Selig, die glauben, was der Herr ihnen sagt! – Andacht zum Fest Maria Himmelskönigin

Lied: »Alle Tage sing und sage«, GL 526

Einführung

Eine Königin stellen wir uns vielleicht als Frau vor, die abgeschirmt ist von der normalen Welt und die daher keine wirkliche Vorstellung vom Leben der Menschen hat. Dennoch möchten wir gerne da oder dort einmal König oder Königin sein. Ab und zu geschieht es, dass eine »Frau aus dem Volke« Königin wird und ihr daraufhin die Herzen vieler Menschen zufliegen. Wir sehen, dass sich unsere Wünsche oder Träume zumindest bei diesem einen Menschen verwirklichen.

Seit vielen Jahrhunderten schauen wir zu Maria auf und verehren sie als »Himmelskönigin«. An ihr sehen wir viele unserer Wünsche erfüllt. Sehen wir dabei aber auch den Weg, den sie gegangen ist, um Himmelskönigin zu werden? Beginnen wir unsere Feier und unser Gebet mit einigen Augenblicken des Nachdenkens:

• Was schätze ich an Maria so sehr, dass ich sie verehre?

• Was davon ist für mein Leben besonders wichtig?

• Welche Möglichkeiten räume ich Gott im Blick auf meine Lebensgestaltung ein?

Stille

Besinnung

Wir hören nun einen Text der heiligen Thr se von Lisieux. Er knüpft an unsere Gedanken an und führt sie gleichzeitig weiter: Maria ist eine von uns. Sie ist uns aber in einem voraus, in der Tiefe ihres Glaubens. Dieser Glaube ist der Grund für ihre Erwählung. Er macht sie letztlich zur »Himmelskönigin«.

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

Wenn ich dein Leben betrachte, wie es das Evangelium beschreibt,

wage ich es, dich anzuschauen und mich dir zu nähern;

dann fällt es mir nicht schwer, mich als dein Kind anzusehen,

denn hier sehe ich dich sterblich und hinfällig wie mich selbst.

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

Ich liebe dich,

und ich nenne dich die kleine Magd dieses Gottes, den du durch deine Demut entzückst.

Diese große Tugend macht dich allmächtig; sie zieht die heilige Dreifaltigkeit in dein Herz.

Der Geist der Liebe überschattet dich,

und der Sohn, dem Vater wesensgleich, nimmt in dir Fleisch an…

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

O Maria, du weißt es: Trotz meiner Kleinheit besitze ich wie du in mir den Allmächtigen.

Doch wenn ich meine Schwäche sehe, zittere ich nicht, denn der Reichtum der Mutter gehört auch dem Kind…

Ich bin dein Kind, o vielgeliebte Mutter! Deine Tugenden, deine Liebe, gehören sie nicht auch mir?

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

Du zeigst mir, dass es nicht unmöglich ist, auf deinen Spuren zu wandeln, du Königin der Auserwählten!

Du hast uns den schmalen Weg zum Himmel gezeigt, indem du stets die schlichten Tugenden übtest.

Maria, wenn ich bei dir bin, freut es mich, klein zu bleiben; denn ich sehe die Eitelkeit der großen Dinge.

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

Im Himmel werde ich dich schauen.

Die du am Morgen meines Lebens kamst, um mir zuzulächeln,

kommst du auch an seinem Abend. Ich fürchte nicht den Glanz deiner Herrlichkeit,

nimmst du mich doch in diesen hinein.

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

Nunmehr werde ich es auf den Knien singen, warum ich dich liebe,

und auf immer wiederholen, dass ich dein Kind bin.

Kehrvers: GL 649.7 »Gebenedeit bist du unter den Frauen«

Gebet

Gott,

du hast die Mutter deines Sohnes auch uns zur Mutter gegeben.

Wir ehren sie als unsere Königin und vertrauen auf ihre Fürsprache.

Lass uns wie sie an der Herrlichkeit deines himmlischen Reiches teilhaben.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Evangelium: Lk 1,39–56

Bildbetrachtung

Es besteht ein großer Gegensatz zwischen Maria, der Frau aus Nazaret, die das Lied singt, das wir eben im Evangelium gehört haben, und Maria, der Himmelskönigin, wie sie oft dargestellt wird. Das Evangelium zeigt uns eine schwangere junge Frau, die nach einem längeren Fußmarsch müde, aber froh und glücklich bei ihrer Verwandten angekommen ist. Auf ihrer Wanderung hatte sie Zeit, über die Ereignisse nachzudenken, die ihr Leben ändern sollten. Als sie jetzt von Elisabet als »Mutter des Herrn« begrüßt wird, kann sie das, was sie erfahren hat, nicht länger bei sich behalten. Sie spricht erstmals darüber und zwar in der Form eines Lobliedes auf Gott.

*

Die Darstellungen von Maria, der Himmelskönigin, haben mit diesem Mädchen nichts gemeinsam. Da sehen wir eine Frau in vornehmer Kleidung, mit Zepter und Krone. Auf einem Arm trägt sie ihr Kind, dem anzusehen ist, dass dieses Kind ein besonderes Kind ist. Zwischen Mutter und Kind besteht eine tiefe Beziehung. Maria schaut auf Jesus mit dem Wissen, dass ihre ganze Hoheit in ihm begründet ist. Der kleine Jesus hält sich an seiner Mutter fest. Gleichzeitig scheint er auf sie hinzuzeigen, seinen Blick aber richtet er auf die Menschen, die diese Darstellung betrachten. Maria, ein unbekanntes Mädchen aus dem unbedeutenden Nazaret, ist Königin. Eine Frau, die bisher ein ganz normales Leben geführt hat, steht nun im Mittelpunkt. Gott hat sie zur Mutter Jesu erwählt. An ihrem Beispiel möchte er uns zeigen, was er unter »klein« und »groß« versteht und worin die wirkliche Größe eines Menschen besteht.

*

Die Stärke Marias liegt in ihrer Offenheit für Gott. Sie bringt ihm ein Vertrauen entgegen, das unter den Menschen beispiellos ist. Dieses Vertrauen aber ist die Voraussetzung, dass Gott uns mit dem beschenken kann, was wir zu unserem Heil brauchen. Maria, ein schwaches Mädchen, hatte den Mut, sich darauf einzulassen. Elisabet preist sie deshalb selig. Maria wehrt dieses Lob nicht ab, weist aber darauf hin, dass Gott nicht nur ihr Großes tut, sondern allen, die ihm den ersten Platz in ihrem Leben einräumen. Jene, die dies nicht tun, die »Hochmütigen und Stolzen«, werden durch ihre Selbstgerechtigkeit und Selbstherrlichkeit fallen. Ihre Plätze gibt Gott denen, die sich nichts auf sich selbst einbilden, sondern zugeben, dass der Grund ihrer Verdienste Gottes Gnadengaben sind.

*

So kann Jesus uns auf Maria verweisen. Weil sie ihn in den Mittelpunkt ihrer kleinen Welt stellte, konnte er für alle in die Welt kommen. Weil sie im Kleinen treu war, ist sie nun über vieles gesetzt. Weil sie Gottes Wort gehört und danach gehandelt hat, ist sie in ganz besonderer Weise Mutter. Alle, die ebenso eingestellt sind, betrachtet er als Schwester und Bruder. (Lk 8,20f.) Der Blick, den Jesus auf uns richtet, stellt uns vor die Frage, ob wir den Mut aufbringen, so offen wie Maria für Gott zu sein. Denn er ist für uns alle Mensch geworden; mit uns allen hat er Großes vor.

*

Maria wurde »Himmelskönigin«, weil sie sich die Gedanken Gottes zu eigen machte. Dabei musste auch sie sich von mancher einseitigen Vorstellung über Gottes Handeln lösen und trotz ihrer Erwählung Leid und Enttäuschung aushalten. Ihren Glauben hat sie deshalb nicht verloren. Gott blieb immer die Mitte ihres Lebens. Deshalb schauen wir zu ihr auf. Was ihr möglich war, ist auch uns möglich. Was an ihr verwirklicht ist, kann auch für uns Wirklichkeit werden. Wer sich – wie Maria – Gottes Wege zu eigen macht, wird im Reiche Gottes groß sein. Selig, die glauben, was der Herr ihnen sagt!

Marienrufe (Melodie GL 568)

V/A: Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

1. Du Königin himmlischer Heere.

A: Maria, wir rufen zu dir.

Du Freude der Heiligen Gottes.

Dich lobet die Kirche auf Erden.

Vom göttlichen Vater Erwählte.

Du Mutter des göttlichen Sohnes.

Du Braut des Heiligen Geistes.

2. Verheißen im Wort der Propheten.

Israels Tochter und Zierde.

Du Morgenstern unserer Zukunft.

Begleiterin unserer Wege.

Du Vorbild und Beispiel der Menschen.

Du Quelle nie endender Freude.

3. Du Beistand, vom Herrn uns gegeben.

Du hilfreicher Schutz aller Menschen.

Du Zeugin der göttlichen Gnade.

Du Mutter in Armut auf Erden.

Du trugst unser aller Beschwerden.

Du kennst unser Mühen und Sorgen.

4. Du Lichtstrahl im Dunkel der Tage.

Du Zuflucht in Not und Betrübnis.

Dir gilt unser dankender Lobpreis.

Du Schwester der glaubenden Menschen.

Du Sinnbild beständiger Hoffnung.

Du Mutter der heiligen Kirche.

(aus: GL 1975 – Eigenteil für das Bistum Würzburg Nr.987)

Wechselgebet

V: Maria, Gottesmutter, du zeigst uns das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, Jesus, unseren Erlöser, den Heiland der Welt.

A: Du bist der Glanz, der uns auf unser Licht, Jesus Christus, hinweist, denn du lebst ganz in ihm und durch ihn. So sehen wir in dir unser Vorbild, sowohl für unser irdisches, als auch für unser zukünftiges Leben.

V: Jesus hat dich erhöht. Daher schauen wir zu dir auf. Wir suchen unsere Zuflucht bei dir und stellen uns unter deinen mütterlichen Schutz.

A: Wir vertrauen dir unsere Zukunft an und bitten dich, uns auf dem Weg durch unsere Zeit mit ihren vielen Herausforderungen zu begleiten.

V: Das Schicksal der Welt und unser eigenes liegt heute in unserer Hand wie nie zuvor. Deshalb wollen wir von dir lernen, Gottes Wort in unserem Herzen zu bewahren und zu bedenken.

A: Wir haben uns um dich versammelt wie die Urgemeinde von Jerusalem am Pfingsttag. Bitte deinen Sohn, dass er auch über uns die Fülle des Heiligen Geistes ausgießt.

V: Er öffne unsere Herzen für Liebe und Gerechtigkeit, für den Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Er erwecke in allen Menschen und Nationen den Willen zum gegenseitigen Verständnis und in allen Religionen Achtung vor der Überzeugung des anderen.

A: Unter den Menschen vertrauen wir dir vor allem die Schutzlosen und Schwachen an. Es sind jene, in denen dein Sohn besonders unter uns ist, und die Gott mit seinen Gaben beschenkt.

V: Wir denken an die Kinder, die noch nicht zur Welt gekommen sind, an die Kinder, die in Armut und Leid geboren werden, an die Jugendlichen, die nach dem Sinn ihres Lebens suchen, an die Menschen, die ohne Arbeit sind, und an alle, die vor Hunger und Not verzweifeln.

A: Wir vertrauen dir unsere Familien an, insbesondere die zerrütteten und die unvollständigen. Sei für alle da, die sich verlassen und unverstanden fühlen. Gib unseren Kranken und Gebrechlichen Anteil an deiner Hoffnung und deiner Zuversicht.

V: In dir sehen wir den neuen Menschen. Deine Herrlichkeit bedeutet auch für uns die Zusage eines Lebens in der Freude Gottes. So bewahre uns vor Kleinglauben und Mutlosigkeit und vor allen unüberlegten Handlungen, die daraus entstehen können.

A: Bestärke uns in der Gewissheit, dass Hoffnung stärker ist als Angst, dass nach Verwirrung Friede um sich greift und dass auch wir mit unseren Mitteln und Möglichkeiten dazu beitragen können.

V: So ehren wir dich und beten an deinen Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn, der zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist als ein Gott lebt und für uns da ist – heute bis in Ewigkeit.

Lied: »Du große Herrin, schönste Frau«, GL 648

Gebet

Gott,

du hast Maria zur Herrlichkeit des Himmels erhoben.

Gib, dass wir immer auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen

und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu dieser Herrlichkeit.

Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.

Segen

Wir möchten sein wie Maria:

offen für Gott und seinen Willen;

offen für sein Wort – es bedenken und verwirklichen;

offen für Jesus und mit ihm gehen in die ewige Herrlichkeit. –

Dazu segne uns der liebende und gütige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Lied (ein regional beliebtes Lied)

Hanns Sauter

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