Kognition

„Synonym: Denken, Rationalität

Denken im weitesten Sinne; die Menge aller Strukturen und Prozesse menschlichen Wissens. Kognitive Prozesse sind alle Vorgänge im Gehirn, die auf einer höheren Ebene verarbeitet werden: Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Erkennen, Vergleichen, Nachdenken, Problemlösen, Kreativität, Entscheiden oder Planen, Orientierung, Imagination, Argumentation, Introspektion. Auch der Wille und das Glauben erfordern höhere Hirnleistungen. Obwohl viele kognitive Prozesse dem Denkenden bewusst sind, sind Kognition und Bewusstsein nicht dasselbe: Da kognitive Prozesse auch unbewusst ablaufen können (wie beim unbewussten, implizierten Lernen), ersetzt Kognition heute den führenden Terminus Apperzeption, der bei Gottfried Wilhelm Leibniz, Immanuel Kant und Wilhelm Wundt noch ausschließlich die bewusste und willentliche gedankliche Verarbeitung des Wahrgenommenen meint.

Kognition und Emotion (Verstand und Gefühl) scheinen Widersprüche zu sein, funktionieren aber nicht unabhängig voneinander, sondern ergänzen sich gegenseitig: Denken ist nicht ohne Beteiligung von Gefühlen möglich, denn rein kognitive Botschaften erregen keine Aufmerksamkeit, bewirken keinen emotionalen Eindruck. Umgekehrt sind die Emotionen an die Kognition gebunden (emotionale Intelligenz).

Während der Entwicklung wächst die menschliche Kognition nicht nur (quantitativ), sondern ändert sich auch (qualitativ): Das kindliche Denken entwickelt sich vom Konkreten zum Abstrakten, vom Einfachen zum Differenzierten (Jean Piaget, Maria Montessori). Schon Heinrich Pestalozzi forderte mit der Anschauungspädagogik eine Elementarbildung durch Lernen mit Kopf, Herz und Hand, weil für ihn die Anschauung das Fundament der Erkenntnis war. Durch diese Auseinandersetzung der Kindes mit seiner Umwelt wird die Kognition integrierter, systematischer, flexibler und angepasster (Adaption). Darum geht die konstruktivistische Perspektive davon aus, dass der Lernprozess immer im sozialen Kontext und in Interaktion mit der Umwelt stattfindet.“