FastfoodDie Dosis macht das Gift

Unsere Kinder werden immer dicker und viele machen Fastfood dafür verantwortlich. Natürlich sind Burger, Pizza, Pommes und Co. nicht unbedingt gesunde Ernährung, aber hin und wieder darf auch das mal sein.

Fastfood: Die Dosis macht das Gift
© Sigrid Rossmann - Pixelio

Fastfood scheint eine moderne Erfindung zu sein, hat es aber bereits im antiken Rom und auch später gegeben: Fliegende Händler boten auf den Straßen Essen feil; im Mittelalter gab es in Deutschland fahrbare Öfen, an denen Würstchen verkauft wurden; in Asien ist heute noch der Außer-Haus-Verzehr üblich: Sushi, Nudelgerichte und frittiertes Gemüse sind besonders beliebt. Fastfood muss keinesfalls ungesund sein, nur kommt es auch hier auf das WIE und WAS an.

Fastfood sollte nicht zur Lebenseinstellung werden

Gegen einen Döner aus frischem Kalbfleisch mit Tomaten, Zwiebeln, Kohlstreifen, Knoblauch, Chili und Joghurt oder einen frisch belegten Hamburger kann kein Ernährungsmediziner etwas einwenden. Deswegen schnitten 8 von 19 Hamburgern in einer Studie der Stiftung Warentest mit "gut" ab, 10 mit "befriedigend" - solange sie nicht regelmäßig auf den Tisch kommen. Und eben das ist der entscheidende Punkt: Fertigpizza, Döner, Pommes frites und Burger oder Currywurst werden nur problematisch, wenn ein Großteil des Speiseplans daraus besteht. Wenn das schnelle Essen im Stehen mit einer Hand oder vor dem Fernseher alltäglich und das gemeinschaftliche Kochen und Speisen verdrängt werden. Wenn keine Zeit mehr fürs Genießen bleibt, Fastfood zur Lebenseinstellung wird.

So haben US-amerikanische Wissenschaftler im Jahr 2005 herausgefunden, dass junge Erwachsene, die über 15 Jahre mehr als zweimal pro Woche zur Frittenbraterei gingen, vier bis fünf Kilogramm mehr wogen als Gleichaltrige, die keine Hamburger mochten. Zudem hatten die Burger-Fans eine erhöhte Insulinresistenz, das heißt, dass der Körper Zucker nicht mehr richtig verwertet - eine Vorstufe zu Diabetes.

Zuviel Pommes und wenig Bewegung - da ist Übergewicht vorprogrammiert

Fastfood-Ketten sind auch deswegen in die Kritik geraten, weil sie übergroße Portionen als Menüs anbieten, also Hamburger mit einer XXL-Portion Pommes frites und Cola. So ein Essen ist vergleichsweise preiswert und daher auch für Kinder mit ihrem Taschengeld bezahlbar. Die Menü-Portionen sind in den letzten Jahren um 40 Prozent gewachsen. Diese großen Portionen sind vor allem für Kinder, die älter als fünf Jahre alt sind, gesundheitsgefährdend. "Dreijährige essen von unterschiedlich großen Mengen dieselbe Menge, während sich Fünfjährige genau wie Erwachsene von einer größeren Portion auch zu mehr essen verführen lassen," so Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE).

Während einige Ernährungsmediziner glauben, die Fastfood-Industrie sei der Hauptschuldige an der fortschreitenden Fettleibigkeitsepidemie und von "Doppelwhopper-Kindern" und der "Generation XXL" sprechen, gibt der Verband für Ernährung und Diätetik Entwarnung für deutsche Kinder. Laut einer aktuellen Studie des Verbands essen mehr als 80 Prozent der Kinder nur einmal in der Woche oder gar nicht in Fastfood-Restaurants. Zudem gaben mehr als 80 Prozent der Befragten an, einmal am Tag eine warme Mahlzeit mit der Familie einzunehmen. Fast Food spielt also in Deutschland anscheinend eine geringe Rolle. Allerdings ist der kleine Teil der Fastfood liebenden Kinder besonders gefährdet. "Konsumenten von Fast Food ernähren sich insgesamt ungesünder als Nicht-Konsumenten," so Kersting. Sie essen also weniger Obst, Gemüse und Vollkorn und sehen Pommes frites als Zwischenmahlzeit an. Hinzu kommt, dass diese übergewichtigen Kinder häufig auch viel fernsehen und sich wenig bewegen. Davon betroffen ist etwa jedes siebte Kind, kein Massenphänomen also, aber trotzdem sind Ärzte alarmiert und fordern bessere Präventionsprogramme schon im Kindergarten sowie ausreichende Therapiemöglichkeiten.

Was können Eltern tun?

Das Außer-Haus-Essen sollte Kindern nicht verboten werden, da Verbote meist kontraproduktiv sind. Ein- bis zweimal pro Woche Fastfood inklusive Soft-Drinks ist im Rahmen einer vernünftigen Ernährung legitim - besonders wenn das Kind auch noch andere Interessen hat als seine Spielkonsole und sich ausreichend bewegt. Das Gleiche gilt für Fertigprodukte. Wenn es mal schnell gehen muss, können ruhig ab und an Tiefkühlkost, Fertig-Tortellini oder Dosensuppen auf den Tisch kommen, die mit frischem Salat, Gemüse oder Obst ergänzt werden. Schließlich entlasten diese Produkte erwerbstätige Eltern. Nur das gemeinsame Kochen und Essen - etwa abends oder am Wochenende - sollte dabei nicht verloren gehen.

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