Die Kleinen schaffen das Große – Ideen für einen generationenübergreifenden Gottesdienst

Hinweis: Für alle Altersgruppen geeignet.

Mögliche Überschriften: Die Kleinen schaffen das Große (2.Kor 12,9)
Kinder in die Mitte! (Lk 18,16)
Leben und Sterben gehören zusammen (Röm 14,8)
Meine Seele ist ein Garten (1.Ms 2,8)

Vorbereiten: Die Geschichte »Der eigensüchtige Riese« von Oscar Wilde, im Internet verfügbar, und evtl. ein dem Schwerpunkt entsprechender Bibeltext (siehe Auswahl oben).

Material: »Wunderbare« Funde von einem Spaziergang, Sammelsurien aus Küche und Keller, Murmeln, Steine, Muscheln, Tücher oder Servietten, Federn, Blüten aus Stoff oder zuvor gebastelt aus Servietten, Moos, Blüten oder Laub je nach Jahreszeit, … Mithilfe der Materialien wird zu Beginn des Gottesdienstes unter Beteiligung möglichst vieler ein »Garten« auf einem großen Tuch gestaltet. Im Verlauf der Geschichte verändert sich auch die Darstellung; Schnee in Form von weißen Decken, schwarze Tücher oder echte Steine als Mauer usw. kommen ins Spiel. Das symbolträchtige Bild erzählt den Verlauf der Erzählung mit und bleibt danach als Mitte und Blickfang liegen. Aus Zuhörern werden Beteiligte, die aktiv im Verlauf das Legebild mitgestalten.
Oder man sammelt einfache, selbstgebastelte Kostüme zum Darstellen der Geschichte durch Kinder und ggf. einen größeren Ministranten oder Erwachsenen. Es empfiehlt sich, auf den sprachlich sehr schönen und dichten Text nicht zu verzichten; er kann zum pantomimischen Spiel der Kinder gelesen werden. Dann sind auch keine aufwendigen Proben notwendig, lediglich ein Kennen und Verstehen der Handlung und Einfühlen in die Stimmung.

Einführung

Heute sind wir zusammen, um miteinander über das Zusammenleben von Menschen nachzudenken und Gott um seinen Beistand zu bitten, damit es uns gelingt, als Freunde und Freundinnen eine fröhliche Gemeinschaft zu bilden. Das ist nicht immer leicht. Wir wollen Gott sagen, was unsere Gemeinschaft stört, und ihn um Verzeihung bitten

Besinnung

(Ein Jugendlicher)

Ich schaue aufmerksam, ob es gerecht zugeht bei uns, in der Klasse, daheim und beim Sport, ob andere nicht mehr oder etwas Besseres bekommen als ich. Ich bin stolz, wenn ich das Neueste habe oder das modisch Angesagte zuallererst.

(Ein Schulkind)

Manchmal baue ich aus Büchern eine Mauer um mein Heft, damit der Nachbar nicht hineinschaut, oder ich schließe mein Zimmer ab, damit die kleinen Geschwister mich in Ruhe lassen.

(Ein Erwachsener)

Ich verschotte mich hinter der Zeitung, damit ich meine Ruhe habe und keiner mich mit Wünschen behelligt. Dabei verpasse ich es, mit den Kindern kurz zu reden, bevor wir in alle Himmelrichtungen davonziehen in den Alltag.

Bitte um Vergebung und Hilfe

GL: Gott, du kennst unsere Fehler, unsere Eigensucht und den Neid, die Missgunst. Wenn wir nur an uns selber denken, sind wir allein. Wenn wir teilen, haben wir Gemeinschaft. Du willst unser ganzes Leben mit uns teilen.

Du teilst dich uns mit, du hast uns Jesus geschickt, der uns das Teilen vorgemacht hat. Wir danken dir und bitten dich um deine Hilfe in unseren Gemeinschaften. Amen.

Überleitung zur Geschichte

Ein ganz altes Bild für unser Inneres, unsere Seele, ist das Bild des Gartens. Ein Garten ist ein geschützter Ort, in dem alles Mögliche, Schönes und Leckeres, Wohlduftendes wächst und gedeiht und wo Tiere und Menschen friedlich zusammen sind. Einen solchen Garten unserer Wünsche und Träume werden wir jetzt zusammen hier auf dem Tuch bauen.

Ruhige Musik im Hintergrund während der Phase des Gestaltens. Falls eine große Gemeinde zusammen ist, können nicht alle mitmachen. Eine Übertragung mit Presenter und Beamer ist wirkungsvoll. Mit Gruppen bis 100 TN habe ich schon erfolgreich gearbeitet und alle aktiv beteiligt, allerdings wird dann ein zweireihiger Stuhlkreis, viel Legematerial und eine große Grundfläche benötigt.

Geschichte mit Aktion

Erzählung mit Unterbrechungen, während die Landschaft entsprechend umgestaltet wird. Ggf. zum »Mauerbau« helle Steine oder ovale Moderationskarten bereithalten und dazu auffordern, diese mit Edding zu beschriften. Was wirkt sich in unserem Zusammenleben wie eine Mauer aus? Egoismus, Gier, Desinteresse, Nicht-helfenwollen…

Die Geschichte bis zu der Stelle erzählen, wo die Kinder wieder mit dem Riesen versöhnt sind. Die Mauer abtragen und seitlich aufschichten- ein Berg aus Selbstsucht!

GL: Eigensucht lässt alles erstarren und einfrieren. Dabei möchte niemand in dauerndem Winter leben! Etwas Neues, ein schöner Frühlingswind weht, wenn wir beginnen, aufeinander zu achten und zu teilen. Wir wollen ausprobieren, wie schwer und anstrengend es sein kann, das Eis zu tauen.

Austeilen der Eiswürfel, Küchenrolle, Herstellen einer relativen Ruhe evtl. mit einem meditativen Text. In den Eiswürfeln sind kleine Streudeko-Figuren, Blumen und Schmetterlinge, die mitgenommen oder im Gartenbild abgelegt werden können.

Text zum Vorlesen während des Auftauens der Eiswürfel

Nicht dieser schöne Winter mit glitzerndem Schnee und Sonne, blauem Himmel und jeder Menge Wintersport-Spaß- sondern dieser andere Winter, diese Kälte, die durch und durch geht. Sie kriecht durch die Fingerspitzen und frisst sich weiter bis ins Herz, bis ins Hirn, bis sich die Taubheit überall ausbreitet, klare Gedanken und warme Gefühle unmöglich macht. Der schneidende Wind steht mir ins Gesicht, schutzlos ausgeliefert, ein Gefühl, als ob ich im Hemd dastünde, kalte Blicke und klirrende Worte oder eisiges Schweigen. Die verhärteten Fronten sind nicht einfach aufzutauen, es reicht nicht, halbherzig zu hauchen oder mit spitzen Fingern zu fühlen, ob sich was tut, was bewegt, etwas schmilzt. Es ist nicht ausreichend, sich oder den anderen einzuwickeln, mit Thermoschutzkleidung an die harten Brocken heranzugehen, sie überstehen in der Isolation auch einen ganzen Sommer und verbreiten diese Kühle.

Gegen den kalten Krieg zwischen Groß und Klein, Alt und Jung, dir und mir hilft nur das geduldige Auftauen durch die eigene Körperwärme, auch wenn es wehtut und Überwindung kostet. Es tropft, macht kleine Pfützen, brennt in den Handflächen bis nach innen, man braucht viele Taschentücher, jede Menge Kleenex, bis das überstanden ist und ein neuer Frühling kommen kann.

Der Frühling kommt nicht schlagartig, über Nacht und in voller Schönheit- Er muss sich entfalten wie ein Krokus, durchdringen, rauskommen, winzig zuerst, nur zu ahnen, schnell zu zertreten.

Bis es wieder blüht und die Knospen sprießen, bis wieder etwas wächst und gedeiht- das kann dauern, aber wie die Kinder will ich um die Mauer gehen und das kleine Loch suchen.

Ich will nicht aufhören, danach zu tasten und mich hindurchzuzwängen, mit der Ausdauer und dem guten Glauben, den die Kleinen mit auf die Welt bringen, ich will der Riesen-Kälte mutig entgegentreten wie David dem Goliath.

Ob diese Beiden in mir, diese Gegenspieler, endlich Freunde werden können, ob es solche Geschichten gibt, die nicht mit Siegern und Verlierern enden, sondern Hand in Hand, nachdem das Eis endlich gebrochen ist?

Abschluss und Segen

Gott, du hast uns Menschen als Gemeinschaftswesen geschaffen. Wir sind am glücklichsten, wenn wir gute Freunde und eine zuverlässige Familie um uns haben. Wir danken dir für unsere wichtigsten Menschen. Wir tun ihnen manchmal weh, wenn wir uns wie eigensüchtige Riesen verhalten. Erinnere uns dann an die Eiswürfelkälte, an den Berg aus Selbstsucht. Wir bitten dich: Reiß mit uns die Mauern ein, die wir immer wieder errichten, und schick uns den Frühling, in dem die Liebe und Fürsorge wächst.

Segne alle, die hier sind und sich an den Händen halten, um eine gute Gemeinschaft, eine Seilschaft auf dem Lebensweg zu bilden. Amen.

Liedvorschläge

  • »Du hast uns deine Welt geschenkt«
  • »Komm bau ein Haus« (P.Janssens)
  • »Mein Gott wie schön ist deine Welt« (GL)
  • »Erde singe, dass es klinge« (GL)
  • »Alle meine Quellen entspringen in dir« (GL)

Schlussbemerkung

Jede wirklich gute Geschichte ist hintergründig und hält Impulse und Überraschungen bereit. Sie bietet sich für unterschiedliche Altersgruppen und Anlässe an. Sie kann zum Einstieg genutzt werden oder den Hauptinhaltsteil transportieren. Sie ist kompatibel mit biblischen Texten, die ebenfalls diese Eigenschaften haben. Sie ist eindimensional, kann dadurch in alle Zeit übersetzt werden und mit ausschweifenden Ausschmückungen sparsam, denn es sind die inneren Bilder der Zuhörenden, die sie anregen will. Sie erreicht viele Menschen und erzeugt Berührung, ohne rührselig zu sein. Es lohnt sich, solche Geschichten auswendig (inwendig!) zu lernen und gut vorzutragen. Das Material zur Gestaltung kann zu vielen Anlässen immer wieder verwendet werden, eine vernünftige Investition. Ich habe die Geschichte schon bei Elternabenden in der KiTa, bei Firmfreizeiten, Familienwochenenden und im Seniorenkreis eingesetzt und aufmerksame, begeisterte Beteiligung erlebt!

Weitere Geschichten, mit denen ich beste Erfahrungen gemacht habe und die ähnlich zu nutzen sind:

»Die Legende vom vierten König« (Weihnachten bis Ostern)

»Schuster Martin« (St. Martin bis Weihnachten)

»Die vier Lichter des Hirten Simon« (Advent, Weihnachten)

Regina Groot Bramel

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