Was habe ich im Leben erreicht?

"Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so habe ich nichts vorzuweisen."
"Ich fühle keine Freude mehr am Leben."

Lebensfragen 01/2020
© Daniel Biskup

Ich werde demnächst 65 Jahre alt. Aber ich spüre keine Lust, meinen Geburtstag zu feiern. Denn wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so habe ich nichts vorzuweisen. Als Lehrerin war ich zwar beliebt. Aber das ist vorbei. Jetzt bedroht mich zudem eine Krankheit. Ich habe keine Perspektive für mein Leben. Wie sollte ich da meinen Geburtstag feiern?

Sie sollen an Ihrem Geburtstag keine heile Welt vorspiegeln. Denn durch die Krank­heit ist die Welt momentan für Sie nicht heil und schön. Aber Sie sollten doch mit den Augen der Dankbarkeit auf Ihr Le­ben schauen. Die 65 Jahre, die Sie gelebt haben, waren doch erfüllt. Dass Sie als Lehrerin beliebt waren, zeigt, dass von Ihnen etwas Gutes ausgestrahlt ist auf die Schüler und Schülerinnen. In ihren Herzen haben Sie eine gute Spur hinter­ lassen, auch wenn sie nicht ständig dar­an denken oder Ihnen ausdrücklich dafür danken. Aber es ist eine Spur in den Her­zen, an die sie sich immer wieder erinnern werden. Diese Arbeit war nicht umsonst. Gerade wenn die Krankheit die Zukunft verdunkelt, sollten Sie die Vergangenheit im Licht der Dankbarkeit anschauen. Und zugleich sollten Sie hoffen, dass Gott Sie auch in der Krankheit in seinen guten Händen hält, dass in der Krankheit etwas Neues in Ihnen aufbrechen kann, das Ih­rem Leben einen neuen Wert und einen neuen Sinn verleiht.

 

Ich habe zwar in meinem Leben viel erreicht und viel Erfolg gehabt. Aber davon kann ich nicht leben. Jetzt kommen depressive Gedanken in mir hoch. Ich fühle keine Freude mehr am Leben. Das, was ich erreicht habe, kommt mir ganz gering vor. Vieles war auch nur Schein. Aber es bleibt nichts von dem, was ich erreicht habe. Ich weiß nicht, wie ich mit meinen depressiven Stimmungen umgehen soll.

Die Depression hat immer einen Sinn. Die Frage ist, was Ihnen Ihre Depression heute sagen will. Oft sind Depressionen Zeichen ei­ner Identitätskrise. Ich kann mir vorstellen, dass das auch bei Ihnen zutrifft. Dann wäre es wichtig, sich zu fragen: Wer bin ich eigentlich? Ich habe beruflich viel erreicht. Aber jetzt bin ich nur ich selber. Die Fra­ge ist: Wer ist dieses wahre Selbst in mir? Versuchen Sie, dankbar auf Ihren Erfolg zu schauen. Sie haben natürlich recht: Vom Erfolg allein kann man nicht leben. Die Frage ist, was heute Ihr Leben wertvoll macht. Wenn Sie sich aus­söhnen mit Ihrem Leben, auch mit der Durchschnittlichkeit, auch mit der Anfäl­ligkeit für depressive Stimmungen, dann graben Sie jetzt eine gute Lebensspur in diese Welt ein, eine Spur von Hoffnung und Versöhnung, eine Spur von Milde und Liebe. Und dann bekommt Ihr Leben einen neuen Sinn. Und Sie spüren, wer Sie wirklich sind: Schauen Sie auf das einmalige Bild, das Gott sich von Ihnen gemacht hat. Ihre Aufgabe ist, dieses Bild aufleuchten zu lassen in Ihnen. Dann werden Sie heute zum Segen für viele Menschen.

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