Innehalten

Mitten im Alltag innehalten. Dazu lädt Sie dieser Adventsbegleiter ein. Die Texte hat Klaus Jäkel verfasst, der Ihnen seit fast 20 Jahren mit seinen monatlichen Meditationen im Anzeiger für die Seelsorge vertraut ist. Sie können den Adventskalender (der sich in der Heftmitte befindet) vorsichtig herauslösen – so dass er Sie täglich auf dem Weg zum Weihnachtsfest begleitet.

1.

Erster Dezember

Wer mehr ahnt als er weiß, weiß mehr als er ahnt

Propheten

sind es

aus allen Berufen und Altersstufen

die mit ihrem Tief- und Weitblick

durch die adventliche Gegenwart

schaun

und sie auf Neues hin durchschaun

sie leben mitten unter uns

– unerkannt, verkannt, aberkannt

Neues

sie zeigen mitten unter uns

– störend, empörend, unerhört heilsam

Neues

sie wagen es mitten unter uns

– durch ihre Tat, mit ihrem Leben,

in ihrem Wort

wie einst Jesaja (43,19):

„Seht her, ich mache … Neues“

2.

Zweiter Dezember

Täglich neu

Sich selbst

einmal loslassen

wie bei einem Fallschirmsprung

aus den Wolken fallen

mit Wagnis – ohne Waghalsigkeit

mit Mut – ohne Übermut

mit Leichtigkeit – ohne Leichtfertigkeit

sich trauen

sich etwas zutrauen

sich dem Himmel und der Erde

anvertrauen

täglich neu

3.

Dritter Dezember

Ich bin nicht allein

Manchmal

hätte ich gern eine Leiter

die mich nach oben bringt

Sprosse für Sprosse, Schritt für

Schritt eine Hilfe

mit der ich über Mauern schauen kann

die mir einen neuen Horizont

erschließt

Weitwinkel – die Perspektive des

Himmels

manchmal wäre ich gern eine Leiter

damit ich anderen eine Hilfe sein kann

herauszukommen aus Engen und

Ängsten

Not und Bedrängnis

Sprosse für Sprosse, Schritt für Schritt

hinauf und hinaus in die freie

Weite – Ebene des Himmels

manchmal spüre ich eine Leiter

die mich hebt und hält

und immer wieder neu bereitsteht

Sprosse für Sprosse, Schritt für Schritt

mich zu führen zu mir selbst

und über mich hinaus zum Anderen

und zum GanzAnderen

– in der Gemeinschaft des Himmels

bin ich nicht allein

4.

Vierter Dezember

Sprichwort: Ehrlich währt am längsten

Ähren-Worte

kommen ohne Buchstaben aus

ohne Silben und Sätze sind sie da

wenn im späten Sommer die Getreidehalme

reif und reich an Körnern sich neigen

und wiegen

vom Winde bewegt und mit ihm spielend

Ähren ihre Worte finden

und mit leisen Lauten Dank sagen

für den Wind und für den Regen

für die Sonne und für die Erde

Dank in den offenen Himmel hinein

Ähren-Worte

5. 25

Fünfter Dezember

Zeitlebens frage ich mich

Wozu bist du?

da antwortet eine Lampe

ich bin von Menschen gebaut

– damit ich leuchte, wenn es dunkel ist

da antwortet ein Kirchturm

ich bin von Menschen errichtet

– damit ich zum Himmel zeige

auch wenn es hell ist

da antwortet ein Baum

ich bin von Menschen geliebt

– derweil ich das Leben lebe

ohne Warum und ohne Wozu

6.

Sechster Dezember

Warum nicht?

Heiliger St. Nikolaus, komm auch mal in unser

Haus!

Bitte! warum, das wissen wir nicht,

nur, dass du mit den Gaben, die du

gibst

uns liebst – ohne Warum und ohne

Wozu

drehst unser „Höher, schneller,

weiter!“

die verzweckte Leistungs-Leiter

einfach um, wie schön!

so nimm auch unsern DankApplaus!

und komme wieder, lieber Nikolaus

7.

Siebter Dezember

Online is only one line – zum Glück

Netze

nutzt der Mensch

um etwas einzufangen, aufzufangen

oder sich auffangen zu lassen

Netze sucht der Mensch

er findet und erfindet

spinnt und spannt Netzwerke

in denen er lebt, sich bewegt und ist

vernetzt in der Gemeinschaft der

Eiligen

durch weltumspannende Telekommunikation

– Werk der Erde und der menschlichen

Arbeit

www-immanent

vernetzt in der Gemeinschaft der

Heiligen

durch Religionen und Konfessionen

weltumspannend und darüber

hinaus

– Werk des Himmels und des

menschlichen Lebens

www-transzendent

Netz der Netze

8.

Achter Dezember

Gelassen sein

Was fällt mir dazu ganz persönlich ein?

in Ruhe abwarten – na ja – schaun

mer mal

– stets bereit Neues zu erleben –

und Anderes,

vielleicht sogar GanzAnderes – dafür

offen sein

– frisch und froh und frei – so wie

ich bin – im

Ja zu mir selber – leben in und mit

der Welt wie

über sie hinaus – zugleich – ist das

denn möglich?

– bin gespannt entspannt optimistisch

und ohne

Stress geduldig – komme, was

kommt – auch

Schweres, Hartes, Unbegreifliches –

Geheimnis

des Lebens – sich auch mal überraschen

lassen

– den Hauch von Liebe, Glück,

Mut, Freude mir

wie anderen gönnen – aber auch

dann und wann

einfach mal nur da sein – ohne

Warum

und ohne

Wozu – schon und noch unterwegs

– gelassen

sein – und …

9.

Neunter Dezember

Was führt schneller, höher und weiter als …?

Ein Tele- oder Smartphone

nehme ich gern zur Hand

wenn ich über große oder kleine

Entfernungen

jemand anrufen, mit ihm sprechen,

zuhören

oder etwas mitteilen will

ein Tele- oder Smartphone

lässt mich immer wieder staunen,

wie viel Kontakte

Gespräche und Verbindungen mir

damit möglich sind

sekundenschnell rund um die Uhr

rund um die Welt

ein Tele- oder Smartphone

kommt mir vor Augen, wenn ich

mit der Bibel den

Psalmvers bete: „Aus der Tiefe rufe

ich, Herr, zu dir …“

und dabei eine Verbindung aufnehme,

die schneller,

höher und weiter führt als …

10.

Zehnter Dezember

Oft und immer wieder

Unterbrochen

war

meine Verbindung

zu dir, Gott

abgelegt wie ein Telefonhörer

auf einem falschen Adressbuch

da ich dich suchte

weit weg von mir

vielerorts und vielfach

mich versuchte

warst du doch bei mir

in allem mich suchend

heimsuchend zu dir

– ununterbrochen

11.

Elfter Dezember

Wer ist es nicht?

Behindert

bin ich

in euren Augen fall ich auf und falle

durch die Raster des Normalen

überall und immer wieder bin ich mir

und anderen zur Last

Torso, Bruch, Teil meiner selbst

nein, ich funktioniere nicht

nach Maß und Plan und Soll

ich lebe unten

aus der Tiefe kann ich höher schaun

da bin ich ganz ich selber ungehindert

behindert

12. 27

Zwölfter Dezember

Warum lässt Gott das zu?

Not und Tod

Gott, wo bist du

in all dem Dunkel unseres Lebens?

fragen und klagen wir Menschen

seit Urzeiten

in dieses Dunkel lässt Gott sich ein

durch und mit und in Jesus geht

und führt er durch das KarfreitagsTal

des Todes in den AuferstehungsMorgen

des Ostersonntags

als der Auferstandene

sich seinen Jüngern zeigt

fragt Thomas der Zweifler:

Und wo sind die Wunden?

Taste und teste, sagt Jesus

– hier, in und an meinem Leib

da sind sie, die Wunden, meine,

deine und all das Dunkel

das die Welt umspannt und

in den Herzen der Menschen

noch wuchert – das Datum

seiner Haltbarkeit aber

ist bereits überschritten

seit Ostern

13.

Dreizehnter Dezember

Fritzchen sagt und fragt: Jesus ist doch auferstanden, nicht mehr am Kreuz. Warum lassen wir ihn hängen?

Nach Vorbildern

lebt die Kirche

oft im Strom der Zeit

sie passt sich an

und passt zugleich

sich windend und wandelnd

auf ihrem Weg

von einer festen Burg

mit Heilsherrschaft

hin zu Gottes Volk

auf Wanderschaft

vom einsam spitzen WächterTower

hin zur breiten BasisPower

kann sie mit den Armen Christi

selbst nach Krisen und Skandalen

mit Lücken und Krücken

verbeult und verheult

immer wie neu sich sehen

und wirken lassen

nach SEINEM Vorbild

auch in Sandalen

14.

Vierzehnter Dezember

Zusammenklappt, wenns nicht zusammen klappt

Erschöpft

verletzt

verseucht

beschädigt

schindet und schandelt

windet und wandelt die Erde

sich

ist es Entfaltung oder Endfaltung?

Sucht oder Suche? nach dem

Paradies

„Erdling, wo bist du?“

betroffen offen bleibt es, ob sich die

Erde

im Menschen erschöpft

oder in ihm, durch ihn und mit ihm

neuschöpft

15.

Fünfzehnter Dezember

Der Glaube lebt ohne Zweifel – vom Zweifel

Glauben nennt ihrs

von mir aus – das, was mich als

Mensch

mit Herz und Hand gelassen locker

auch

mit dem Verstand mehr nüchtern

als schüchtern

im Gegenüber ohne Gegen und

ohne Über

mit DEM verbindet, der mich stark

macht, sich

verbündet uns zum Leben miteinander

hilft

im Alltag unserer Welt und darüber

hinaus

Glauben nennt ihrs – von mir aus

16.

Sechzehnter Dezember

Sinn ersinnen mit Kopf und Fuß und Herz und Hand – aber auch mit dem Bauch

Auf allen Kanälen

zwischen

Himmel und Erde

suchen und fragen

prüfen und wagen

die Menschen heute

digital wie analog

spürend und spurend

tastend und testend

nach dem Geheimnis des Menschen

in dem Gott selbst heimisch ist

und weiter werden will

mit allen Sinnen

irdisch gefährdet

himmlisch geerdet

auf allen Kanälen

17.

Siebzehnter Dezember

Herbstblätter lösen sich von ihren Zweigen, fallen, schweben, spielen mit dem Wind und geben sich zurück zur Erde

Flügel

müsste man haben

denke ich oft

unsichtbare EinwegFlügel

stelle ich mir vor

und wie ich glaube

habe ich sie,

wenn es soweit ist

die Erdenschwere aufzuheben

hinauf und hinaus

in die weite

grenzenlose Freiheit

über den Wolken

und weiter

ohne Flügel

18.

Achtzehnter Dezember

In der tiefsten Tiefe meiner Mitte

Meditieren

dabei lasse ich mich gehen

suchen und finden

tief im Grunde meines Selbst

in meiner Mitte

dort, wo mein Wort zum Schweigen

und mein Schweigen zu Wort kommt

wo alles leer ist und still

ich nichts mehr weiß und will

ahne, spüre und erfahrich mich

im Heim und Keim des Lebens ganz

als seins und meins in eins

beim Meditieren

19. 29

Neunzehnter Dezember

Krippe und Kreuz. Zwei Zugänge zu Weihnachten. Ein zarter und ein harter.

Das Kreuz

zu jener Zeit

ein Werkzeug des Todes

bis hin zum Kreuz von Golgota

das sich offenbart als

Zeichen des Sieges in der Niederlage

Neubeginn im Abschied

Leben im Tod

schon von der Krippe her

und auf sie hin

Symbol der Liebe Gottes

20.

Zwanzigster Dezember

„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott …“ (Ps 8,5/8,6)

Gott

der dem Menschen

sein Geheimnis mitteilt

und es mit ihm teilt

auf dass er

im Geheimnis seines Selbst

selbst heimisch werde

– im Win-win-Spiel der Liebe

21.

Einund- zwanzigster Dezember

„… denn Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8)

Ja, die Liebe

das schönste und schwerste Rätsel

des Lebens

zwischen Himmel und Erde

für jeden erfahrbar, nicht zu erraten

– ein heilsamer Ausnahmezustand?

– hormonales Irrsein, das vorübergeht?

– List der Lust auf mehr und neues

Leben?

Gabe, die sich selber gibt

auf all ihren Wegen

aus den höchsten Höhn bis in die

tiefsten Tiefen

ihr Geheimnis

von uns nicht auszudenken, nur zu

hoffen

selbst die Opfer und Missbrauchstäter

durchkreuzt und heilt

letztendlich

die Liebe

Nun die Seite von unten nach oben

lesen!

22.

Zweiundzwanzigster Dezember

Uns zum Zeichen: Ein Kind in einer Krippe liegt. Den Menschen anvertraut.

Dazwischen sein

will Gott zu jeder Zeit und überall

besonders dort, wo und wie heute

Weihnachten gefeiert oder erinnert

wird

auch

zwischen Kitsch und Kommerz

zwischen Kult und Konsum

zwischen Krippe und Kreuz

heimsuchend und -findend

da zwischen

23.

Dreiundzwanzigster Dezember

„Einmal werden wir noch wach, heißa, dann …“, so singen wir mit den wartenden Kindern, denn …

In jener Nacht

teilt Gott

im Krippenkind von Betlehem

dem Menschen sein Geheimnis mit

und teilt es mit ihm

auf dass er im Geheimnis dieses

Kindes

selbst heimisch werde

dank jener Nacht

24.

Vierundzwanzigster Dezember

Der Säugling Jesus die neue Selbsterfahrung Gottes als neue Gotteserfahrung des Menschen in ihm

… der aus der Reihe

tanzt

ein großer Stern

ein helles Licht geht auf am

Sternenhimmel

Israels

ein Stern

vom Volk ersehnt, erhofft, erwartet

durch die Jahrhunderte

geschaut von Sehern und Propheten

verkündet und verheißen

als wunderbarer Ratgeber, Retter,

Friedensfürst

König in Ewigkeit, mächtig und

prächtig

gesandt, gesalbt, gesegnet

– von Gott selbst

ein Stern

der sich einfügt in die Ahnenreihe

der Väter wie einst

König David, Abraham, Isaak,

Jakob

– und aus der Reihe tanzt

ein Stern

der aufblüht wie eine Rose aus der

Wurzel Jesse

aufglüht wie eine Supersonne Licht

und Leben ausstrahlt

in alle Richtungen des Himmels und

der Erde kreuzförmig

und zur Welt kommt

wörtlich und örtlich zu jener Zeit in

Betlehem

– aber auch in mir

und mit mir

… aus der Reihe tanzt

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