Die These der zweiten Scholastik über den Ursprung der politischen Gewalt und die Position Vitorias

Zusammenfassung / Summary

According to Vitoria’s formal assertion, the political community does not transfer its original power to the ruler in charge; on the contrary, the community “non potestatem, sed propriam authoritatem in regem transfert” (De potestate civili 8). Therefore, the respublica legitimizes the government through a positive, constitutional, consensual authorization, so that the community neither “transfers” nor “cedes” its power as such, but only authorizes or determines the entitled person. However, the critics of Vitoria’s statement do not agree about its interpretation. Some of them defend the originality of the thesis, while others deny this originality and attribute “the theory of translatio” also to Vitoria; or explain the meaning of De potestate civili 8 by means of historical, non-essential controversies. The aim of this article is to elucidate Vitoria’s position regarding the immediate origin of political power.

Bei Vitoria findet sich die formelle Behauptung, die Gemeinschaft übertrage ihre Gewalt nicht dem Herrscher, sondern „non potestatem, sed propriam authoritatem in regem transfert“ (De potestate civili 8). Demzufolge ist es die Gemeinschaft, die den Weg zur Regierung durch eine positive, verfassungsrechtliche, zustimmende Berechtigung legitimiert, indem sie die Macht als solche weder „überträgt“ noch „übergibt“ sondern nur einen Träger ermächtigt oder bestimmt. Die Kritiker des Werkes Vitorias stimmen jedoch nicht in der Auslegung dieser vitorianischen Stellungnahme überein: Einige unter ihnen verteidigen ihre Originalität, indes leugnen andere sie und schreiben entweder Vitoria die Übertragungstheorie zu oder sie erklären letztendlich ihren Sinn anhand eines historischen und nicht wesentlichen Disputs. Hauptziel der vorliegenden Untersuchung ist die Aufhellung der Stellungnahme Vitorias in Bezug auf den unmittelbaren Ursprung der Staatsgewalt.

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