Bewegter Gottesdienst 2 – Wo wohnt Gott? Von der Kirche in die Natur und zurück

Beschreibung

Es gibt an jedem Wohnort schöne Routen, die man zu diesem bewegten Gottesdienst wählen kann. In der Großstadt wird man entscheiden müssen, wie man den Weg ins Grüne gestalten will, ob Fahrgemeinschaften gebildet werden sollen oder ein gemeinschaftliches Verkehrsmittel sich anbietet. Auch eine Fahrt mit der U-Bahn oder dem Zug zum Stadtrand kann für die Kinder zu einem interessanten Abschnitt des Tages werden. Wenig geeignet sind stark frequentierte Naherholungsgebiete mit öffentlichen Spielplätzen, auf denen sich die Gruppe nicht gut zusammenhalten lässt. In ländlichen Gebieten ist es einfacher, eine kleine Wanderung mit einem attraktiven Ziel zu planen.

Naturerlebnisse außerhalb vorgefertigter »Reservate« sind heutigen Kindern oft nur in Urlaubszeiten vergönnt. Zumeist ist hier das Einfache am wirkungsvollsten und besten: Streifen durch Sträucher, Verstecken in Hecken, Spritzen in Pfützen, Feiern am Feuer, … Wichtig ist ein gewähltes Motto oder verbindende Aktivität, z.B. das Bewältigen eines kleinen Hindernisparcours (über Wurzeln, durch den Bach, auf den Baum,…); das Errichten eines gemeinsamen Werkes aus Naturmaterialien (Waldsofa, Brücke, Staudamm, Bauernhof mit Tannenzapfen-Tieren,…) oder das Auffinden bestimmter Pflanzen und Gegenstände. Auch die »alten« Spiele, in denen sich zwei Mannschaften gegenüberstehen und die Seiten wechseln, sind für junge Kinder neu und interessant! (Fischer, Fischer wie tief ist das Wasser?, Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?,…)

Das Bilden von kleinen Gruppen während der Aktivitäten und das Versammeln der Gesamtgruppe wechseln sich ab. Start und Ziel ist die Kirche. Dort treffen sich Menschen, um Gott zu begegnen, dorthin bringen sie, was ihnen unterwegs in der Welt begegnet ist.

Das Gottesdienst-Team sollte bei der Planung neben den üblichen organisatorischen Fragen berücksichtigen:

  1. Welches katechetische Ziel soll angestrebt werden?
  2. Welches Erlebnis in der Natur ist geeignet, der Glaubensaussage Farbe zu geben?
  3. Wie kann eine Verbindung ohne fromme Sprachhülsen einfach und echt hergestellt werden?

Die geplante Aktivität soll in Verbindung mit einer kindgerechten, bedeutsamen biblischen Geschichte stehen. Dabei soll natürlich und ungezwungen durch die Handlung eine Verbindung zum Gehörten entstehen. Umgekehrt kann es noch besser passen: Ein Bibeltext bildet den deutenden Abschluss einer Aktion.

Beispiele: »Die Welt ist Gottes Schöpfung«; »Stöbern im Garten Eden«; »Mit Lehm formen«; »Wasser ist Leben«; »Auf Sand und auf Fels bauen«; »Einen Weg durchs Schilf finden«; »Auf dem Berg beten« usw.

Pädagogische und religiöse Inhalte werden sich gut ergänzen. Einfache Sätze, die auch den Eltern dabei helfen zu lernen, wie man mit Kindern erweiterungsfähig über den Glauben spricht, sind wichtig! In biblischen Geschichten geht es immer um das einfühlende Interpretieren einer zeitlosen Wahrheit, um das emotionale Einsteigen in die bildhafte Erzählung. Wir müssen keine Exkursion in einen Unterwasser-Zoo wie »Sealife« machen, um die Geschichte von Jona zu verlebendigen! Mit einfachen Mitteln kann das Gefühl des Untergangs, der Verschlingung und Dunkelheit anschaulich und auf persönliche Lebenssituationen übertragbar dargestellt werden und die Eltern werden ebenfalls profitieren! Wir erleben häufig, dass Erwachsene biblischen Texten auf der Ebene des »Es war einmal« begegnen und die Übertragung der Kernaussage ins Hier und Jetzt nicht gelingt.

Unsere Worte sind wichtig! Es lohnt sich, sie sorgfältig zu wählen.

Textbeispiele »Lehm«

Bibelstelle: Gen 2,7

Ausflugsort: Wald, Wiese mit lehmigem Boden oder Sand und Wasserstelle, alternativ bei Regen: Salzteig, Knete, Sandkiste unter Dach,…

Siehe auch: Baustein Töpfer

Start in der Kirche

Nach angemessener Begrüßungsrunde (s.o.) folgt ein Gang zu einer Darstellung der Welt (Landkarte, Globus, aufblasbarer Riesenball) an exponierter Stelle- z.B. vor dem Altar. Die Kinder erzählen, was ihnen dazu einfällt und was sie schon wissen.

Heute wollen wir mit euch eine der Geschichten hören und erleben, die von allem Lebendigen erzählt, was es auf der Welt gibt. Wissenschaftler können schon viel dazu erklären, wie alles entstanden ist. Darüber gibt es tolle Filme und Bücher.

In der Bibel stehen Gedichte und Geschichten, die Menschen sich schon viel früher erzählt haben, als man noch keine Geräte zu Forschen und Experimentieren hatte, keine Computer zum Berechnen, keine Fotoapparate für superscharfe Bilder. Die Bibelgeschichten sind auch eine besondere Art von Bildern, ErzählBilder, die mit Worten gemalt werden.

Stellt euch vor, Gott sieht die ganze Weltkugel mit all den schönen Ländern und Meeren und er will, dass dort überall Lebewesen sind. Weil er es will, entstehen sie, aus Gottes immer neuen Ideen bilden sich allmählich Pflanzen, Tiere und zuletzt sogar Menschen.

Die Menschen kommen als Letztes, sie sind etwas ganz Besonderes.

Was können Menschen, was Tiere und Pflanzen nicht können? (Antworten sammeln.)

Sie können reden; singen; sich was ausdenken, was vorher noch keiner gedacht hat; sie können andere richtig liebhaben, trotzdem das manchmal schwer ist, trotz Ärger und Streit; sie können verzeihen und sich wieder vertragen und Geschenke basteln und Schwächere beschützen, teilen und zusammenhalten und feiern, dass die Schwarte kracht!

Alle diese Fähigkeiten, so glauben wir, hat Gott den Menschen gegeben. Dadurch sind wir ein bisschen wie er, mit so vielen Einfällen und Möglichkeiten und so unterschiedlich. Damit gehören wir zu ihm wie eine Familie.

In der Bibel gibt es zwei große Geschichten vom Anfang der Welt und vom Anfang der Menschenfamilie. In jeder Geschichte steckt eine wichtige Wahrheit, über die wir nachdenken können. Man kann sie mehr mit dem Gefühl verstehen als mit dem Kopf.

Heute wollen wir eine davon ausprobieren.

Lied oder Gebet:

Lieber Gott, du hast uns das Leben geschenkt und die ganze Welt wie einen riesengroßen Garten. Du gehst unsichtbar in deiner Welt spazieren, du bist gar nicht weit weg hinter den Wolken, du bist da- manchmal können wir spüren, dass du da bist! Die Eltern haben es bestimmt gemerkt, als sie ihre Kinder als Babys das erste Mal im Arm hielten. Die Kinder spüren es, wenn sie getragen, getröstet und geschaukelt werden. Du liegst vielleicht neben uns im Löwenzahn, sitzt auf dem gleichen Ast, auf den wir mit Mühe und Mut geklettert sind. Es ist dein Atem, dein Geist, der uns lebendig macht und uns das zeigt. Danke. Amen.

In der Natur

Später, nach dem Entstehen eines großen Gemeinschaftswerkes aus feuchtem Sand und Naturmaterial, nachdem mit Unterstützung Tiere und »Menschen« dort die Spiellandschaft besiedeln und alles begutachtet wurde, folgt die biblische Erzählung. Die Gruppe der Erwachsenen bildet einen Kreis. Die Kinder finden ihre Plätze im oder um das Kunstwerk.

Eine relative Ruhe ist nötig. Die ausdrückliche Bitte, einige Minuten lang viele Fotos zu machen und die Handys dann auszuschalten und wegzustecken(!), kann dabei nützlich sein!

Ein gutes (nicht kitschiges, nicht wie ein Tatsachenbericht abgefasstes) Bibelbilderbuch, das schon aus der Kirche mitgenommen wurde und Wiedererkennungswert hat, kann vermitteln, dass es sich bei der kleinen folgenden Erzählung nicht um ein spontan ausgedachtes schönes Märchen der GL handelt. Nicht sie hat die Geschichte erdacht, sie erzählt sie nur in eigenen Worten (oder mit einem religionspädagogisch durchdachten Text).

Weniger ist hier oft mehr!

Gebet zum Schluss:

Lieber Gott, du bist in allem, was lebt und sich bewegt, atmet, wächst und gedeiht. Alles kommt von dir, du hast alles geschaffen. Und danach bist du nicht weggegangen an einen anderen Ort- du willst für immer bleiben! Wir nennen die Welt deine Schöpfung, weil sie von dir kommt, mit dir angefangen hat und immer wieder neu anfängt, weil du da bist.

Wir Menschen sind deine Helferinnen und Helfer bei der Schöpfung, die noch nicht zu Ende ist. Jedes neue Kind, jeder Mensch ist eine Schöpfungsgeschichte im Kleinen. So hast du es gewollt. Die Eltern sind die Mit-Schöpfer und geben dem Kind Leben. Sie formen es, wenn sie es liebevoll erziehen. So wünschst du es dir.

Wir danken dir, dass du überall wohnst, wo wir sind, überall auf der Welt und überall im All. Alles Schöne und Gute ist von dir, Gott. Hilf uns, daran zu denken, es nicht kaputt zu machen, auch keinen Käfer, auch keinen Regenwurm, auch keinen Ameisenhaufen, … (Antworten sammeln) .

Große Leute können noch viel mehr als Kinder schaffen und leider auch noch viel mehr zerstören.

Hilf, dass wir so gut es geht auf deine Schöpfung aufpassen. Amen.

Es folgt ein Picknick und dabei die Gelegenheit zum Austausch unter den Erwachsenen.

Ob es gelingt, gemeinsam in die Kirche zurückzugehen und dort einen Abschluss zu gestalten, hängt von den Gegebenheiten und dem zeitlich gesteckten Rahmen ab. Es kann schön sein, einige besondere Funde aus der Natur mitzunehmen und ihnen bei der Weltkugel im Kirchenraum einen Platz zu geben. In einem darauffolgenden Gottesdienst kann der Gemeinde kurz darüber berichtet werden, womit man sich beschäftigt hat. Auch ein paar Bilder an einer Pinnwand im Eingangsbereich sind schön und haben integrierende Wirkung.

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