Mikrotransitionen

Kleine Übergänge im Tagesablauf einer Kita oder Kinderkrippe werden als Mikrotransitionen bezeichnet1. Der Begriff bezieht sich auf die sich mehrfach täglich wiederholenden Wechsel in den Alltagsroutinen der Einrichtung, die das Kleinkind durchlebt. Mikrotransitionen im Krippenalltag sind:

  1. Wechsel von Räumen, wie vom Gruppenraum zum Waschraum, von drinnen nach draußen, Etagenwechsel, Bewältigen von Fluren und Treppen
  2. Wechsel von Aktivitäten (bezogen auf Alltagsroutinen), wie vom Essen zum Schlafen, vom Spielen zum Aufräumen oder zum Wickeln
  3. Wechsel von Personen, wie bei der morgendlichen Begrüßung von den Eltern zur Fachkraft, am Nachmittag beim Schichtwechsel

Kinder bauen zu den Alltagsroutinen, die sich in der Kita und auch zu Hause regelmäßig wiederholen, sogenannte Skripts2 auf – ähnlich wie bei einem Drehbuch für einen Film. Sie lernen, dass es für viele Situationen einen ganz typischen Handlungsplan gibt, eine Art Drehbuch, z. B. zur Garderobensituation in der Kinderkrippe, aber auch zur Mahlzeit, zum Waschraum oder zum Spielen. Bestandteil dieses Skripts sind immer auch die Mikrotransitionen in die neue Situation hinein und wieder heraus. Durch die täglichen Wiederholungen verinnerlicht das Kind die Handlungsabläufe so, dass es ihm möglich wird, den weiteren Verlauf zu erwarten oder zu kennen. Die im Kontext eines Skripts gesprochene Sprache und die typischen Sätze werden mit den Handlungsabläufen verbunden. Darum bieten diese Situationen ein umfassendes Feld für (vor-)sprachliche Bildung. Insbesondere zwei Strategien empfehlen sich hier für pädagogische Fachkräfte: 1. Self Talking und 2. Parallel Talking:

Self Talking

Die Fachkraft benennt alles, was sie selbst macht. Sie kündigt ihre Handlungen an und erläutert, was sie tut. Dabei achtet sie sorgfältig darauf, dass das Kind ihren Worten und Gesten aufmerksam folgt. Damit diese Strategie Erfolg hat, müssen die gesprochenen Worte der pädagogischen Fachkraft genau passend auf den aktuellen Aufmerksamkeitsfokus des Kindes abgestimmt sein. Aus diesem Grund ist es oft gar nicht so günstig, dem Kind z. B. beim Wickeln etwas zum Spielen in die Hand zu geben. Denn das Kind kann den Aktivitäten dann nicht mehr aufmerksam folgen.

Parallel Talking

Die Fachkraft benennt und versprachlicht alles, was das Kind macht. Dabei orientiert sie sich ganz am Aufmerksamkeitsfokus des Kindes. Interaktionen, in denen die gesprochenen Worte des Erwachsenen und die Aufmerksamkeit des Kindes „auseinanderfallen“, sind nicht ausreichend wirksam im Bereich der sprachlichen Bildung.

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