Schöpfungslehre

Schöpfungslehre in der Theologie bespricht folgende Themenkreise: 1) Das mögliche u. aktuelle Verhältnis Gottes zum Nichtgöttlichen (warum ist überhaupt etwas u. nicht vielmehr nichts?), 2) die Erschaffung alles dessen, was nicht Gott ist, aus dem Nichts u. die Kontingenz alles Geschaffenen, 3) die Kreatürlichkeit des Menschen, 4) das Verhalten Gottes gegenüber dem konkreten Geschaffenen (Erhaltung der Welt, Vorsehung). In der traditionellen Theologie steht die Sch. als dogmatischer Traktat nach der theologischen Gotteslehre über den einen u. dreieinen Gott. Die erneuerte Theologie sieht die Sch. in enger Zusammengehörigkeit mit der theol. Anthropologie: Die Kreatürlichkeit des Nichtgöttlichen kommt im Menschen zu sich selber u. führt zur Einsicht in eine dialektische Haltung der Kreatur Mensch gegenüber ihrem Schöpfer: Auf der einen Seite die Kontingenzerfahrung einer restlosen Abhängigkeit von Gott, auf der anderen Seite die vor Gott verantwortliche Selbständigkeit (Autonomie) der Kreatur. Die Sch. macht die Offenbarung Gottes u. die Glaubenstradition der Kirche zum Gegenstand ihrer Reflexion; sie geht daher vom wirksamen Willen Gottes zu seiner Selbstmitteilung an die Kreatur aus, setzt also mit dem Thema der Gnade an, u. befaßt sich nur insofern mit dem »Natürlichen«, als dieses, abstrakt gesehen, dasjenige umfaßt, was der Schöpfer seinem Geschöpf »schuldet«, wenn er es denn überhaupt erschafft (Natur als theol. Restbegriff). Konkret kommt die Kreatur ohne existentiellen Bezug zu Gott u. ohne Anruf der Gnade nicht vor. Eine historisierende Betrachtung: Zustand der Schöpfung vor dem Sündenfall – die Ursünde – die Schöpfung u. Menschheit nach dem Fall wird dem apriorisch gnadenhaften Verhältnis Gottes zum Nichtgöttlichen nicht gerecht. In neuester Zeit bezieht die Sch. die Thematik der nichtmenschlichen Kreatur (Verantwortung gegenüber dem Planeten Erde, möglicherweise gegenüber dem Universum, gegenüber der Tier- u. Pflanzenwelt: Ökotheologie) vermehrt ein.