Zeitgleich mit den Kindern essen?Pro & Contra

Kita-Mahlzeiten sollen Kleinkindern u. a. dabei helfen, Fertigkeiten rund ums Essen zu entwickeln. Ist es für die Mädchen und Jungen dabei eher hilfreich oder hinderlich, wenn die Erzieherinnen mitessen? Unsere Expertinnen beantworten diese Frage unterschiedlich.

Pro & Contra: Zeitgleich mit den Kindern essen?
© privat

Erzieherinnen sollten gemeinsam mit den jungen Kindern essen.

Denn Beobachtungslernen spielt im Hinblick auf das frühkindliche Essverhalten eine entscheidende Rolle. Gerade in der Autonomiephase der Kinder gilt: Erwachsene vermitteln eher das, was sie tun, als das, was sie sagen. Das Vorbild einer Bezugsperson, die mit Muße und Genuss mitisst statt nur danebenzusitzen, inspiriert Kleinkinder außerdem häufig dazu, auch bislang unbekannte Speisen fremder Farbe und Konsistenz zu probieren.
Damit die gemeinsame Mahlzeit zu einer Erholungsphase für alle Beteiligten wird, bedarf es aber guter Vorbereitung: Sie ermöglicht den etwas älteren Kleinkindern weitgehende Autonomie am Esstisch und macht eine permanente Assistenz der Fachkräfte überflüssig. Eine Auswahl mundgerecht zugeschnittener Speisen und die Erlaubnis, mit den Fingern zu essen, ermöglicht es Kleinkindern z. B., ohne Hilfe der Erzieherin zu essen und schult dabei ihre Hand-Mund-Koordination. Jedem Kind sollte außerdem ein eigener, feuchtwarmer Waschlappen zur Verfügung stehen, mit dem es sich während des Essens Finger und Mund selbst abwischen kann, ganz nach seinem Bedarf.
Vieles spricht also für gemeinsame Mahlzeiten von pädagogischen Fachkräften und Kindern unter drei Jahren, nicht zuletzt die Tatsache, dass Essen und Trinken weit mehr ist als reine Nahrungsaufnahme: Mahlzeiten in Gemeinschaft sind für Kleinkinder wertvolle Beziehungszeiten und bieten Gelegenheiten für ausführliche Tischgespräche zwischen Peers und erwachsenen Bezugspersonen! Dieser Aspekt wird für die Kita umso relevanter, je mehr familienfeindliche Arbeitszeiten dafür sorgen, dass Kinder und Eltern oft wenig Zeit für gemeinsame Mahlzeiten finden.

Erzieherinnen sollten nicht gemeinsam mit den jungen Kindern essen.

Denn Kinder brauchen auch am Esstisch die ungeteilte Aufmerksamkeit einer achtsamen Erzieherin. Ihre Aufgabe während der Mahlzeiten ist es, die nonverbalen Botschaften der Kinder zu lesen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und diese adäquat zu beantworten. Das ist wichtig, denn damit Kinder zu kompetenten Essern werden, müssen sie in ihren ersten Lebensjahren individuell abgeholt werden, entsprechend ihrer jeweiligen motorischen und physischen Kompetenzen und ihrer familiären Vorerfahrung.
Eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe für pädagogische Fachkräfte, denn die Kompetenzen von Kindern zwischen ein und drei Jahren könnten in Sachen Essen kaum unterschiedlicher sein! Das eine Kind kann den Löffel noch nicht führen und sitzt erwartungsfroh mit offenem Mund da, während das andere sich bereits selbstständig ein Brot schmieren möchte. So müssen Fachkräfte die Fütterinteraktion mit dem unter Einjährigen gestalten, dem gut Zweijährigen motivierend assistieren und die Mahlzeit des knapp Dreijährigen differenziert sprachlich begleiten – immer feinfühlend und abgestimmt. Wenn sie diese Herausforderung verantwortungsvoll und professionell bewältigen wollen, ist es nicht möglich, gleichzeitig auch noch gut, sich selbst achtend und vorbildlich zu essen!
Der Auftrag pädagogischer Fachkräfte ist es, Kinder bis zu drei Jahren auf ihrem individuellen Weg zu begleiten, auf dem sie lernen, in Gemeinschaft zu essen, sich selbst zu versorgen und ihre Körpersignale zu beachten. So gerüstet, können die Mädchen und Jungen anschließend weitere kulturelle Aspekte rund ums gemeinsame Mahl erlernen – und dann auch erwachsene Esser als Vorbilder erleben.

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