Wie steht es um die Lehre in den Fachschulen und Fachakademien?

Siegfried Beckord ist Vorstandsmitglied der BöfAE (Bundesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen + privaten Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik) und leitete über 20 Jahre ein Berufskolleg mit einer großen Fachschule für Sozialpädagogik.

Welchen Beitrag haben die Fachschulen (FSP) und Akademien (FAS) zum Kita-Ausbau geleistet?

Die Personalausweitung im boomenden Arbeitsfeld Kindertageseinrichtung war nur möglich, weil auch die Zahl angehender Erzieher/-innen stark gestiegen ist. In den FSP/FAS hat sie sich die Zahl der angehenden Erzieher/-innen zwischen 2008 und 2014 bundesweit von 21.000 auf fast 36.000 erhöht. Die Zahl der FSP/FAS wuchs zwischen 2011 und 2014 von 561 auf 651. Die FSP/FAS haben damit einen wichtigen Beitrag für den Ausbau geleistet.

Wie sieht die Personalsituation der Lehrkräfte derzeit aus?

Aktuell lernen ca. 95.000-100.000 Studierende an den FSP/FAS. Bei einer Lehrer-Schüler-Relation von 1:18 entspricht das ca. 5.500 Lehrer-Vollzeitstellen. Die Steigerung der Ausbildungskapazität machte in kurzer Zeit über 2.300 neue Vollzeitstellen nötig. Wahrscheinlich werden zukünftig pro Jahr 400-500 neue Lehrkräfte benötigt. Die Lehrkräfte werden in Deutschland an fünf Hochschulen ausgebildet. 2014/15 befanden sich dort 1.150 Studierende. Angesichts der Tatsache, dass nicht alle ihr Studium abschließen, ist davon auszugehen, dass jährlich nur rund 200 Absolvent(inn)en in die 2. Phase der Ausbildung wechseln.

Wo sehen Sie Probleme, wo Handlungsbedarf?

Die kurze Aufrechnung macht deutlich, dass es seit Jahren einen hohen strukturellen Mangel an einschlägig qualifizierten Lehrkräften gibt. Hier müssen Bundes- und Landespolitik als Verantwortliche dringend Änderungen vornehmen. Die FSP/FAS können momentan ihren Ausbildungsverpflichtungen nur nachkommen, weil die Teams nicht nur aus Lehrer(inne)n mit einschlägigem Abschluss bestehen, sondern auch aus Seiteneinsteiger(inne)n. Viele Dozent(inn)en bringen Arbeitsfelderfahrung mit, erhalten ihre Zulassung aber erst nach einem Genehmigungsverfahren bzw. dem Nachweis entsprechender Unterrichtskompetenzen. Die unterrichtsdidaktische Qualifikation wird fast immer „on the job“ erworben. In den wenigsten Bundesländern gibt es dazu eine angeleitete Ausbildungsphase. Die Gefahr besteht, dass die Standards für die Qualifikation von Lehrer(inne)n wegen des Booms zu großzügig gefasst werden. Kinder, Eltern und Gesellschaft haben jedoch Anspruch auf gut ausgebildete Fachkräfte. Hier müssen die Landesministerien notwendige Strukturen bereitstellen. Positive Ansätze zur Verbesserung der Ausbildungsqualität, z.B. durch kompetenzorientierte Lehrpläne, dürfen nicht durch vernachlässigte Qualitätsaspekte gefährdet werden.

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