Die Wochensprüche im September 2021

5. September 2021

14. Sonntag nach Trinitatis

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Psalm 103,2

Vergesst nicht, was sie uns angetan haben. So werden in dieser Woche Unzählige denken. Die einen erinnern, was am 11. September vor 20 Jahren die Terrorpiloten dem amerikanischen Volk angetan haben. Die anderen erinnern, was in der Zeit davor und im Anschluss daran im Afghanistan-Krieg und in den Irak-Kriegen ihnen angetan wurde. Vergesst nicht, was sie uns angetan haben.
Unser Wochenspruch leitet aber die Gedanken in eine andere Richtung. Nicht auf die Verletzungen sollen wir schauen. Nicht die Angriffe auf das Leben sollen wir großmachen, und den tapferen Kampf dagegen preisen. Nein – das Gute sollen wir nicht vergessen. Das Gute, das Gott getan hat. Für viele ist das wie aus der Zeit gefallen. Und doch steckt genau darin der Anfang der Heilung.
In diesen Wochen erinnern wir die zurückgelegte lange Wegstrecke eines Lebens unter den Zumutungen, Gefahren und großen Verlusten durch die Corona-Pandemie. Auch da hat sich unsere Welt spürbar verändert. In einem Brief lese ich: „Ein anspruchsvolles Jahr liegt hinter uns allen. Immer wieder mussten wir Pläne über den Haufen werfen, Veranstaltungen und Anlässe absagen, umdenken, neu organisieren. Neu bewusst geworden ist uns, wie wenig selbstverständlich ist. Wir sind sehr dankbar, dass Gott uns in diesem Jahr jeden Tag neu Kraft und Gesundheit geschenkt hat für all unsere Aufgaben.“ Dann geht es weiter mit 17 kurzen Sätzen, die alle so beginnen: „Wir sind sehr dankbar, dass …“
Ob wir das Memory-Spiel „Ich packe meinen Koffer und tue hinein“ umdrehen? „Ich vergesse nicht, was Gott uns Gutes getan hat, und lobe ihn für …“ So beginne ich: Ich lobe Gott für seinen guten Geist, der so viele Menschen erfüllt und ihre Gaben für andere einsetzen lässt. Wer macht weiter?

12. September 2021

15. Sonntag nach Trinitatis

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
1. Petrus 5,7

„Sorgen quälen und werden mir zu groß“, heißt es in dem Lied: „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Die einen werden gequält von den Sorgen um die Folgen des Klimawandels und des Insektensterbens. Die anderen sorgen sich um den Verlust der Arbeitsplätze und ihrer Existenz. Zahllose fragen, wie es weitergehen soll mit den vielen verletzlichen Menschen und den ganzen verletzlichen Strukturen unserer Gesellschaft. Sorgenvoll denken viele an Bedrohungen durch weitere Pandemien oder an die Folgen von Gewalt und Hoffnungslosigkeit in anderen Regionen der Welt. Auch um die Zukunft unserer Kirchen und des christlichen Glaubens machen sich viele Sorgen. Und jeder kennt so viele familiäre, gesundheitliche, wirtschaftliche Sorgen.
Viele Sorgen sind gewichtig. Sie machen das Gehen schwer und beugen uns, sodass wir oft nur noch sehen, was uns den Weg versperrt. Der Wochenspruch macht uns Mut, die Last unserer Sorgen von Gott mittragen zu lassen. Aber wie geht das? Es beginnt damit, dass ich meine Gedanken mit ihm teile. Es will ausgedrückt werden in Worten. Wir sagen dazu beten. Oder es wird ausgedrückt im Seufzen, vielleicht sogar im Stöhnen. Schau dir dies an, Herr Jesus. Was soll daraus werden? Wo wir unsere Sorgen auf ihn werfen, mit ihm teilen, da bleiben wir nicht alleine. Da drehen sich unsere sorgenvollen und verzweifelten Gedanken nicht um uns selbst. Wir wagen stattdessen wieder zu vertrauen. Wir schaffen das nicht alleine. Aber neben uns und über uns ist der, der es schaffen kann, der stärker ist als wir, der auch stärker ist als die größte Not.
Wer also seine Sorgen ihm zuwirft, sie ein Stück weit loslässt, der akzeptiert die Zumutung: Es liegt nicht einfach an meinen Kräften und an meinem Willen, dass es gut ausgeht und das Leben siegt. Nein, es liegt daran, dass Gott eingreift und lenkt, gelingen lässt und segnet. Ob wir dann auch staunen wie Josef? „Böses war geplant. Gott aber hat es zum Guten gewendet.“

19. September 2021

16. Sonntag nach Trinitatis

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
2. Timotheus 1,10b

Es gibt unter uns eine „merkwürdige Angst, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Ich habe (...) keine Lust mehr, mich immer bei irgendwelchen modernen Menschen dafür entschuldigen zu sollen, dass ich noch an Gott glaube“ (Michael Trowitzsch). Gegen alles, worauf der sogenannte moderne Mensch seine Hoffnung setzt, bekennen wir: Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen. Ich hoffe nicht darauf, dass die Wissenschaft dem Tod die Macht nehmen wird, indem sie die unheilbaren Krankheiten besiegen wird und uns Menschen das Altern ersparen wird. Ich setze mein Vertrauen auf Jesus Christus, der die Macht des Todes hat erleben müssen, dem Tod aber die Macht genommen hat. Das Leben und unvergängliche Wesen ist wohl das neue Leben in Gottes anderer Welt. Dort erwartet uns der Auferstandene, uns, die wir noch durch den Tod hindurchmüssen. Der Tod, der große Gleichmacher, hat hinter dem Tor, durch das alle durchmüssen, die Macht verloren. Und der Auferstandene hält sein unvergängliches Wesen allen bereit, die sich von ihm verwandeln lassen. Dazu gehören gerade die Gedemütigten und Niedergedrückten, die Ausgenutzten und vielfältig Missbrauchten. Dazu gehören auch die Sünder, die bekennen: Gott, sei mir Sünder gnädig. Dazu gehören auch wir, die wir beten: Herr, erbarme dich. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Damit wirkt die verwandelnde Kraft Gottes schon in diese Welt hinein und nimmt schon in dieser Welt dem Tod etwas von seiner Macht. Denn die Macht des Todes liegt darin, dass sie Menschen völlig trennt, einsam werden lässt. Das Leben aber, das Jesus hervorgebracht hat, zerstört die Vereinsamung, die Rechthaberei, die Trennung und wächst schon überall dort, wo sich Menschen dem Geist Jesu öffnen.

26. September 2021

17. Sonntag nach Trinitatis

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
1. Johannes 5,4c

We shall overcome – wir werden überwinden! Dies Hoffnungslied singt davon: Wir werden soziale und andere Ungerechtigkeit überwinden, den Rassismus und die Demütigungen, den vielfältigen Missbrauch von Macht. Genau dies gehört zur „Welt“, wie Johannes in seinem Brief ausführt: Hass und Neid, die Beziehungskiller, Machtmissbrauch und Unterdrückung, die Sozialkiller. Aber auch das gehört für ihn zur „Welt“: des Fleisches und der Augen Lust, also Pornographie, der Liebeskiller. Auch hoffärtiges Leben nennt er, die Angeberei, den Narzissmus. Ich ergänze den rücksichtslosen Egoismus, den Klimakiller. Nun wäre es zu schön, wenn ich mit dem allem nichts zu tun hätte. Aber so ist es ja nicht. Darum gibt es den Kampf des Glaubens gegen diese „Killer“ um uns herum, die uns besetzen, vereinnahmen und krank machen wollen.
Bei Johannes gibt es nicht nur die „Welt“ und ihr Wesen, sondern auch ein anderes Wesen, das uns schon geschenkt ist. Uns, die wir durch Jesus Kinder Gottes sind, ist das Wesen der Gottesliebe und der Menschenliebe geschenkt. Dies äußert sich in der Liebe, im Respekt, in der Aufmerksamkeit für andere. Dabei ist es die Liebe Gottes, die uns in Jesus begegnet, die uns verändert. Sie hat begonnen, unser egoistisches, neidisches, hochmütiges, forderndes Wesen zu verändern. Der Glaube ist der Sieg, auch wenn noch viel aufgeräumt und entgiftet und neu gepflanzt werden muss in dem Garten unseres Lebens.
Klar: Wir sind schon Gottes Kinder. Der Glaube hat uns schon ergriffen und verändert uns. Aber es ist noch nicht so leicht erkennbar (offenbar), was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es deutlich sichtbar wird, werden wir von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes uneingeschränkt bestimmt und geprägt (1. Johannes 3,1.2).

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