkindern mobil und flexibel zu sein, ist alles andere als leicht. Lesen Sie, mit welchen Mitteln fünf Tagespflegepersonen die alltäglichen Mobilitätshürden meistern.

Von A nach B
© Humphrey Muleba - Pexels

„ Die Treppe bewältigen wir oft in Form eines Spiels.“

Ich wohne im vierten Stock, sodass die größte Herausforderung beim Rausgehen die Treppen sind. Damit ich das schaffe, müssen mindestens zwei meiner Kinder selbstständig die Treppe runterkommen, sie sollten also gut ein Jahr alt sein. Das Jugendamt berücksichtigt dies, wenn es mir Kinder vorstellt. Die älteren Kinder halten sich am Geländer fest und gehen in ihrem Tempo Schritt für Schritt die Treppe runter. Oder sie krabbeln rückwärts, wenn sie sich so sicherer fühlen. Ich verbinde das oft mit einem Spiel: Die Kinder gehen als Frosch oder Schildkröte die Treppe runter. Habe ich drei sehr junge Kinder, trage ich sie: zwei auf dem Arm, das dritte in der Rückentrage. Das ist ganz schön anstrengend. Und im Winter mit Schneeanzügen kommen wir auch ordentlich ins Schwitzen. Wenn mein Mann zu Hause ist, unterstützt er mich. Unten angelangt, sind wir dank des Vierlingswagens sehr mobil. Das fünfte Kind – ein älteres – läuft zu Fuß. Auf dem Weg zu einem etwas entfernt liegenden Spielplatz überqueren wir eine große Straße. Dabei halte ich das fünfte Kind an der Hand. Den nahe gelegenen Spielplatz erreichen wir ohne Wagen. Die größeren Kinder halten sich dann an der Hand – so klappt das Überqueren der kleinen Straße vor unserem Haus ohne Probleme.

„Mit Babytrage und Dreirad-Doppelkinderwagen bin ich sehr mobil.“

3 Kinder unter 3 Jahren, 2 Stockwerke, 1-2 Mal täglich rauf und runter – jeden Tag ein reizvolles Unternehmen für die Tageskinder und eine immer wieder neue Herausforderung für mich als Tagesmutter. Das älteste Kind geht sicher und ohne Unterstützung die Treppe hinunter, das mittlere hält sich an den Stangen des Geländers fest und nimmt zusätzlich meine Hand, das jüngste krabbelt entweder rückwärts oder wird von mir getragen. Das älteste Kind lasse ich nach vorne, damit es die anderen beiden nicht von hinten bedrängt. Ansonsten gehe ich voraus, meist rückwärts, um die Kinder im Blick zu haben, immer mit einer Hand am Handlauf. Mein Anliegen ist es, dass die Kinder ihren motorischen Fähigkeiten entsprechend selbstständig die Treppe bewältigen. Draußen setzen sich zwei Kinder in den Dreirad-Doppelkinderwagen – der ist sehr wendig und leicht zu schieben; ein großer Vorteil, wenn ich Bordsteinkanten überwinden oder in Lebensmittelläden rangieren muss. Entweder geht das älteste Kind zu Fuß nebenher oder ich trage das jüngste in der Babytrage. Unterwegs wechseln wir ab, je nach Bedürfnis der Kinder. Oft sind wir im eigenen Garten, wo alle Kinder ihrem Alter entsprechend laufen, krabbeln und springen können.

„Manchmal tue ich mich mit anderen Tagesmüttern zusammen.“

Die Räumlichkeiten meiner Tagespflegestelle befinden sich im Erdgeschoss. Wenn ich mit den Kindern in den Garten gehen möchte, können diese, sobald sie angezogen sind, selbstständig rausgehen – durch die Glastür habe ich sie gut im Blick. Ausflüge stellen manchmal eine große Herausforderung dar. Mein Mann und ich haben uns extra ein Auto mit sieben Sitzen gekauft – nun passen zwar alle fünf Kinder ins Auto, nicht aber mein Krippenwagen. Der ist trotz klappbarer Schiebestange zu groß für den Kofferraum. Da ich ihn nicht mitnehmen kann, bin ich für Ausflüge mit dem Auto, z. B. in den Barfußpark, zur Milchtankstelle oder in den Wildpark, darauf angewiesen, dass der Großteil der Kinder laufen kann. Das jüngste kann sich dann in den Buggy setzen (der ohne Probleme ins Auto passt). Oder aber ich hole mir Unterstützung: In den Ferien können mich mein Mann und unsere eigenen Kinder begleiten, mal tue ich mich mit drei weiteren Tagesmüttern zusammen – dann fahren wir alle gemeinsam mit dem Bus. Das ist für uns Erwachsene zwar mit einem höheren Aufwand verbunden, für die Kinder ist so eine Busfahrt aber ein tolles Erlebnis.

„Für Ausflüge leihe ich mir den Bollerwagen von Freunden aus.“

Es ist nicht immer leicht, sich mit fünf Tageskindern im Alltag fortzubewegen – besonders wenn mehr als zwei noch nicht laufen können. Aber Not macht erfinderisch. Eine Babytrage nutze ich nicht, da sie für mich irgendwie umständlich ist. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich ein Mann bin? An manchen Tagen ist meine Frau mit eingebunden. Auch meine beiden Söhne helfen tatkräftig mit, sei es beim Zu-Bett-Bringen oder beim Tragen zur Wickelstation. Für Ausflüge leihe ich mir den Bollerwagen von Freunden aus, da passen vier bis fünf Kinder rein. Unkomplizierter ist es, in den Garten zu gehen: Dort ist es egal, ob die Kinder laufen können oder nicht – krabbeln, rollen, rutschen oder laufen, alles ist erlaubt und möglich. Natürlich darf man nie leichtfertig sein, aber man muss den Kindern auch etwas zutrauen. Zum Mobilitätsgewinn gehören auch ein paar Schrammen, blaue Flecken oder auch mal eine Beule. Packt man die Kinder in Watte, besteht die Gefahr, dass sie unselbstständig und ängstlich werden. Mit wachsender Mobilität der Kinder ändern sich die Herausforderungen an mich: Die Kinder müssen z. B. lernen, nicht auf die Straße zu laufen; Steckdosen, Treppen und Schränke gilt es zu sichern.

„Ich habe Vertrauen in die Bewegungskompetenz der Kinder.“

Neben Tragetuch und Kinderwagen beginnt für mich Mobilität in der Kleinkindbetreuung beim Zutrauen in die Bewegungskompetenz der Kinder. Eine enge, aber zulassende Betreuung an der Treppe gibt den Kindern sowohl Sicherheit als auch die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Zwar dauert es auf diese Weise länger, eine Treppe zu meistern, aber die Kinder sind motiviert, es selbst zu schaffen, sie sind stolz auf ihr Können und suchen weniger den Halt im Getragenwerden. Bei einem Spaziergang mit mehreren Kleinkindern ist der Weg das Ziel. Sind die Kinder erschöpft und möchten getragen werden, hilft eine Spielidee aus der Naturpädagogik: Ich ziehe einfach einen Kreis von einem Meter um mich und die Kinder, und wir schauen genau, was da so alles liegt, krabbelt und zu finden ist. Nach einer so intensiven Pause am Boden, bei der auch gerne mal etwas mitgenommen wird, haben die Kinder meist neue Kräfte zum Weitergehen getankt.  

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