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Wie gestalte ich einen Seniorengottesdienst?

Seniorengottesdienste sind häufig Gottesdienste mit kleineren Gruppen, die somit als Gruppengottesdienst konzipiert werden können. Was gibt es hierfür besonders zu beachten?

Kleine Gruppe – große Scheu

Um so kleiner die Gruppe, desto größer ist unter Umständen die Scheu, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen. Das gilt vor allem für das Singen, zumal in fortgeschrittenem Alter auch die Stimme nicht mehr immer zuverlässig mitmacht – oder die Ohren. Aber auch bei allen anderen Elementen, die ein Mittun erfordern, ist dieser Aspekt mitzubedenken. Wenn es sich um eine feste Gruppe handelt, die bereits im Austausch geübt ist, können die Teilnehmenden mit unterschiedlichen interaktiven Elementen gut eingebunden werden. Handelt es sich um offene Gruppen, z. B. in Heimen, sollten solche Elemente eher sparsam eingesetzt werden.

Zeichen statt Worte

Vor allem bei Gottesdiensten in Seniorenheimen oder Pflegeeinrichtungen ist zu beachten, dass viele der Teilehmenden auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt sind und Mühe haben, dem Gottesdienstgeschehen zu folgen. Das fängt beim Hören an und hört bei Menschen auf, die durch beginnende oder fortgeschrittene Demenz nicht immer ganz bei der Sache sind. Sehr wortlastige Abläufe sollten daher vermieden werden, es lohnt sich viel mehr, mit aussagekräftigen Symbolen zu arbeiten, die ganz unterschiedliche Sinne ansprechen. Kleine Gegenstände, die in die Hand genommen und befühlt werden können, wohlriechende Blumen, die verteilt werden, große Symbole, die gezeigt werden und von allen auch gut erkannt werden – oder auch Bilder, die gut sichtbar an eine Wand gebeamt werden.

Und dort, wo gesprochen und vorgelesen wird, lohnt es sich, auf altbekannte Texte zurückzugreifen. An dieser Stelle sollte man sich sogar hin und wieder den aktuellen liturgischen Vorgaben durch die neue Bibelübersetzung widersetzen und zum Beispiel für bekannte Psalmen („Der Herr ist mein Hirte …“) auf die vorhergehende Einheitsübersetzung zurückgreifen – oder in Einzelfällen sogar auf noch ältere Versionen.

Solche bekannten Psalmen, die viele von den Älteren auswendig können, und natürlich auch die bekannten Gebete sollten ihren festen Platz haben, das Vaterunser darf sowieso in keiner Liturgie fehlen, aber auch das Ave Maria oder ein Salve Regina lassen sich hier gut einsetzen.

In der Kürze liegt die Würze

Die oben genannte Tatsache, dass einige der Gottesdienstteilnehmer*innen Mühe haben, der Liturgie zu folgen, wirkt sich auch auf die zeitliche Gestaltung aus. Gottesdienste in Heimen sollten den Zeitrahmen von einer halben Stunde idealerweise nicht überschreiten. Wenn man weiß, dass die Gruppe gut dabei ist, darf es auch eine Dreiviertelstunde sein, aber länger auf keinen Fall.

Gleiches gilt für jedes einzelne Element des Gottesdienstes. Kurze Bibeltexte, kurze Einheiten, in denen es um Verkündigung und Vermittlung von Inhalten geht. Einfache Sprache, die aber durchaus erwachsenengemäß klingen soll (bitte nicht in eine Art Kindersprache verfallen!!!). Oder aber gleichbleibende Wiederholungselemente wie Litaneien einbauen, die in ihrer Einfachheit und ihrem gleichbleibenden Rhythmus eine meditative Ruhe erzeugen und trotzdem alle aktiv einbinden. In diesem Fall darf das Element dann auch etwas länger sein, da es sonst seine Wirkung verfehlt.

Es geht nichts über die alten „Gassenhauer“

Ein ganz wichtiges Element ist der Gesang. Wie oben schon beschrieben ist das Singen ein durchaus schwieriges Terrain. Zugleich ist es bei vielen das Element, das ihnen an Gottesdiensten am besten gefällt und die größte Freude beim Mitfeiern auslöst. Daher sollte in jedem Fall gesungen werden. Und hier geht einfach nichts über die alten „Gassenhauer“, das heißt bei der Liedauswahl ist es ausgesprochen wichtig, auf altbekanntes Liedgut zurückzugreifen. Bitte hier keine Experimente oder „mal was Neues“. Am besten beschränkt man sich zudem auf die erste oder die ersten beiden Strophen, die vielen noch geläufig sind.

Idealerweise bereitet man Liedzettel vor, auf denen die Lieder möglichst groß kopiert sind, sodass sie auch mit schwachem Augenlicht noch zu entziffern sind.

Und dann sollte man als Gottesdienstleiter*in den Mut aufbringen, laut und klar die eigene Stimme zu erheben, um die Gemeinde zum Mitsingen zu animieren. Schön ist es natürlich, wenn ein Instrument den Gottesdienst begleitet oder es ein kleines Team gibt, das die Gottesdienste vorbereitet und auch durchführt – dann ist man schon zu mehreren und es ist einfacher, den Gesang stabil zu halten. Aber meist finden sich auch in jeder Gruppe immer zwei oder drei stimmstarke Senioren oder Seniorinnen, die die anderen mitreißen. Auf jeden Fall kann man sicher sein: Um so voller und schöner der Gesang im Gottesdienst, um so strahlender und glücklicher die Gesichter.

Eine besondere Form: Seniorengottesdienste mit Kindern

Die Ideenwerkstatt Gottesdienste bietet schon seit einigen Jahren in jedem Heft eine wunderbare Form von Seniorengottesdiensten an, die von Maria Garsky in ihrer Heimatgemeinde durchgeführt werden: Gottesdienste mit Kindern im Seniorenheim.

Diese Gottesdienste erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit – und dem Vorbereitungsteam gehen die Themen nicht aus.

Die Gottesdienste haben immer den exakt gleichen Ablauf, es werden sogar am Anfang und am Schluss immer die gleichen beiden Lieder gesungen. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht meist ein Symbol, das einen aktuellen Bezug hat – zur Jahreszeit, zu kirchlichen Festen, zu aktuell passenden Themen. Dieses Symbol wird in einer kurzen Katechese betrachtet, es kommt dabei meist zu einem kurzen Austausch zwischen den Senioren und den Kindern. Fürbitten, Vaterunser und Segen, damit ist die Feier auch schon zu Ende.

Sie finden die Gottesdienste in der Ideenwerkstatt unter dem Schlagwort „Für Kinder“.