Heft 3/2021Weltkirche

Inhalt
1. Auflage 2021
Bestellnummer: Z060036
Erscheinungstermin PDF: 2021
Bestellnummer PDF: D100625

»Weltkirche und Mission« lautet der Titel dieses Heftes der Diakonia. Die weltkirchlich und missionswissenschaftlich ausgerichteten Beiträge zeigen auf, dass die Pastoral und Mission der Kirche heute interreligiös, interkulturell und intergenerationell gedacht werden muss. Als Kooperationspartner dieser Ausgabe der Diakonia konnte das Institut für Weltkirche und Mission (IWM) gewonnen werden. Dieses an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt angesiedelte Institut versteht sich als ein Forschungsinstitut zur theologischen Reflexion auf die weltkirchliche und missionarische Dimension der Kirche. Gegründet wurde das Institut für Weltkirche und Mission im Jahr 2009 von der Deutschen Bischofskonferenz und gehört zu den wenigen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, in denen die Disziplin der Missionswissenschaft beziehungsweise Missionstheologie institutionell an den Hochschulen verankert ist. Das Institut für Weltkirche und Mission will die missionswissenschaftliche Forschung und Lehre in Deutschland stärken und andererseits zu theologischen Auseinandersetzungen mit weltkirchlichen Themen anregen. Dabei werden Weltkirche und Mission als zwei aufeinander bezogene Aufgabenfelder verstanden: Missionarische Fragestellungen werden stets in ihrem weltkirchlichen Bezug erörtert, wobei der deutsche Kontext als Bestandteil der Weltkirche nicht ausgeschlossen wird; umgekehrt werden Fragen der Weltkirche und weltkirchlichen Arbeit im Kontext missionarischer Anstrengungen der Kirche untersucht.

Facettenreich sind die Perspektiven zum Thema »Weltkirche und Mission« in diesem Heft. Sie reichen von Auseinandersetzungen mit der Interkulturellen Theologie über Reflexionen zur Mission der Frauen, dem Pentekostalismus als öffentlicher Religion, der Heilungsmission der katholischen Kirche bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mission und Bildung. Ergänzt werden die Themenbeiträge durch einen Artikel zur Pastoral bzw. Mission in Zeiten von Corona sowie drei Praxisbeiträgen, die das am Institut für Weltkirche und Mission beheimatete Projekt »Ruth« sowie das Albertus-Magnus-Stipendienprogramm fokussieren. Die Beiträge dieses Heftes laden dazu ein, über den eigenen Kirchturm der deutschen Ortskirche hinauszuschauen und sich auf den faszinierenden Reichtum der Weltkirche einzulassen. Ihnen wünsche ich im Namen des Redaktionsteams der Diakonia eine anregende Lektüre.

Über diese Ausgabe

Thema

  • Plus S. 146-153

    Interkulturelle Theologie, rekursive Anthropologie und ontological turn

    Interkulturelle theologische Fragestellungen rücken in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Entwicklung des Kulturbegriffs zu einer zentralen Kategorie in den Geisteswissenschaften und im gesellschaftlichen Diskurs in den Mittelpunkt. Im neuen Fokus steht die Sinnproduktion des Menschen und das Interesse richtet sich gegen ein Übergewicht des Strukturellen auf den Aspekt der Aneignung der Welt durch das Individuum. Die Sicht auf Kultur als Lebenswirklichkeit bestimmende Praxis dominiert in der Folge die theoretischen Anlagen. Als gegenwartspolitische Implikation kann in den Geisteswissenschaften die fortschrittskritische Opposition gegen das Paradigma der Modernisierung ausgemacht werden.

  • Plus S. 154-161

    Mission der Frauen: hermeneutische Zugänge einer Missionsgeschichte mit Leerstellen

    Auf welche Weise werden missionarische Frauen in historischen Dokumenten dargestellt und welche Bedeutung wird ihnen in der Missionsgeschichte zugesprochen? Wie können wir heute angemessen über eine Missionsgeschichte der Frauen sprechen und welche hermeneutischen Zugänge sind dabei hilfreich? Eine Missionsgeschichte mit dem Fokus auf Frauen in ihren jeweiligen Rollen als Ordensschwester, Mutter, Lehrerin, Taufanwärterin, Katechistin oder Krankenschwester gehört zu den wenig beachteten Gebieten in der Theologie. Dieser Beitrag möchte Leerstellen in der Missionsgeschichte aufzeigen und hermeneutische Zugänge einer feministischen Missionsbetrachtung in Afrika entwickeln, welche die Relevanz der Missionsgeschichte aus weiblicher Perspektive für eine Missionstheologie der interkulturellen Verständigung unterstreichen.

  • Plus S. 162-169

    Pentekostalismus als öffentliche ReligionNeujustierungen im Verhältnis von Religion, Politik und Gesellschaft

    Im Zentrum der folgenden Überlegungen steht im Allgemeinen die Frage nach dem gegenwärtigen Spannungsverhältnis zwischen Religion und Politik besonders im Hinblick auf die sich im Globalen Süden tiefgreifend wandelnde politische Landschaft, wo sich diese Frage mit besonderem Nachdruck aufdrängt. Der spezifischere Gegenstand der Analyse ist das starke Engagement pfingstkirchlicher AkteurInnen in den Bereichen der Politik und Öffentlichkeit, welches am Beispiel ihrer performativen Kommunikationstechnik beleuchtet wird. Nachgegangen werden einerseits der Frage nach der religionswissenschaftlichen Wahrnehmung dieser Entwicklungen und andererseits der Frage nach einer möglichen theologischen Begründung dieses politischen Engagements. Anhand von Begriffen wie öffentliche Religion oder Gabe der Prophetie bzw. das Prophetentum aller Gläubigen werden das Religions-, Politik- und Selbstverständnis dieser AkteurInnen eruiert, um dann in einem weiteren Schritt die im religiösen Spektrum eingetretenen Verschiebungen auswerten zu können.

  • Plus S. 170-176

    Die Heilungsmission der katholischen Kirche und die gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

    Die Kirche ist seit ihren Anfängen damit beschäftigt, den Kranken und Armen zu helfen. Doch wenn wir heute über die Heilungsmission sprechen, müssen wir uns fragen, ob es ausreicht, dass diese Mission nur auf die akut kranken Menschen ausgerichtet ist, oder sollte sie einen breiteren Ansatz umfassen? Was sind die weiteren Aspekte, die berücksichtigt und in die Praxis umgesetzt werden sollten? Die Kirche des 21. Jahrhunderts ist mit neuen Herausforderungen in ihrer heilenden missionarischen Berufung konfrontiert.

  • Plus S. 177-181

    Mission und Bildung

    Mission und Bildung als ein wichtiger Forschungsbereich konzentriert sich auf die theologische Reflexion über den Zusammenhang zwischen Verkündigung und Lehre zwischen dem Missions- und dem Bildungsauftrag der Kirche, der sich aus weltkirchlicher Perspektive vor allem auf Matthäus 28,19ff. stützt. In Anbetracht des Missionsauftrags »darum gehet zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; […] und lehrt sie […]« können Bildung und Mission nicht ohne einander gedacht werden. Diese Beziehung kann aus zwei miteinander verbundenen Perspektiven betrachtet werden, nämlich Bildung als Mission und Bildung als ein zentrales Instrument für die missionarischen Aktivitäten der Kirche.

Best Practice

  • Plus S. 190-197

    Das Albertus Magnus-Programm und die Neuordnung der Studienförderung ausländischer Studierender der Theologie

    Das Theologische Stipendienprogramm Albertus Magnus (AMP) ist eine postgraduale Studienförderung für ausländische Studierende der katholischen Theologie, das vom Institut für Weltkirche und Mission (IWM) organisiert und durchgeführt wird. Vor allem Priestern und Ordensleuten aus Afrika, Asien, Ozeanien, Lateinamerika und Osteuropa wird im Rahmen der Förderung ein Studienaufenthalt in Deutschland ermöglicht, um den akademischen Grad des Doktorats oder des Lizentiats zu erwerben.

  • Plus S. 198-207

    Rut: Theologische Fortbildung zu Migration und Flucht

    Bei »Rut« handelt es sich um ein theologisches, über Drittmittel finanziertes Fortbildungsprojekt zu den Themen Migration und Flucht, das von Herbst 2016 bis zum Frühjahr 2021 durchgeführt wurde. Das Angebot richtete sich an haupt- und ehrenamtliche kirchliche MitarbeiterInnen, die auf verschiedenen Ebenen mit Migrierten und Geflüchteten arbeiten. Grundlage und Ausgangspunkt des Projekts war die Dissertation des Projektkoordinators Tobias Keßler, einem langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts für Weltkirche und Mission an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Der Beitrag versteht sich als Dokumentation des Projekts und seiner Umsetzung.

  • Plus S. 208-211

    Das Zweite Vatikanische Konzil – Erbe und AuftragModellprojekt einer interkulturellen Theologie

    120 Theologinnen und Theologen aus aller Welt arbeiten derzeit an dem interkontinentalen Forschungsprojekt »Das Zweite Vatikanische Konzil – Erbe und Auftrag«, mit dem inhaltlich ebenso wie methodisch Neuland betreten wird. Das internationale Forschungsteam arbeitet zum einen an einem zwölfbändigen Kommentar zum Zweiten Vatikanum und schlägt zum anderen innovative Wege ein, um über nationale und kontinentale Grenzen hinweg gemeinsame theologische Reflexionen zu ermöglichen, die zu einem weltkirchlichen Polylog führen: Gemeinsam unterwegs zu einer neuen Art, Theologiezu gestalten und nicht zuletzt gemeinsam unterwegs, Weltkirche zu sein.

Aus dem Fuchsbau

  • Plus S. 212-214

    Wider die Ver-Herr-ung Gottes!

    In den neuen liturgischen Büchern zur Leseordnung, die die neue Einheitsübersetzung enthalten, glotzt einem nur so das »HERR« entgegen, mit der völlig gegenteiligen Wirkung gegenüber der Absicht, dass es sich hier nicht um eine Genderbezeichnung, sondern um eine Symbolbezeichnung handele. Das kann man noch so oft dazusagen: Wenn das Schriftbild und das Hörbild nur noch den Herrn vermittelt und nichts mehr dahinter anderes vermuten lässt, dann ist dies pragmatisch gesehen ein enormer Schub androzentrischer Gottesbezeichnung und -anrede. In dem Wort »Verherrung« funktioniert die Vorsilbe »ver« tatsächlich – wie nicht immer (wie bei »vertrauen«), aber doch ziemlich oft im Sprachgebrauch – als destruktive Anzeige: wie bei vernichten, verstören, verschmutzen u. Ä. Das jeweilige Verb wird soweit getrieben, dass es zerstörende Ausmaße bekommt.

Nachgefragt