Synodaler WegDer nächste Brief

Was ist eine synodale Kirche? Der Streit eskaliert – gefragt ist Klarheit.

Wieder einmal haben Bischöfe, die in Deutschland Minderheitenpositionen vertreten, einen Brief nach Rom geschrieben und Fragen gestellt, wie sie sich verhalten sollen: „Müssen wir?“ und „Dürfen wir?“ Wieder einmal war die vatikanische Post schnell und hat dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz (der von den Fragen nichts wusste) Vorschriften gemacht, diesmal „in forma specifica“, mit päpstlichem Placet. Wieder einmal ist die Auskunft voreilig; sie trifft nicht den Punkt; sie stiftet Verwirrung.

Es geht um den Synodalen Weg in Deutschland. Konkret geht es um den Beschluss, einen Synodalen Ausschuss zu bilden, der einen Synodalen Rat vorbereiten soll. Das Ziel ist es, Synodalität auf Dauer zu stellen: gemeinsames Beraten und Entscheiden über Zukunftsfragen der Kirche – auf der Bundesebene, in den Diözesen und den Pfarreien.

„Müssen“ Bischöfe teilnehmen und synodale Initiativen ergreifen? Die Mitgliedschaft im Ausschuss und perspektivisch im Rat ist keine Pflicht, sondern ein Recht. Die zahlreichen Gremien, die es in Deutschland gibt, zu verschlanken und eher weniger zu haben, die aber mehr zu sagen haben, sollte angesichts der desaströsen Kirchenentwicklung ein Gebot der Stunde sein. Viele Bistümer haben längst begonnen, Reformprozesse einzuleiten. Es gilt zum einen, systemisch Prävention gegen Machtmissbrauch aufzubauen; deshalb: mehr Transparenz und Kontrolle. Es gilt zum anderen, die Rechte der Gläubigen zu stärken, deshalb: mehr Partizipation.

„Dürfen“ Bischöfe an Synoden teilnehmen, bei denen sie nicht nur unter ihresgleichen sind? Dürfen sie erklären, ihre Führungsaufgabe dadurch wahrzunehmen, dass sie synodale Ordnungen erlassen, an die sie sich selbstverständlich dann auch halten?

Der Brief aus Rom setzt eine Grenze. Aber was er ausschließt, ist in Frankfurt gar nicht beschlossen worden. Weder wird die Bischofskonferenz aufgelöst noch de facto einer kirchlichen Oberbehörde namens Synodaler Rat unterstellt. Ebenso wenig wird der Bischof zu einer Art Geschäftsführer des Diözesanrates. Vielmehr hat sich die Bischofskonferenz mit sehr großer Mehrheit dafür entschieden, die guten Erfahrungen, die auf dem Synodalen Weg gesammelt worden sind, zu nutzen, um künftig wichtige Beschlüsse nicht mehr einsam, sondern gemeinsam zu fällen – nie gegen sie, aber immer auf breiter Basis. Viele Bischöfe haben längst erkannt, dass sie um die Mitarbeit kompetenter „Laien“ werben müssen, damit die Kirche nicht weiter abdriftet, sondern neuen Schwung erfährt.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hat in wünschenswerter Klarheit festgehalten, dass es mit dem Synodalen Rat weitergeht: so wie er tatsächlich beschlossen worden ist. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat erklärt, weiter mitzuarbeiten: wenn die Strukturen stimmen. Das ist eine gute Nachricht für die katholische Kirche weltweit.

Es stellen sich viele ernste Fragen: Wo bleibt die Solidarität in der Bischofskonferenz? Wie ernst nimmt der Vatikan die Weltsynode? Wie lässt sich die Diskussion über Synodalität sachlich, respektvoll, engagiert führen, ohne Unterstellungen und Nacht-und-Nebel-Aktionen? Papst Franziskus hat das Stichwort „synodale Kirche“ aufgebracht. Er selbst ist nicht auf ein bestimmtes Modell festgelegt. Das ist kein Nachteil. Desto wichtiger ist es, Freiräume vor Ort zu schaffen und sich an den besten Beispielen zu orientieren.

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