Der Übergang von drinnen nach draußenLeuchtsignale

Lernen Sie im vierten Teil unserer Serie zu den Mikrotransitionen ein Ritual kennen, das für die Kinder der Spatzengruppe das Zeichen zum Rausgehen ist.

Leuchtsignale
© Christian Dorn - Pixabay

Sind die kleinen Übergänge im Tagesablauf (Mikrotransitionen) gut durchdacht, hilft das Kleinkindern, ihren Alltag in der Krippe zunehmend selbstständig zu bewältigen. So entsteht Sicherheit und Wohlbefinden. Den Kindern der Spatzengruppe sind zahlreiche Signale vertraut, die Übergänge ankündigen. Wenn der Brummkreisel und die Esel-Handpuppe geholt werden, beginnt der Morgenkreis. Ist die große Sanduhr beim Frühstück abgelaufen, dürfen Kinder, die satt sind, ihr Geschirr abräumen und spielen. Ein roter Korb signalisiert den Turntag: Darin findet die Straßenkleidung ihren Platz. Neonfarbene Westen kündigen die Spielzeit draußen an. Wie kam es dazu?

Bunte Spatzen

Auf dem Außengelände der Kita halten sich insgesamt sieben Gruppen auf, für die Krippengruppen gibt es bewusst keinen abgetrennten Bereich. Eine Herausforderung für die Fachkräfte der „Spatzen“, alle Krippenkinder im Blick zu behalten. Sobald sich die Kinder selbstständig fortbewegen können, erkunden sie das gesamte Areal. Aus dieser Situation heraus entstand die Idee, die Spatzen beim Spielen auf dem Außengelände besser sichtbar zu machen. Warum nicht knallige Sicherheitswesten verwenden, wie sie bei Ausflügen ins Dorf zum Einsatz kommen? Die Umsetzung war leicht. Aus einer großen Weste entstanden zwei kleine, mit Druckknopf zum Umbinden. In dieser verkleinerten Form stören sie nicht beim Spielen und die Kinder bleiben nirgendwo hängen. Seit es die leuchtenden Schärpen gibt, verläuft der Übergang zum Rausgehen immer gleich. Sobald eine Fachkraft ankündigt „Wir gehen raus“, holt ein Kind die Kiste mit den gelben Kleidungsstücken. Jedes Kind nimmt sich eines, denn alle wissen: Nur mit Weste geht’s nach draußen. In Gesprächen haben die Fachkräfte erklärt, wie wichtig dieses Erkennungsmerkmal ist. Die Mädchen und Jungen helfen sich gegenseitig beim Anlegen, auch die Erzieherinnen unterstützen die Kinder dabei. Hat ein Kind die Schärpe einmal vergessen, gibt es immer jemanden aus den eigenen Reihen, der es darauf aufmerksam macht. Es ist jetzt ein Leichtes, die Spatzen auf dem Außengelände zu lokalisieren. Das Neongelb leuchtet von weitem. Auch die Fachkräfte der Gruppe haben eine Weste um – das erleichtert es im Gegenzug natürlich auch den Kindern, ihre Erzieherinnen zu finden. Und nicht zuletzt profitieren beim Abholen die Eltern davon.

Aktiv dabei

Das Holen und Anlegen der Sicherheitswesten erleichtert den Fachkräften die Arbeit, denn es verkürzt den Kindern die Wartezeit vor dem Rausgehen. Besonders jüngere Kinder reagieren häufig mit Quengeln und Unruhe, wenn sie warten müssen. Weil die Kinder sich nun ihren Kompetenzen entsprechend aktiv beteiligen können, verläuft der Übergang ruhiger. Das Umbinden der Schärpe ist eine wichtige Aufgabe, die sie selbst erfüllen können. Ziel ist es also nicht, einen Übergang möglichst schnell zu überwinden, sondern es den Kindern zu ermöglichen, den Prozess aktiv und erfolgreich zu bewältigen. Bei den Spatzen ist klar: Sicherheitsweste anlegen und raus!  

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