Allergien bei KindernMein Kind hat Heuschnupfen

Im Sommer sollen unsere Kinder draußen spielen und nicht mit einer Allergie in der Wohnung bleiben. Gerade Heuschnupfen bei Kindern macht das Spielen im Freien aber oft sehr schwierig. Wie können wir unsere Kinder vor Pollen schützen?

"Wie soll das weitergehen? Ich kann den Jungen doch nicht einsperren, jetzt wo alle seine Freunde draußen spielen?" Eine Mutter kommt soeben vom Kinderarzt und der hat bei ihrem achtjährigen Florian die Diagnose "Heuschnupfen" gestellt. "Ich habe es befürchtet. So einen langwierigen Schnupfen hatte er noch nie, dieses plötzliche Naselaufen, die Niesanfälle, das dauernde Reiben von Nase und Augen, er war so erschöpft, schlecht gelaunt und dann diese häufigen Kopfschmerzen!"

Die Bezeichnung "Heuschnupfen" ist irreführend. Denn das Allgemeinbefinden ist meist stärker als bei einem Erkältungsschnupfen beeinträchtigt. Auslöser ist nicht Heu, sondern der Blütenstaub vor allem von Windbestäubern (Bäume, Gräser und Wildkräuter).

Ärzte nennen diese saisonale Nasenschleimhautentzündung Pollinose, allergische Rhinitis oder rhinitische Pollenallergie. Warum das Immunsystem mancher Menschen bei dem Kontakt mit so natürlichen Stoffen wie Pollen überschießend reagiert, ist nicht bekannt. Fest steht, dass es eine angeborene "Bereitschaft" für die Entstehung allergischer Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis gibt. Für die Zunahme dieser Erkrankungen speziell in den Industrieländern gibt es bisher nur Hypothesen, offenbar sind mehrere Faktoren beteiligt. Welche Veränderungen des Lebensstils letztlich relevant und welche Gegenmaßnahmen sinnvoll sind, ist zur Zeit Gegenstand der Forschung.

Kreuzallergie - auch das noch!

Doch zurück zu unserem schniefenden Florian. Seine Symptome traten im April auf, die Wahrscheinlichkeit einer Allergie gegen Birkenpollen war daher groß. Der Allergietest bestätigte es. Auch dafür, dass Florian seine geliebten Äpfel nicht mehr mochte, gab es eine Erklärung. Das Brennen und der Juckreiz im Mund hingen mit einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie zusammen. Diese so genannten Kreuzallergien beruhen auf der Ähnlichkeit bestimmter Eiweiße in Pollen und Nahrungsmitteln.

  • Allergien gegen den Blütenstaub frühblühender Bäume, wie Hasel, Erle und Birke, sind häufig gepaart mit Allergien gegen Stein- und Kernobst, Nüsse und Mandeln oder Sellerie, Karotten und Tomaten.
  • Bei Gräser- und Getreidepollenallergikern ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie Getreide, vor allem Roggen und Weizen, sowie Soja, Erdnuss und andere Hülsenfrüchte nicht vertragen.
  • Eine Allergie gegen Pollen von Kräutern, wie Beifuß und Brennnessel, bedingt oft eine Kreuzallergie gegen Gewürze, Kamille, Sellerie, Artischocken und Sonnenblumenkerne.

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Wie kann man den Übeltätern aus dem Weg gehen?

Da Pflanzen eine riesige Menge an Blütenstaub freisetzen, der kilometerweit fliegen kann, ist es schwer, den Pollen zu entkommen. Dennoch gibt es einige Verhaltensregeln, mit deren Hilfe man den Allergenkontakt wenigstens reduzieren kann:

  • Machen Sie in der Hauptpollenflugzeit Urlaub und reisen Sie in ein Gebiet, wo die relevanten Pollen nicht vorkommen (Nordsee, Mittelmeer usw.) oder wo die Blütezeit zeitlich verschoben stattfindet (Nordeuropa, Hochgebirge).
  • Suchen Sie die häusliche Umgebung mit einer "Allergiebrille" ab: Kann das Kind in ein Zimmer zur windabgewandten Seite ziehen? Steht eine Birke direkt vor dem Fenster des Kinderzimmers? Könnte das Kind auch durch einen filternden Laubwald und nicht über das freie, windige Feld zur Schule gehen? Könnte der Rasen vor dem Haus nicht öfter gemäht werden, damit er gar nicht erst zum Blühen kommt? Steht das Auto immer unter einem blühenden Baum und bläst nach dem Start die Pollen, die sich in der Lüftungsanlage gesammelt haben, in den Innenraum?
  • Verfolgen Sie täglich die Pollenvorhersage in der Tageszeitung oder im Internet (siehe Linkliste) und schauen Sie den Wetterbericht an. Bei starkem Pollenflug und sonnigem, windigem Wetter sollten Aktivitäten im Freien vermieden werden.
  • Bei allergiebedingtem Augenjucken und -brennen wird häufig das Tragen einer Sonnenbrille als wohltuend empfunden.
  • Stauben Sie vor dem Betreten des Hauses die Kleidungsstücke ab und bürsten Sie die Haare aus.
  • Spülen Sie vor dem Schlafengehen die Haare des Kindes aus. Kleidungstücke sollten nicht im Schlafzimmer gewechselt werden.
  • Pflichten wie Rasenmähen, Einkaufen, Müll rausbringen können mit den Geschwistern gegen "Innendienste" getauscht werden.
  • Wäsche sollte nicht im Freien getrocknet werden.
  • Lüften Sie nur kurz, am besten eine halbe Stunde nach dem Regen. In der Stadt sind am Abend, auf dem Lande am Morgen die meisten Pollen in der Luft.
  • Luftreinigungsgeräte mit HEPA-Filter filtern die Pollen aus der Luft. Probieren Sie die Wirkung im Schlafzimmer des Kindes aus.
  • Schaffen Sie Pollenfilter für die Lüftungsanlage des Autos an, falls nicht vorhanden. Halten Sie die Autofenster während der Fahrt geschlossen.
  • Nehmen Sie bei starken Symptomen mit dem Kindergarten bzw. der Schule Kontakt auf. Weisen Sie auf mögliche Leistungsbeeinträchtigungen hin und bitten Sie um eine Befreiung vom Sportunterricht im Freien.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ärzte empfehlen, Heuschnupfen frühzeitig zu behandeln. Nicht nur, um die akuten Symptome zu lindern, sondern auch um einem "Etagenwechsel" der Pollenallergie und damit Asthma vorzubeugen. Der behandelnde Arzt sollte die Zusatzbezeichnung "Allergologe" auf seinem Praxisschild führen und Erfahrung in der Behandlung von Kindern haben, denn die Diagnostik und Therapie des Heuschnupfens erfordert Spezialwissen.

Medikamente gegen Heuschnupfen sind in großer Zahl im Handel. Auch wenn manche rezeptfrei zu bekommen sind, sollte besonders bei Kindern unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Drei Medikamentengruppen kommen hauptsächlich zum Einsatz: DNCG (Cromoglicinsäure), Antihistaminika und Kortison. Bei geringen Beschwerden und wenn möglichst zwei Wochen vor der zu erwartenden Pollenflugzeit mit der regelmäßigen Anwendung (!) begonnen wird, sind bei Kindern meist Nasensprays und Augentropfen mit dem gut verträglichen Wirkstoff DNCG erfolgreich. Abschwellende Nasensprays, wie sie bei Erkältungsschnupfen verwendet werden, sind dagegen nicht geeignet. Reicht DNCG nicht aus, können Antihistaminika als Spray oder in Tablettenform verordnet werden. Ob sie regelmäßig oder nur in akuten Situationen verwendet werden sollen, ist mit dem Arzt zu besprechen. Zu bevorzugen sind moderne Präparate, die nicht müde machen. Bestehen weiterhin schwere Symptome, wird der Arzt zur Entzündungshemmung ein kortisonhaltiges Nasenspray verordnen und darauf hinweisen, dass die Gefahr von Nebenwirkungen gering und die Wirksamkeit bei regelmäßiger Anwendung sehr hoch ist. Anders als bei Tabletten oder Spritzen sind nur geringe Kortisondosen nötig, da das Spray die entzündete Schleimhaut direkt erreicht.

Neben der medikamentösen Behandlung besteht die Möglichkeit, eine Spezifische Immuntherapie (SIT) durchzuführen. Diese auch als Hyposensibilisierung bezeichnete Methode soll den Heuschnupfen langfristig zum Verschwinden bringen oder mindestens deutlich abschwächen. Die Erfolgsquote wird mit 60-80% angegeben. Um das Immunsystem zu überlisten und an den betreffenden Stoff zu gewöhnen, werden dem Kind stark verdünnte Pollenextrakte in ansteigender Konzentration unter die Haut des Oberarms gespritzt. Das ist nicht schmerzhaft, aber unangenehm. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Methode erst für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Die Behandlung wird in der pollenfreien Zeit begonnen und erstreckt sich in der Regel über drei Jahre. Anfänglich wird wöchentlich gespritzt, später in größeren Abständen, meist monatlich. Manche Ärzte haben auch Erfahrung mit oraler Hyposensibilisierung, die auch bei Kindern unter sechs Jahren anwendbar ist. Bei dieser Sublingualen Immuntherapie (SLIT) werden die Allergenextrakte als Tropfen über den Mund verabreicht.

Für welche Therapiemöglichkeit Sie sich auch immer entscheiden, achten Sie darauf, dass sich bei Ihrem Kind ein Sicherheitsgefühl hinsichtlich der individuellen Erkrankung und des Umgangs mit den Medikamenten einstellt. Wichtig ist außerdem, dass die krankheitsbedingten Einschränkungen für Ihr Kind nicht schlimmer sind als die Erkrankung selbst, denn auch die Psyche hat Einfluss auf das Krankheitsgeschehen.

Ende Mai ist Florians Allergiesaison zu Ende. Er wird ohne Einschränkungen draußen spielen können - und den ganzen Spuk erst mal vergessen.

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