Kinder und KiTas brauchen MännerDas Männliche bewusst in den Blick nehmen

Jeder Vater ist für die emotionale Entwicklung seines Kindes enorm wichtig. Der Autor lenkt den Blick auf die Chancen einer aktiven Väterarbeit in der KiTa und zeigt konkrete Beispiele auf.

In den letzten drei Generationen, mit der sich verstärkenden Demokratisierung der Gesellschaft und der Frauenemanzipation haben Männer ihre Spielräume in der Balance zwischen Beruf, Familie und Freizeit erweitert. Sie wollen nicht mehr nur „zahlender Zaungast" im Familienleben sein. Als Väter versuchen sie, anders und erfüllter zu leben, als es ihren Vätern und Großvätern in der Funktion des Geldverdieners und Haushaltsvorstands möglich war. Folgende Meldungen bestätigen dies: Der Anteil der Väter in „Elternzeit" stieg von 2001 bis 2004 in Deutschland von 1,5% auf rund 5%. (Werdende) Väter engagieren sich, indem sie z.B. in „Vorbereitungskurse für werdende Väter", zur Geburtsvorbereitung und zu Eltern-Kind-Kursen gehen, ihr Kind im Kindergarten anmelden und es dorthin bringen, das Gespräch mit anderen Eltern suchen, einfühlsam Kinderinteressen vertreten, an Elternveranstaltungen teilnehmen und mit den Fachkräften in Kindergarten und KiTa zusammenarbeiten.

Väter sind eine Chance für den Kindergarten!

Interessierte Väter sind eine große Chance für den von Frauen dominierten Kindergarten. Wer etwa eine geschlechtsbewusste Erziehung von Kindern zu selbstsicheren Mädchen und Jungen vertritt oder wer alleinerzogenen Kindern eine Ergänzung durch männliche Bezugspersonen bieten möchte, sollte eine väterfreundliche Atmosphäre in seiner Einrichtung schaffen. Dazu braucht es ein väterbewusstes Konzept und handfeste, niedrigschwellige Angebote, an denen Väter sich gerne beteiligen, und wo sie miteinander bzw. voneinander lernen können.
Ein pädagogisch engagierter Mann ist sowohl für Jungen und Mädchen in der Gruppe als auch für die „neuen Väter" ein wichtiges Vorbild. Angesichts der mütterlichen Mehrheiten im Kindergarten stolpern jedoch nicht wenige Väter durch eine unerwartete Kette von Verständigungshürden und exklusiven Abstimmungsszenarien, aus der sie vielleicht resigniert schließen: Im Kindergarten bleibe ich als Vater außen vor! Hinzu kommt, dass Väter kaum männliche Ansprechpartner unter dem Kindergartenpersonal finden: 97% der Fachkräfte sind Frauen und der Erzieherberuf liegt in der Regel weit außerhalb der Berufsorientierung männlicher Jugendlicher. Jedes Kindergartenteam kann sich jedoch auf den Weg machen, jeden „neuen Vater" wahrzunehmen und ihm aktiv entgegenzugehen. Zu konkreten väterfreundlichen Strukturen im Kindergarten gehört z.B. ein Internetanschluss und vor allem ein im Team vereinbartes schriftliches Konzept für Väterarbeit, das dem spürbaren Zulauf erziehungsbewusster Väter gerecht wird. Besondere Zielgruppen der Väterarbeit sind:

  • Erst-Väter: Mit dem ersten Kind werden die entscheidendsten Erfahrungen von Familienwerdung gemacht. Daran sollten auch Angebote im Kindergarten anknüpfen, die in den ersten Vaterjahren Vaterrolle und Erziehungskompetenz stärken. Väterarbeit in Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Kindergarten gilt als psychosoziale und medizinische Prävention.
  • Großväter: Haltung und Einfluss der Großeltern auf das erzieherische Verhalten der Eltern sollten von ErzieherInnen stärker beachtet werden. Zur Förderung der Beziehung zu den Enkelkindern sind „Großelternangebote" sehr sinnvoll.
  • Väter mit Migrationshintergrund: Mit besonderer Aufmerksamkeit sollten sich ErzieherInnen der Väterarbeit im Migrationsbereich zuwenden und auch für die Ausbildung sollten mehr Männer mit Migrationshintergrund gewonnen werden.
  • Bildungsferne Vätergruppen: Es ist wichtig, Erkenntnisse darüber zu sammeln und umzusetzen, wie bildungsferne Väter erreicht werden können bzw. wo sie sich in informellen Lernumfeldern eine Orientierung als Vater verschaffen.

Väterarbeit als Herausforderung annehmen

Die Qualität von Elternarbeit ist u.a. auch daran zu erkennen, wie sehr Väter bei der Erziehung von Mädchen und Jungen und in unterschiedliche Formen der Elternarbeit einbezogen werden und wie sich Väter mit eigenen Positionen und Kompetenzen beachtet fühlen. Wenn die meisten Väter den familienbezogenen Aktionen im Kindergarten fernbleiben, sollte das nicht als typisch oder üblich hingenommen werden. Auch ein Männer-Anteil von nur 10-20% unter den TeilnehmerInnen an einem Elternabend ist Anlass, dies kritisch zu hinterfragen. Für ErzieherInnen, die ihrem gesetzlichen Auftrag zur Familienergänzung und -unterstützung, zur kontinuierlichen Information und Beteiligung beider Eltern nachkommen wollen, ist das Fehlen von Vätern im Kindergarten eine unabweisbare professionelle Herausforderung. In der ErzieherInnenausbildung und in einschlägiger Fachliteratur besteht hier allerdings großer Nachholbedarf: Die reiche Fülle von Literatur zur Elternarbeit scheint auf dem „Väterauge" immer noch nahezu blind zu sein.
Beim Ausbau der Väterarbeit im Kindergarten gerät bei Eltern, Kindern und Fachkräften häufig vor allem das traditionelle Rollenbild in lebhafte Bewegung, das „dem Vater die Berufskarriere und der Mutter Küche und Kinder" auferlegt. Je nach Einzugsgebiet und Adressatenprofil der Einrichtung muss Vätern jedoch unterschiedlich begegnet werden, denn Vielfalt und Individualität haben sich eingestellt in Bezug auf Fragen der Partnerschaft und Erziehung, Freizeitgestaltung, Mitarbeit in Institutionen etc. Künftige Rollenvorstellungen werden im Kindergarten auch dadurch geprägt, dass Thomas z.B. begeistert zu Hause erzählen kann: „Der Papa von Ella war heute morgen im Kindergarten und hat mit uns gefrühstückt und dann mit uns gespielt!" Kinder nehmen daraus Anregungen für ihre eigenen Vorstellungen von Vaterschaft mit. Wie bewertet dann Thomas' Vater, dass Ellas Papa dort spielt, wo er selbst bisher nie zu sehen war? Und wie bewertet Thomas' Mutter den Eindruck, dass Ellas Papa offenbar in Kindern eine solche Bereicherung sieht, dass er werktags seine Zeit für sie einsetzt? Wie sehen es die anderen Mütter, wenn sie sich nicht im Kindergarten engagiert und „dennoch" eine glückliche Mutter ist? ErzieherInnen können solche Prozesse interessiert wahrnehmen und beobachten, inwiefern dabei auch ihre eigene Vorstellung von Männern und ihre persönliche Vater-Erfahrung in Bewegung geraten.

Rahmenbedingungen der Väterarbeit gestalten

Träger von Kindertageseinrichtungen sollten die Bedeutung und das praktische Gewicht der Väterarbeit in den Einrichtungen aktiv unterstützen - auch durch Beratung, Supervision, Fort- und Weiterbildung. Es ist bedenklich, wenn die für Familien erste allgemein zugängliche Bildungs- und Betreuungseinrichtung für Kinder keine konzeptionelle „Väterperspektive" in den Blick nimmt, obwohl sie laut Auftrag familienergänzend arbeiten, elterliche Mitwirkung und intensiven Informationsaustausch mit Eltern fördern soll. Zu väterfreundlichen Rahmenbedingungen in KiTas gehören u.a.:

  • Die hohe Wertschätzung der Väterarbeit innerhalb der Dachorganisationen, der Träger, der Arbeitswelt, der Politik und der Öffentlichkeit;
  • die attraktive Ausstattung der Einrichtungen;
  • ausreichend qualifiziertes Personal, möglichst auch männliche Fachkräfte. Ideal wären gleiche Anteile von Männern und Frauen in Kindertageseinrichtungen, dabei würden Kinder und Eltern eine lebendige Kooperation zwischen den Geschlechtern erleben;
  • interdisziplinäre, genderbewusste Konzepte und Leitlinien;
  • Information, Bildung und Beratung von Vätern mit Kindern zwischen null und drei Jahren;
  • Ausdauer und Nachhaltigkeit, um Väterarbeit über Jahre ins Rollen zu bringen;
  • Fachaustausch, Beratung und angemessene Qualifizierung in Aus-, Fort- und Weiterbildung mit besonderem Schwerpunkt der Väterarbeit;
  • lokale und überregionale Netzwerke für institutionsübergreifende Väterarbeit, z.B. mit Hebammen, Familienbildung und -beratung, Grundschulen, Vereinen;
  • Daten, Dokumentationen und genderbewusste Berichte zur Arbeit mit Vätern, z.B. über den Anteil von Vätern in elternbezogenen Angeboten und Maßnahmen oder in Elterngremien.

Vätern Aufmerksamkeit und Raum anbieten

Jeder Mensch geht unterschiedlich mit Kindern um, so eben auch Väter. Sie haben eine eigene Art, Grenzen zu setzen und Risiken zuzumuten, sie entwickeln eigene Formen, Sachverhalte zu erklären, sich ins Spiel einzuschalten oder herauszuhalten. Kinder erleben den Umgang mit erziehungsbewussten Männern entsprechend unterschiedlich und so kommen sportliche, musische, handwerkliche sowie soziale Kompetenzen von engagierten Vätern bei ihnen anders an. Jeder Kindergarten kann Vätern attraktive Anregungen und Räume bieten, um sich aktiv einzubringen. Es geht letztlich darum, dass Männer ihre bedeutsame Vaterrolle und alltägliche Aspekte ihrer Beziehung zum Kind spielerisch erleben, reflektieren und ausbauen können. In aufmerksamer Kleinarbeit lassen sich Ansätze bisheriger Elternbildung weiterentwickeln, um Väter vom Kindergarten aus nachhaltig zu erreichen. Um den Vätern dort entgegenzugehen und ihre Erziehungskompetenzen zu fördern, dürfen jedoch nicht kurzlebige und einfache „Rezepte" oder Einzelaktionen angewendet werden. Vielmehr muss ein Konzept des gesamten Teams vereinbart und kontinuierlich und bedarfsorientiert ausgeformt werden. Zudem sollte in Aus- und Fortbildung sowie Fachberatung für ErzieherInnen intensiver auf Zusammenarbeit mit Vätern eingegangen werden.

Entwicklungsfragen zur Zusammenarbeit mit Vätern

Die folgenden Entwicklungsfragen zum Ausbau der Kontakte zu Vätern im Kindergarten beruhen auf mehrjährigen Projekt- und Fortbildungserfahrungen des Autors und auf einem Projekt, in dem ErzieherInnen von ihren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Vätern berichteten und neue, situationsorientierte Ansätze erkundeten. Sie sollen Impulse sein, um den eigenen Erfahrungsschatz in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Vätern zu erweitern und vorhandene Entwürfe vor Ort weiterzuentwickeln.(1)

Väter wahrnehmen

  • Wie können wir das Thema „Väter" in unseren Teamgesprächen, in Fachberatung, Fortbildung und Ausbildung verankern?
  • Wie können wir mehr über Väter in ihren zentralen Übergängen im Familienleben erfahren? Was wissen wir z.B. über ihre Art, sich auf eine Geburt vorzubereiten oder den Wechsel des Kindes in die Grundschule zu begleiten?
  • Wie erfahren und interpretieren wir, ob und was Väter an Kindern anders sehen als Mütter?
  • Wie können wir Fortbildungen zur Zusammenarbeit mit Vätern beim Träger anregen?

Väter so früh wie möglich in den Kindergarten hineinholen

  • Wie können wir Vätern den Kindergarten vertraut machen, lange bevor ihr erstes Kind drei Jahre alt wird?
  • Welche frühen Angebote an junge Ersteltern von anderen Institutionen (z.B. Familienbildung oder -beratung, Gesundheitsvorsorge) haben präventiven Wert für unsere spätere Arbeit im Kindergarten? Welche davon könnten in Räumen des Kindergartens durchgeführt werden oder mit unserer Unterstützung in der Nähe?
  • Wie können wir Väter erfolgreich zum Aufnahmegespräch bzw. zur Anmeldung des Kindes in den Kindergarten einladen? Wie fördern wir dabei ihre Beteiligung am Gespräch - mit Rücksicht auf ihr kulturgeprägtes männliches Selbstverständnis?

Väter den Kindergarten erkunden lassen

  • Wie ermöglichen wir den neu ankommenden Vätern, sich mit den Räumen der Einrichtung und den Außenanlagen vertraut zu machen, damit sie erfahren, wo ihr Kind täglich gerne spielt?
  • Wie können wir eine „Mutter-Vater-Kind-Orientierungs-Rallye" im Kindergarten zu einem Gewinn für alle machen?

Väter mit dem Auftrag und dem Konzept des Kindergartens bekannt machen

  • Wann und wie vermitteln wir den Vätern unser pädagogisches Leitbild?
  • Wie machen wir Väter auf unser Geschlechtsrollenkonzept aufmerksam?
  • Wo bieten wir den Vätern Kooperationen in der Erziehungsarbeit an?
  • Wie erfahren Väter frühzeitig, was ihr Kind im Kindergartenalltag erlebt?

Väter miteinander vertraut werden lassen

  • Wie fördern wir das notwendige gegenseitige Kennenlernen der Väter?
  • Was hilft den neu angekommenen Vätern, sich erst mal untereinander kennen zu lernen?
  • Wie finden wir heraus, welche Väter welche gemeinsamen Interessen haben?

Väter ausdrücklich ansprechen

  • Auf welche interessanten Themen können wir Väter beim Bringen und Holen der Kinder ansprechen?
  • Wie sehen unsere Anschreiben an die Eltern aus: Schreiben wir „Liebe Väter und liebe Mütter" oder immer noch „Liebe Eltern" und hoffen, dass auch Väter sich damit angesprochen fühlen?
  • Wie gehen wir mit denjenigen Vätern um, die sich nur ungern im Kindergarten zeigen? Wie können wir diese gezielt einladen, aufsuchen, interessieren, beteiligen?
  • Was hindert uns daran, jeden Vater mindestens alle sechs Monate - auch ohne Partnerin - fachlich anzusprechen?

Väter am Alltag des Kindergartens teilhaben lassen

  • Wann können wir regelmäßig ein attraktives Vater-Kind-Mitbring-Frühstück anbieten?
  • Wo und wie können wir den Vätern Gelegenheit geben, im Kindergarten interessante Erlebnisse mit ihrem Kind zu teilen?
  • Welche Erfahrungen haben wir mit Situationen, in denen Väter ihr Kind abholen? Wie können wir daran Vater-Kind-Spielnachmittage anschließen, z.B. unter dem Motto: „Papa, komm, ich zeig dir meinen Kindergarten!"
  • Welche Projekt-Aufträge können wir interessierten Vätern anbieten, bei denen sie aktiv etwas für den Kindergarten tun können, z.B. mit Fotoapparat oder Videokamera verschiedene Themen spielerisch mit den Kindern dokumentieren?
  • Welche Väter sind neugierig auf eine Hospitation in der Kindergruppe?
  • Wie können wir den Väter-Anteil an abendlichen Veranstaltungen für Eltern auf 33% und mehr erhöhen?

Väter an der Entwicklung des Kindergartens beteiligen

  • Welche Mitwirkungsmöglichkeiten nehmen „unsere" Väter gerne wahr, welche Mitwirkungsbereiche sind mit ihnen ausbaufähig?
  • Was tun wir, um auch Väterinteressen im Elternbeirat zu beachten? Wie motivieren wir Väter, sich als Elternbeiräte wählen zu lassen?
  • Wie helfen wir, eine eventuell aufkommende skeptische Eifersucht gegen engagierte Väter, die häufig im Kindergarten sind, durch klare Information abzubauen?

Väter den Kindergarten nutzen lassen

  • Wie fördern wir, dass Väter im Laufe der Zeit ihre Treffen und gemeinsamen Aktivitäten in weitgehender Eigenregie planen und realisieren können?
  • Was spricht dafür, dass Väter bei eigenen Festen und feierlichen Anlässen die Räume des Kindergartens nutzen?
  • Wie kann die Einrichtung erzieherische Interessen der Väter aufgreifen, in kleinen Schritten fördern und langfristig günstige Rahmenbedingungen dafür schaffen?

Mit anderen Einrichtungen und Bildungsinstitutionen kooperieren

  • Wer bietet im Sozialraum familienorientierte Angebote für Väter (mit ihren Kindern) an?
  • Wie stärken umliegende Vereine und Initiativen die Väter in ihrem Engagement für die Familie? Wer möchte mit uns in Bezug auf die Väterarbeit kooperieren?
  • Welchen Einfluss üben wir auf die Väterarbeit anderer Bildungseinrichtungen, z.B. Elternschulen, Familienbildungsstätten, Grundschulen, Volkshochschulen, aus?
  • Wer unterstützt uns, damit wir männliche Praktikanten gezielt ausbilden oder männliche Kollegen einstellen können?

Männliche Bezugspersonen fördern flexible Geschlechtsrollen

Es gibt überzeugende wissenschaftliche Befunde dazu, dass aktive Väter für die soziale, intellektuelle und emotionale Entwicklung aller Kinder einer KiTa hoch bedeutsam sind - auf eigene Art und anders als Mütter. Das starke Ungleichgewicht in den sehr wichtigen ersten zehn Lebensjahren - extreme „Übermütterung" bei gleichzeitiger „Unterväterung" in der privaten wie in der öffentlichen Erziehung - wirkt besonders folgenschwer im Kindergartenalter, da Kinder dann erstmals die Konstanz ihrer Geschlechtszugehörigkeit begreifen, etwa: „Ich bleibe Zeit meines Lebens ein Mädchen/ein Junge!" Umso wichtiger ist für das Kind dann das, was Erwachsene als männliche bzw. weibliche Vorbilder vorleben und was ihm durch die Medien über angebliche Merkmale von Männern und Frauen vermittelt wird. Fiktive Männerfiguren in den Medien haben den riesigen Nachteil, dass sie von Kindern kaum so nah und kritisch begriffen und geprüft werden können wie konkrete Männer in ihrem Alltag, die zugleich stark und schwach, laut und leise, mutig und vorsichtig, spontan und bedächtig sein können. Ein Kind wird sich weniger von polarisierten Geschlechtsrollen einengen lassen, wenn es unmittelbar miterleben kann, wie ein Mann sich erfolgreich über traditionelle Rollengrenzen hinwegsetzt und dabei wenig spektakuläre, individuelle Verhaltensmuster bevorzugt.

Fazit

Ein lebhaft nach Kompromissen und Verständigung suchender Mann oder einer, der zumutbare Grenzen austesten lässt, dabei „auf Augenhöhe" mitspielt und sich in die provisorischen Spielregeln der Kinder einfühlt, kann ein großer Gewinn für jedes Kindergartenkind sein. Im Kindergarten tauchen diese Männer nun zunehmend auf. Der Kindergarten kann in kleinen Schritten den Kindern vielfältige menschliche Lebensmuster nahe bringen. Er kann auf lange Sicht versuchen, gemeinsam mit Müttern und Vätern, aber hin und wieder auch exklusiv mit Vätern, lebendige Vorbilder hineinzubitten. Gemeint sind solche Menschen, die erfolgreich über ein antiquiertes Jungen- und Männerkonzept bzw. Mädchen- und Frauenkonzept hinausgehen können. Wer als pädagogische Fachkraft Hoffnungen auf Gleichberechtigung, soziale Verantwortung und individuelle Autonomie von Mann und Frau in sich trägt, sollte diese frühzeitig in der täglichen Arbeit mit Kindern umsetzen. Die zuversichtliche Zusammenarbeit sowohl mit Müttern als auch mit Vätern ist dafür ein herausfordernder Praxistest.(2)

Anmerkungen
(1) vgl. Verlinden, Martin / Külbel, Anke: "Mehr Väter in den Kindergarten - Anregungen zur Zusammenarbeit mit Vätern in Tageseinrichtungen für Kinder", Beltz Verlag, Weinheim 2005.
(2) vgl. Richter, Robert / Verlinden, Martin: "Vom Mann zum Vater - Praxismaterialien für die Bildungsarbeit mit Vätern". Juventa Verlag, Weinheim 2000.

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