KolumbienKatholischer als die Polizei erlaubt

In Kolumbien musste der Chef der Polizei nach nur acht Monaten Platz machen. Trotz Ernennung durch den linken Präsidenten Gustavo Petro entpuppte sich General Sanabria durch viele seiner Äußerungen als erzkonservativ – und damit untragbar.

Stadtansicht von Bogota, Kolumbien
© Pixabay

Vor gut acht Monaten war Polizeigeneral Henry Sanabria Cely (51) noch eine Art Hoffnungsträger. Ein neuer Mann an der Spitze der kolumbianischen Polizei, der für frischen Wind sorgen sollte. Ausgesucht hatte ihn Kolumbiens neuer linksgerichteter Präsident Gustavo Petro. Doch General Sanabria geriet schnell ins Visier der Kritiker. Zu katholisch, zu religiös sei der Mann. Die Tageszeitung „El Pais“ nannte ihn gar „ultrareligiös“.

In seinem Büro stand eine fast lebensgroße, blutüberströmte Jesus-Figur am Kreuz, auch eine große Skulptur von Maria. „Bei einer so verantwortungsvollen und gefährlichen Aufgabe vertrauen wir uns jeden Tag der Gottesmutter an und beten für jeden unserer Polizisten“, hatte Sanabria zu Jahresbeginn in einem Interview mit der Tageszeitung „El Tiempo“ gesagt. „Wir müssen Werte und Tugenden fördern, ein tugendhafter Polizist ist der Garant des Zusammenlebens“, so der Polizeichef.

Zum Verhängnis wurden ihm allerdings Ansichten über Homosexualität, die Immunschwächekrankheit HIV, Schwangerschaftsabbruch, gleichgeschlechtliche Ehen und Exorzismus. Homosexuellen Polizisten warf er vor, Aids innerhalb der Polizei zu verbreiten. Er sprach sich gegen das Kondom als Verhütungsmittel aus, lehnte Abtreibungen und die Homo-Ehe ab.

Zum Internationalen Frauentag schrieb Sanabria auf Twitter: „Eine bescheidene Frau ist der größte Charme; nichts ist so viel wert wie eine zurückhaltende Person.“ Damit wolle er an diesem Tag die Bedeutung der Frauen für die Männer hervorheben, so Sanabria. „Der Charme einer Frau macht ihren Mann glücklich, und wenn sie vernünftig ist, lässt sie ihn gedeihen.“ Derartige Kommentare aber ließen das Fass überlaufen. Eine Frau als unterwürfiges Beiwerk? Frauenrechtlerinnen reagierten entsetzt.

„Kolumbien hat einen Polizeigeneral aus dem Mittelalter“, hieß es in einem offenen Brief, den unter anderen die Kongressabgeordnete Jennifer Pedraza unterzeichnete. Sanabria sei eine Person mit einem konfessionellen Führungsstil. Der Polizeigeneral fungiere obendrein als Aktivist gegen die Ausübung von Bürgerrechten der Frauen; offen diskriminiere er verschiedene Bevölkerungsgruppen.

Der kolumbianische Journalist Juan Diego Quesada kommentierte: Seit seiner Ernennung durch Petro im August vergangenen Jahres erst seien seine Positionen gegen Abtreibung, gleichberechtigte Ehe, Ehe ohne Trauschein und Sterbehilfe, wie sie heute in Kolumbien Konsens seien, bekannt geworden.

Für den linksgerichteten Präsidenten Petro, dessen Wahlbasis auch aus progressiven, feministischen Gruppen besteht, war der Polizeigeneral damit untragbar geworden. „Die Diskussion hat mit zwei verschiedenen Themen zu tun. Zum einen mit der religiösen Überzeugung, die respektiert werden muss. In unserem Land herrscht Religionsfreiheit. Und wir haben gesagt, dass wir nie jemanden wegen einer religiösen Überzeugung verfolgen“, sagte Petro. Allerdings müsse die religiöse Praxis eines Einzelnen von der Ausübung der Pflichten getrennt werden. Überzeugungen dürften nicht die verfassungsmäßige Ausübung einer öffentlichen Funktion beeinträchtigen, so Petro weiter.

So endete das Missverständnis Sanabria vor wenigen Tagen. „Er wollte die Polizei wie ein Ayatollah regieren, sah sich aber mit der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts konfrontiert“, resümierte Journalist Quesada. Petro teilte Mitte April mit, dass er Sanabria für seine Arbeit danke. Der neue Polizeichef werde General William Salamanca sein, ein Generalmajor der Reserve mit mehr als 37 Jahren Berufserfahrung.

Von Tobias Käufer

(c) KNA. Alle Rechte vorbehalten.

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