Diakonia 1/2024

Heft 1/2024Schöpfungspastoral

Inhalt

Kaum ein Thema ist für die Zukunft der Menschheit so relevant wie die Frage der Bewahrung der Schöpfung. Es spricht insbesondere auch für die jüngere Generation, dass sie dies klarer im Blick hat als frühere Generationen. Junge Menschen forschen, fragen, diskutieren, protestieren, drängen, suchen neue Lebensformen, entwickeln zukunftsfähige Technologien … Und es ist erfreulich, dass es gerade auch in christlichen Kreisen schon verhältnismäßig früh Personen, Gruppen und Initiativen gegeben hat, die auf die Relevanz der Thematik hingewiesen haben. Ich denke hier beispielsweise an die oft belächelte »Ökopax«-Bewegung der 1980er Jahre oder an den Konziliaren Prozess »Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung«.

Gerade der »Dreiklang« in der Bezeichnung des Konziliaren Prozesses weist darauf hin, dass die Frage der Bewahrung der Schöpfung zunächst eher in einem sozialethischen Diskurs verortet wurde. Längst ist die Frage der Bewahrung der Schöpfung aber so drängend und omnipräsent, dass sie sich nicht mehr in eine theologische Schublade zwängen lässt. Und es zeigt sich immer deutlicher, dass es nicht darum geht, die Schöpfung als Objekt menschlicher Gestaltung zu behandeln und zu bewahren. Die Herausforderung, vor der die Menschheit im Zeitalter des Anthropozän steht, besteht darin, eine wenig hilfreiche anthropozentrische Weltsicht zu überwinden und sich als Menschheit in der Schöpfung neu zu verorten. Es geht also nicht primär um die Schöpfung, sondern um den Menschen und seine Beziehung im Kosmos. Entwickelt werden muss eine neue Beziehungs-Weise, die es dem Menschen erlaubt, sich behutsam in die Schöpfung zu integrieren.

Die Beiträge in diesem Heft beleuchten diese Herausforderung aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie laden dazu ein, Denkmuster zu durchbrechen und sich verunsichern zu lassen. Mit ihren fundamentaltheologischen, sozialethischen, pastoraltheologischen, religionspädagogischen Zugängen zeigen sie nebenbei, wie faszinierend und erhellend es ist, wenn theologische Disziplinen aus den Schubladen, in die sie einst gezwängt wurden (oder in denen sie sich einst behaglich eingerichtet haben), herausspringen und miteinander ins Gespräch kommen.