Schulanfang - SchulalltagWie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Wenn unsere Kinder in die Schule kommen, dann ändert sich auch für uns Eltern der Alltag. Der gesamte Tagesrhythmus verschiebt sich und alle müssen sich umstellen. Hausaufgaben, Lernen und Ziele erreichen gehören jetzt auch tagtäglich dazu.

Schulanfang - Schulalltag: Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können
© Thommy Weiss - Pixelio.de

Die Schultüte liegt geleert auf einem Regal im Kinderzimmer: nach dem aufregenden ersten Schultag kommt der Alltag.

Was hat sich definitiv im Vergleich zur Kindergartenzeit geändert? Wie gehen Sie mit der Fülle gut gemeinter Ratschläge um, die in der Regel auf Mütter und Väter frisch eingeschulter Kinder einprasseln? Wie reagiert Ihr Kind auf die Schule und welche Eindrücke von Schule, Lehrer/innen und Unterricht haben Sie nach den ersten Wochen gewonnen?

Verändert hat sich in der Tat der Tagesrhythmus. Auch braucht Ihr Kind Sie jetzt zeitlich, emotional und intellektuell stärker als im routinierten Kindergartenalltag. Gleichzeitig spüren Sie, wie Ihr Sohn oder Ihre Tochter neue Schritte zur Selbstständigkeit unternimmt, sich an anderen Erwachsenen orientiert und sich von Ihnen zu lösen beginnt. Das Thema Schule - und damit Leistung, Bewertung - hält penetrant Einzug in den Familienalltag, und für Sie ist es außerordentlich schwierig, den Schulanfang Ihres Kindes nicht als Test für sich selbst zu erleben. Versuchen Sie, sich von diesem Druck zu befreien und seien Sie so mutig, nicht alle Tipps von Eltern, Großeltern, Nachbarn und Freunden umzusetzen.

Vertrauen Sie öfter auf Ihr eigenes Urteil und Ihren gesunden Menschenverstand. Der sagt Ihnen auch, wann Sie tatsächlich Rat und Hilfe brauchen.

Zuhören ist jetzt besonders wichtig

Am allerwichtigsten ist es, aufmerksam zu sein für das, was Ihr Kind Ihnen mitteilt oder mitzuteilen versucht. Wenn Ihr Kind gesprächig ist und sich gerne anvertraut, werden Sie viel über den Lehrer oder die Lehrerin, den Unterrichtsstoff, das Lernmaterial, die Sitzordnung, die Pausenbrote der anderen, die Stimmung im Klassenzimmer und die Spiele auf dem Schulhof erfahren. Hören Sie zu und halten Sie sich mit Kommentaren und Ratschlägen zurück, um dem Kind die Chance zu geben, seine neue Welt zu erzählen, seine Freuden und Sorgen zu formulieren. Ernstgenommen zu werden und das Erlebte zu benennen, ist für ihr Kind ganz wichtig beim Verdauen seiner ersten Schülererfahrungen. - Vielleicht mag Ihr Kind seine Erlebnisse auch für sich behalten, seine Erfahrungen nicht teilen und mitteilen. Die Franzosen nennen diese innere Sperrzone jardin secret, den "geheimen Garten" - in den niemand eindringen soll. Fühlt sich Ihr Kind gut dabei, lassen Sie ihm diesen Bereich. Sie werden durch die allgemeine Gerüchteküche, durch die Eltern von Mitschülern und - besser noch - im Austausch mit der Lehrerin oder dem Lehrer alles wirklich Wissenswerte bald erfahren. Wenn Sie aber das ungute Gefühl haben, Ihr Kind schweigt, weil es sich in der Schule nicht wohl fühlt, warten Sie nicht lange mit der Kontaktaufnahme zum Lehrer. Lehrer/innen reagieren verständlicherweise reserviert auf aufdringliche, besserwisserische Eltern; sie freuen sich aber in der Regel über interessierte und engagierte Eltern und zeigen Verständnis für beunruhigte Mütter und Väter.

Eigene Erwartungen und Mitarbeit

Zögern Sie nicht, mit der Lehrerin oder dem Lehrer offen auch über eigene Erwartungen und Eindrücke zu sprechen. Sie dürfen eigene - und vielleicht sehr alte - Ängste formulieren, ohne dass Sie gleich beschuldigt werden, den Lehrkörper mit einem Psychotherapeuten zu verwechseln. Es ist wichtig, dass Sie Schule als Institution und die Schule Ihres Kindes bejahen und eventuelle Zweifel aus dem Weg zu räumen versuchen. Konkrete Detailfragen lassen sich in der Regel schnell beantworten, aber auch grundsätzliche Fragen zur Lehrmethode, zum Thema Autorität und Disziplin lassen sich ansprechen. Selten sind Lehrer/innen hoffnungslos borniert; es ist vor allem der Ton, der für ein Gespräch maßgeblich ist. Seien Sie offen mit der Lehrerin/dem Lehrer, stehen Sie selbstbewusst zu Ihrem Anliegen, ohne darüber seins zu ignorieren. Sollten Sie im Gespräch mit der Lehrerin/dem Lehrer zu dem Schluss kommen, dass es zwischen Ihnen, Lehrer/in und Schule fundamentale Differenzen in der Bildungs- und Erziehungsphilosophie gibt, ist dies ein guter Grund, um über andere Schulformen, private und alternative Einrichtungen nachzudenken.

Grundsätzlich wird Schule lebendiger, vielfältiger, wenn Eltern nicht als Einzelkämpfer ausschließlich für das Wohl ihrer Kinder kämpfen, sondern sich für die Belange der Schule interessieren, sich aktiv einbringen, bei der Klassenpflegschaft mitwirken, bei Veranstaltungen der Schule helfen, Projekttage mitgestalten oder sich im Förderverein der Schule engagieren.

Bei Elternabenden wird das positive Mitwirken der Eltern besonders gebraucht. Versuchen Sie, eine freundliche Stimmung zu verbreiten, helfen Sie dabei mit, die Diskussion immer wieder auf die wichtigen Themen wie Leselernmethode, soziale Kompetenz und Vermittlung bei Ausgrenzung etc. zu lenken. Es ist schade, stundenlang über praktische Fragen (Läusebefall, Trinkflaschen etc.) zu sprechen oder sich gar auf Gespräche über einzelne Kinder einzulassen. Auch wenn es verständlich ist, dass Eltern in erster Linie um das Wohl ihres eigenen Kindes bemüht sind und sich vergewissern wollen, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Hausaufgaben

Stimmt es, dass Eltern bei den Hausaufgaben nicht helfen sollen? Wie viel Zeit sollen die Kinder der Erledigung ihrer Schularbeiten widmen? Wie können Eltern sich verhalten, wenn die Hausaufgaben zum Machtkampf in der Familie führen?

Alle Eltern träumen davon, dass ihr Kind die Hausaufgaben selbständig und zügig erledigt. Aber die Realität sieht oft anders aus. Die Kinder erleben diese "Ergänzung zur schulischen Arbeit" als drückend und lästig, weswegen sie entweder trödeln oder ihre Hausaufgaben schnell "hinhudeln". Andere Kinder treten sehr früh in heftigen Widerstand gegen diese Pflichterfüllung und konfrontieren Eltern dadurch mit grundsätzlichen Fragen zur Disziplin und Autorität.

Praktisch ist es besonders für Schulanfänger/innen wichtig, dass sie Hilfe bekommen, wenn sie diese brauchen. Die Eltern sollen dabei aber nicht die Hausaufgabenbewältigung übernehmen, sie sollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Helfen Sie Ihrem Kind, die Aufgabenstellung durch Neuformulierung zu begreifen. Beantworten Sie seine Fragen. Bleiben Sie in Ruf-, jedoch nicht in Sichtweite. Führen Sie Ihr Kind zu eventuellen Fehlern hin, korrigieren Sie diese jedoch nicht selbst. So unterstützen Sie die Entwicklung Ihres Kindes zur Eigenständigkeit. Bleiben Sie geduldig.... - und holen Sie am Fenster oder auf dem Balkon tief Luft, wenn Ihnen mal der Kragen zu platzen droht.

Für die erste und zweite Klassen sind ca. 30 Minuten für die Hausaufgaben angesetzt. Dabei handelt es sich um ein Richtmaß. Ihr Kind kann seine "Hausis" schneller und dabei durchaus gewissenhaft erledigen; es kann möglicherweise aber auch mehr Zeit beanspruchen. Akzeptieren Sie dies und haken nur nach, wenn die Aufgaben sich endlos und schmerzhaft in die Länge ziehen.

Wenn Ihr Kind die Hausaufgaben boykottiert, muss diese Frage zwischen Ihnen und Ihrem Kind grundsätzlich geklärt werden. Hausaufgaben sind Pflicht, da gibt es kein Wenn und Aber. Wenn sie nicht sinnvoll erscheinen, kann und soll Ihr Kind dies - auch in der Schule - zum Ausdruck bringen; es darf sich aber trotzdem nicht der Pflichterfüllung entziehen.

Seien Sie so konsequent wie möglich und finden Sie gleichzeitig Wege, Ihr Kind zu ermutigen: Sprechen Sie immer wieder offen mit ihm. Versuchen Sie, positive Seiten im Arbeits- und Sozialverhalten Ihres Kindes herauszustellen. Loben Sie es ehrlich für erbrachte Leistungen und Kompetenzen auch in anderen Lebensbereichen. Zeigen Sie Ihre Solidarität, indem Sie Kommentare und Kritik Ihres Kindes ernst nehmen.

Lust aufs Lernen unterstützen

Viele Kinder tun sich schwer mit den Aufgaben, Pflichten und der Regelmäßigkeit, die die Schule einfordert. Schule ist ein potenzieller Stressfaktor für das Familienleben: sich darüber klar zu sein, schützt davor, dass sie die Atmosphäre zu Hause zu sehr prägt.

Es gibt konkrete Hilfestellungen, die Sie Ihrem Kind anbieten können. Tipps, wie Sie ein positives Arbeitsumfeld schaffen, wie Sie Ihrem Kind helfen können, sich zu konzentrieren und - vor allem - wie Sie es ermutigen können.

Sinnvoll ist es aber auch, sich vorher über die eigene Einstellung der Schule gegenüber klar zu werden. Wie stehen Sie zur Schule von heute? Welche Erwartungen hegen Sie? Welche eigenen Erinnerungen an die Schule waren für Sie prägend? Gibt es alte Ängste, die Sie unbewusst auf Ihr Kind übertragen? Wie stehen Sie zum wiederentdeckten Leistungsbegriff?

Kinder sind von Natur aus neugierig, lernbegierig und bis zu einem gewissen Grad ehrgeizig. Problematisch wird es, wenn Eltern die Schule nicht bejahen können oder wenn umgekehrt ihr Ehrgeiz sie die Persönlichkeit des Kindes mit seinen Gaben und Grenzen nicht deutlich sehen lässt. Jeder möchte seinem Kind die besten Chancen mit auf den Weg gehen, und dazu gehört eine geglückte Schullaufbahn. Heißt das nun zwangsläufig glänzende Grundschulzeugnisse, achtzügiges Gymnasium und Spitzenabitur, oder gilt auch eine Schullaufbahn als gelungen, wenn sie Wege zwischen Anpassung an gesellschaftliche Erfordernisse und Besonderheiten des Kindes gesucht und dabei die Zustimmung des jungen Menschen gefunden hat?

Es ist ein hervorragender Fortschritt, wenn Eltern sich bemühen, Ihre Angebote für und Forderungen an das Kind nach dessen Maß auszurichten.

Die Schule beschränkt sich nicht auf den Vormittag. Sie bestimmt zumindest teilweise auch das Leben am Nachmittag. Sie ist ein ganz wichtiges Element im Leben Ihres Kindes, und deswegen ist ein hohes Maß an Identifikation so unendlich wichtig. Geben Sie Ihrem Kind also die Chance, sein Schulleben zwischen Stress und Muße zu gestalten. Geben Sie ihm auch Raum und Zeit für zweckfreies Spielen. Verplanen Sie Ihr Kind nicht, denn es braucht Frei(!)zeit. Wenn es diese hat und von Ihnen Zuwendung, ehrliche Anerkennung und Ermutigung erfährt; wenn also sein "seelischer Tank" natürlich und konstant von Ihnen aufgefüllt wird, dann kann es auch mit Freude lernen.

Günstige praktische Voraussetzungen können Sie schaffen, indem Sie einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf organisieren, einen ergonomischen und ordentlichen Arbeitsplatz schaffen, das Arbeitsmaterial in übersichtlicher Weise verfügbar halten und für Ruhe beim Lernen sorgen.

Lassen Sie Ihr Kind lernen, wenn es ausgeruht ist, vielleicht nicht sofort nach dem Mittagessen und erst nachdem Ihr Kind sich Bewegung verschafft hat. Aber auch hier gilt: Gehen Sie auf die besonderen Bedürfnisse Ihres Kindes ein, versuchen Sie herauszuhorchen und zu fühlen, wann Ihr Kind Energie zum Lernen hat. Indem Sie auf die Individualität Ihres Kindes achten, wird es am besten gelingen, seine intellektuellen, kreativen, psychischen und sozialen Kompetenzen auszuschöpfen und zu erweitern.

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