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Warum Schulgottesdienste?

Schulgemeinschaft als Gottesdienstgemeinde

Die klassische Gottesdienstgemeinde unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von der Gemeinschaft, die zum Schulgottesdienst zusammenkommt. So ist in der Regel im Schulgottesdienst nur ein kleiner Teil von Schülerinnen und Schülern zugleich auch aktiv in einer Kirchengemeinde verortet und nimmt dort an den Sonntagsgottesdiensten teil. Für die meisten Kinder / Jugendlichen sind die Schulgottesdienste die einzige Gelegenheit, überhaupt mit einer ökumenischen oder konfessionellen Liturgie in Berührung zu kommen. Das ist natürlich zum einen eine besondere Herausforderung für die Gestaltung des Gottesdienstes. Zugleich ist es aber auch ein guter Grund für Schulgottesdienste. Denn sie ermöglichen nicht nur kirchenfernen Kindern und Jugendlichen das gemeinsame Beten, Singen und Hören auf das Wort Gottes zu erleben, sondern sie bieten zugleich eine ganz besondere Form der Gemeinde: Hier kommen wirklich alle zusammen, ein Querschnitt durch die Gesellschaft, wie er eben gerade von dieser Schule abgebildet wird. Und selbst bei Konfession und Religion kennt die Schulgottesdienstgemeinde keine Grenzen. Und so finden sich neben den unterschiedlichen christlichen Konfessionen durchaus manchmal sogar Angehöriger anderer Religionen im Gottesdienst.

Und nicht zuletzt überwindet die Schulgottesdienstgemeinde noch eine weitere Grenze: Im Gottesdienst sind auch die Lehrerinnen und Lehrer einfache Mitfeiernde. So können die Schülerinnen und Schüler auf das Lehrpersonal einmal ganz anders erleben, den Klassenlehrer als gläubigen Christen, die Chemielehrerin als emotionale Sängerin …

Ein Raum, die eigene Spiritualität zu entdecken

Das wichtigste Argument für jeden Gottesdienst ist selbstverständlich das Wesen jeder liturgischen Feier an sich: Einen Raum für das persönliche und das gemeinschaftliche Gebet zu schaffen, das Wort Gottes zu verkünden und die Geheimnisse des Glaubens sinnenhaft erfahrbar zu machen. Dieser Raum kann auf keine andere Weise geschaffen werden, das bringt kein Unterricht zustande und auch keine Gruppenstunde oder Morgenrunde. Die Liturgie hat ihre ganz eigene Wirkmacht und darin liegt die große Chance von Schulgottesdiensten: dass sie Kindern und Jugendlichen diesen sinnenhaft erfahrbaren Raum des Glaubens eröffnet. Einen Raum, in dem sie auch ihre eigene Spiritualität entdecken können. Was sie mit diesem Angebot machen, muss ihnen überlassen bleiben. Aber sie haben zumindest die Möglichkeit, sich in einer Weise für oder gegen den christlichen Glauben zu entscheiden, wie das allein durch die Inhaltsvermittlung eines konfessionellen Religionsunterrichts und ohne je eine Kirche betreten zu haben, niemals möglich wäre.

Den Ereignissen einen tieferen Sinn verleihen

Die festen Rituale der Liturgie können gerade auch in schwierigen Zeiten helfen, den äußeren Ereignissen und dem inneren Erleben der Schülerinnen und Schüler einen übergeordneten Sinnrahmen zu geben. Dies gilt natürlich in besonderer Weise bei extrem einschneidenden Ereignissen wie z.B. dem Tod eines Mitschülers / einer Mitschülerin oder gar Gewalterfahrungen, von denen die ganze Schule betroffen ist. Aber auch in besonderen gesellschaftlichen Situationen wie z.B. der Corona-Pandemie können sowohl die regelmäßig stattfindenden Gottesdienste als auch besondere thematische Gottesdienste eine Hilfe sein, das Erlebte zu verarbeiten und dem Unsagbaren Worte zu verleihen. Die Botschaft, dass wir in Leid und Verzweiflung nicht allein sind, dass sowohl die erfahrbare Gemeinschaft im Gottesdienst als auch die durch die Liturgie vermittelte Gemeinschaft mit Gott, der größer ist als jedes menschliche Leid, vermag in solchen Zeiten auch nicht religiöse / gläubige junge Menschen zu erreichen und zu trösten.

Neben diesen existenziellen Erfahrungen, die hoffentlich dem größten Teil der Schülerinnen und Schüler in ihrer Schulzeit erspart bleiben, vermag die Liturgie aber auch den ganz „normalen“ Lebensereignissen einen übergeordneten Sinnrahmen zu verleihen. So sind gerade an den Übergängen – im Schuljahr, im Lebenslauf der Schülerinnen und Schüler – Schulgottesdienste eine schöne Möglichkeit, das eigene Leben zu reflektieren bzw. bei jüngeren Klassen ein Gespür dafür zu entwickeln, dass unser Leben in Zyklen und Rhythmen verläuft und wir auf all diesen Wegen und Übergängen in neue Phasen immer auch gesegnet und begleitet sind.

Was ist bei der Gestaltung von Schulgottesdiensten zu beachten?

Gute Vorbereitung

Was für einen guten Unterricht gilt, hat ebenso für einen guten Schulgottesdient Gültigkeit: Es fängt mit der richtigen Vorbereitung an. Das betrifft die Wahl der Räumlichkeiten und die entsprechende Vorbereitung des Raumes, vor allem, wenn der Gottesdienst nicht in einem liturgischen Raum stattfindet. Die Schülerinnen und Schüler dürfen schon beim Betreten des Raumes spüren, dass sie nun für eine kurze Zeit aus dem Schulalltag heraustreten dürfen. Die Gestaltung des Raumes sollte zur Besinnung und Ruhe einladen und auf den ersten Blick erkenntlich machen, dass in diesem Raum nun etwas Besonderes, etwas „Heiliges“ stattfindet (Kerzen, gestaltete Mitte, ein schön gestalteter Tisch für das Wort Gottes etc.).

Dann ist natürlich die inhaltliche Vorbereitung das A und O für eine ansprechende Liturgie. Schulgottesdienste sind immer „besondere“ Gottesdienste, sie ersetzen keinen Gemeindegottesdienst und laufen neben der Leseordnung. So ergibt sich eine gewisse gestalterische Freiheit, die aber auch genutzt werden will: Was sind die Themen, mit denen die Kinder / Jugendlichen angesprochen werden können / die die Kinder und Jugendlichen in ihrem Alter umtreiben? Wer kann in den Gottesdienst mit einbezogen werden? Welche Gestaltungsformen können eingebaut werden? …

Wichtig ist, bei der inhaltlichen Vorbereitung darauf zu achten, dass auch die folgenden Punkte im Gottesdienst gut umgesetzt werden können.

Vielfältige Gestaltung

Wie schon erwähnt bieten Schulgottesdienste durchaus einen recht freien Gestaltungsrahmen. Dieser sollte unbedingt genutzt werden, auch in der Wahl ganz unterschiedlicher Gestaltungsmittel und -formen. Gottesdienst soll schön sein und Spaß machen – das kann man an dieser Stelle gerne mal so sagen, auch wenn manch einer die Augenbrauen heben mag, wenn Gottesdienst und Spaß in einem Atemzug genannt werden. Doch geht es hier darum, Kinder und Jugendliche mit der froh machenden Botschaft des Evangeliums anzustecken, sie zu begeistern. Da darf unbedingt laut musiziert und gesungen werden, da darf getanzt und geklatscht werden. Ebenso wie daneben auch ein ganz besonderer Raum für Stille und Besinnung angeboten wird, den die Schülerinnen und Schüler sonst zumeist kaum erfahren.

Hier darf mit allen Sinnen gearbeitet werden, hier ist Kreativität angesagt. Glaube soll in Schulgottesdiensten mit allen Sinnen spürbar und erfahrbar werden.

Gemeinschaft erfahrbar machen

Ebenso wichtig wie das persönliche Erleben von Glauben und Spiritualität im Gottesdienst ist die Erfahrung einer tragenden und wohltuenden Gemeinschaft. Auch hier ist eine gute Vorbereitung gefragt, um möglichst viele in passender Weise in den Gottesdienst mit einzubinden, sowohl Kinder / Jugendliche als auch die Erwachsenen. Im Gegensatz zur Situation in der Klasse darf die Gottesdienstgemeinde als ein Raum erfahren werden, in dem alle gemeinsam auf dem gleichen Weg sind, jung und alt, Lehrer*innen und Schüler*innen.

Auch eine gute Vernetzung zwischen Kirchengemeinde und Schule ist an dieser Stelle von Vorteil.

Und nicht zuletzt ist zu beachten, dass der Schulgottesdienst meist religions- und konfessionsübergreifender ist als jeder Gemeindegottesdienst. Selbst in konfessionellen Schulen, an denen entsprechend konfessionelle Gottesdienste stattfinden, sitzen meist auch Schülerinnen und Schüler einer anderen Konfession und nicht selten auch Schülerinnen und Schüler ohne oder mit einer anderen Religionszugehörigkeit. Auch sie sollen sich hier als Teil der feiernden Gemeinde fühlen, ohne dass ihnen zwangsweise etwas übergestülpt werden sollte.