Chile

Die Mitgliederzahlen der Kirche in Chile nimmt stetig ab: Lag der Katholikenanteil 1992 noch bei 76,7 Prozent, erreichte er laut einer Umfrage der Universidad Católica 2007 nur noch 65,5 Prozent. Demgegenüber stieg die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder auf 17,5 Prozent, von denen die überwiegende Mehrheit, nämlich über 16 Prozent der Bevölkerung, den Pfingstkirchen angehören. Der Anteil der Atheisten oder Personen, die sich als indifferent bezeichnen, ist 1992 von 5,8 Prozent auf inzwischen 12,1 Prozent gestiegen. Zudem ist die katholische Kirche kein einheitliches Gebilde.

Es lassen sich grob drei Tendenzen erkennen: Die traditionelle Gruppe ist die zahlenmäßig größte. Ihr gehört überwiegend die arme Bevölkerung an. Sie ist der Volksreligiosität verhaftet, was sich in der Heiligen- und besonders der Marienverehrung äußert, den traditionellen religiösen Festen und den Wallfahrten.

Eine zweite Gruppe innerhalb der katholischen Kirche kann als reformorientiert bezeichnet werden. Sie ist vom Zweiten Vatikanischen Konzil und von den Generalversammlungen der lateinamerikanischen Kirche geprägt. Wichtige Themen sind die Ökumene, der Dialog mit den Religionen und Kulturen (beispielsweise den Mapuche), die Soziallehre der Kirche, die Universitäts- und Jugendpastoral, die Arbeiterpastoral, die Caritas, die Nutzung der modernen Kommunikationsmittel. Zu ihr gehörten auch die Anhänger der Theologie der Befreiung, die zunehmend in der Kirche Chiles an Bedeutung verlieren. Sie stehen in der Tradition der Christen für den Sozialismus.

Die letzte Gruppe von Katholiken und Katholikinnen umfasst die wohlhabenden Eliten des Landes, die überwiegend traditionell und konservativ sind. Nirgendwo in Lateinamerika ist beispielsweise der Anteil der Priester, die aus den obersten sozialen Schichten kommen, so hoch wie in Chile.

(Stand Februar 2011)