Der Monatsspruch im Juli 2023

Jesus Christus spricht: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet.

Matthäus 5,44–45

Kinder eures Vaters im Himmel, ja, Kinder lieben ihre Eltern. Sie lieben sie sogar, wenn sie vernachlässigt, geschlagen oder missbraucht werden. Kinder hoffen immer und tun alles für ihre Eltern.
Manche Frauen kehren immer wieder zu ihrem gewalttätigen Partner zurück oder öffnen mit neuer Hoffnung die Wohnungstür. Jeden 3. Tag im Jahr stirbt in Deutschland eine Frau durch ihren (Ex-) Partner und täglich ist mindestens das Leben einer Frau von Gewalt bedroht.
Männer und Frauen im Iran gehen für „Frau Leben Freiheit“ auf die Straße und werden gefoltert und ermordet.
Menschen im Krieg erfahren, dass ihr Leben, ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage und die ganze Infrastruktur sinnlos durch Raketen und Bomben zerstört werden.

Das Konzept Liebe gegen Hass und Gewalt scheint nicht zu funktionieren. Es als Lebenshaltung zu fordern, wirkt nicht nur naiv sondern unverschämt. Pazifisten und Pazifistinnen sind mit dem Vorwurf konfrontiert, das Leid der Menschen nicht genügend zu achten. Wo sie Dialog fordern, werden Waffen für wirksamer gehalten.

Doch der, der Liebe fordert, weiß wovon er spricht. Jesus wurde selbst ermordet. Er setzt auf Liebe, auf Gebet, auf Für-Sprache. Trotzdem. „… trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, lautet das Buch von Viktor Frankl, der darin seine Erfahrung als Überlebender des Konzentrationslagers nicht nur schildert, sondern auch analysiert. Es ist eines der Bücher, die mich grundlegend geprägt haben. Er schildert darin, wie ein Mensch in jeder Situation die Entscheidungsmöglichkeit hat, sich für oder gegen die eigene Würde zu entscheiden. So etwas kann nur jemand sagen, der betroffen ist. Ich, deren Leben nicht unmittelbar bedroht ist, kann es nicht anderen vorschreiben. Aber ich nehme es für mich selbst ernst. Zum Beispiel, wenn Menschen meinen, mich aufgrund meiner Liebe zu meiner Lebensgefährtin verachten zu dürfen. Ich kann darauf mit Hass und Wut reagieren. Dann lasse ich zu, dass eine Lebenshaltung zu meiner wird, die ich ablehne. Oder ich versuche der Gewalt mit Geduld entgegenzutreten, mit Gesprächsangeboten oder mit Gleichmut. Damit ist Hass und Gewalt nicht aus der Welt, aber nicht in mir.

Liebe heilt nicht, Liebe macht nicht ungeschehen. Liebe hat keine physische Chance gegen Panzer und Messer. Doch wer liebt, behält die eigene Würde. Wer liebt, macht sich Hass nicht zu eigen. Wut und Gewalt bleiben im Gegenüber, auch wenn es vielleicht das Leben kostet.

Für alle die lieben, hat Jesus eine Verheißung bereit: „… damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet.“ Kind sein bedeutet angewiesen zu sein. Es bedeutet, nicht alles selbst in der Hand zu haben und sein Leben souverän zu bestimmen. Wer liebt, liefert sich aus. Wer liebt, traut sich, sich hinzugeben. Das macht Angst, vor allem denjenigen, die versuchen, mit Gewalt und Hass sich zu nehmen, was ihnen vermeintlich zusteht. Sie merken nicht, dass sie so verlieren, was sie gerne besitzen wollen. Panzer, Bomben, Raketen töten nicht nur Menschen, sie zerstören Land, Infrastrukturen, menschliche Beziehungen und Zukunft. Es gibt nach einem Krieg keinen Sieger. Gewalt zwischen Liebenden vernichtet die Liebe. Es gibt danach nur selten eine Perspektive für die Beziehung. Regierungen, die ihre Bürger und Bürgerinnen mit Gewalt zur Loyalität zwingen, haben das Vertrauen schon verloren. Gewalt und Hass haben nur eine kurzfristige Perspektive.

Kinder Gottes im Himmel sind die, die lieben können. Das ist uns nicht geschenkt. Das ist eine Haltung, für die wir uns entscheiden müssen, die wir üben müssen. Eine Haltung, die Mut und Vertrauen verlangt. Zuversicht in das Leben und in Gott, die Lebendige, die uns liebt, trägt und hält, selbst wenn wir sterben.

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