Nr. 2/2022

Inhalt

»Der Karneval ist vorbei«, diesen Satz soll der frisch gewählte Kardinal Bergoglio zum päpstlichen Zeremonienmeister gesagt haben, als dieser ihm für den ersten öffentlichen Auftritt auf dem Balkon die roten Schuhe und die samtene Mozetta reichen wollte. Es wurde nie bestätigt oder widerlegt. Belegt ist, dass der neue Papst in schlichter, weißer Soutane vor das Volk trat. Und der Satz würde zu ihm passen. Ebenso, wie er zu Jesus passen würde, der uns mit sehr deutlichen Worten in die Fastenzeit schickt: »Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden«, so fängt seine Rede über die frommen Heuchler an, über diejenigen, die ihren Glauben zur Schau stellen, weil sie gesehen, respektiert, geachtet, gelobt werden wollen. Etwas netter håtte er es vielleicht ähnlich wie sein Stellvertreter auf Erden formulieren können: Der Karneval ist vorbei. Hört auf, euch zu verkleiden und euch als mehr zu verkaufen, als ihr in Wirklichkeit seid. Beendet den Karneval der Machtdemonstrationen und Schönheitswettbewerbe.

Die jungen Menschen in aller Welt stellen immer drängender die Fragen nach dem Klima, sie wollen wissen, was wir tun, um ihre Zukunft zu retten. Sie wollen keine leeren Versprechen mehr, keine aufgeblasenen Klimaprotokolle, die keiner wirklich ernst nimmt. Sie erwarten, dass wir ihre Not ernst nehmen und nicht nur auf uns und unsere Bedürfnisse im Hier und Jetzt starren. Auch sie rufen uns zu: Beendet den Karneval des überbordenden Lebens, des grenzenlosen Wachstums, der grenzenlosen leeren Versprechen. Kümmert euch um unsere Erde! Kümmert euch um eure Kinder.

Wir hören in den Evangelien zu den Sonntagen im Jahreskreis die Kernbotschaften des christlichen Lebens, bevor wir uns mit der Fastenzeit auf einen Weg der Besinnung, inneren Einkehr und: Umkehr! begeben. Diese Leseordnung hat ihren tiefen Sinn. Wenn wir die Botschaft Jesu ernst nehmen, die Botschaft der Bergpredigt, der Feldreden, sind wir bestens gerüstet für die vorösterliche Bußzeit. So kann diese Zeit eine echte Zeit des Wandels werden.

Die Gottesdienste und Gestaltungselemente der Ideenwerkstatt Gottesdienste versuchen, die Botschaft Jesu aus verschiedenen Blickwinkeln zu deuten, immer wieder neue Facetten zu entdecken und sie jeden Tag neu und ganz aktuell als Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu interpretieren. Ich hoffe, Sie finden auf diese Weise gute Anregungen– nicht nur für die Gottesdienste, sondern auch für ein Gemeindeleben, das hinauswirkt in die Welt.

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Gottesdienste