InterviewVom Betriebswirt zum Erzieher

Frank Hentrich entschied sich, seinen alten Beruf an den Nagel zu hängen und Erzieher zu werden. Von Aufbrüchen, Veränderungen und der Akzeptanz männlicher Fachkräfte.

Vom Betriebswirt zum Erzieher
© Florian Nütten

Herr Hentrich, Sie sind Kaufmann und Betriebswirt. Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ihren alten Beruf aufzugeben und Erzieher zu werden? Was hat Sie dazu bewogen?

Nachdem ich meine letzte Tätigkeit als selbstständiger IT-Kaufmann beendet hatte, bin ich zufällig in einem privaten Gespräch mit einer Erzieherin gefragt worden: „Du kannst doch gut mit Kindern, wäre Erzieher was für dich?“ Ich habe mich informiert, was das für mich in meinem Alter bedeutet und mich dann an einer Schule angemeldet.

Wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?

Meine Ausbildung habe ich an einer Fachschule in Koblenz gemacht. Dort war ich in der glücklichen Lage, zum einen gleich mehrere männliche Mitschüler und zum anderen auch mehrere ältere Mitschüler in der Klasse zu haben. Neben der dort sehr praxisorientierten Ausbildung trug das zu einer harmonischen Teambildung bei, die für die Praxis heute sehr vorteilhaft und wichtig ist.

Wie hat Ihr privates Umfeld auf Ihre Entscheidung reagiert?

Alle waren begeistert, mich als zukünftigen Erzieher zu sehen. Männer als pädagogische Fachkräfte fanden ausnahmslos alle gut.

Haben Sie es je bereut?

Nein, die Arbeit mit Kindern ist trotz der doch großen Herausforderung immer wieder eine Tätigkeit, die mehr gibt als fordert.

Gab es von Seiten des Kita-Teams Vorbehalte in Bezug auf eine männliche Fachkraft in einem überwiegend weiblichen Umfeld?

In der Kita, in der ich arbeite, ist die Akzeptanz von Männern in dem Beruf sehr groß. Hier waren schon seit jeher Männer tätig. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass es auch Einrichtungen gibt, die sich mit männlichen Erziehern schwertun. Dort werden Männer nicht als Kollegen geschätzt bzw. wird deren pädagogische Grundhaltung infrage gestellt. Neben der gemeinsamen pädagogischen Grundhaltung sind Frauen und Männer in vielen Dingen zwar gleich, aber sie empfinden und handeln auch unterschiedlich. Ein Gewinn ist es nur, wenn diese Diversität vermittelt, gelebt und akzeptiert wird.

Stichpunkt Corona: Welche beruflichen Veränderungen waren für Sie am einschneidendsten während der Pandemie?

Ich habe die Kita als sicheren Arbeitsplatz erfahren, sodass es für mich persönlich kaum Veränderungen gab. In Zeiten der Notgruppe waren die Rahmenbedingungen – wir arbeiten im offenen System – so gestaltet, dass sie den Corona-Regeln entsprachen. Den Kindern fehlte hauptsächlich das soziale Umfeld, das wir so gut es ging, versucht haben auszugleichen.

Stichwort Fachkräftemangel: Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf, um Ihren Beruf attraktiver zu machen?

Um Fachkräfte zu gewinnen, bedarf es einer angemessenen Anerkennung in Form von besserer Bezahlung und passenderen Rahmenbedingungen. Bei den deutlich gestiegenen Anforderungen ist die Arbeit am und mit dem Kind leider kaum nach Qualitätsstandards zu bewältigen.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Kompetenzen, die eine zukünftige pädagogische Fachkraft mitbringen sollte?

Einfühlungsvermögen, Teamgeist, Geduld und Flexibilität.

Die Fragen stellte Iris Erbach.

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