Der Monatsspruch im April 2021

Singen von dem, was/der trägt
Jeden Abend um 18 Uhr standen sie auf den Balkonen und sangen „Bella ciao“. Das Lied der italienischen Partisanen aus dem Zweiten Weltkrieg sollte nun Trost schenken gegen den unsichtbaren Feind. Vor einem Jahr machte von Italien aus dieses Ritual die Runde durch Europa: Das gemeinsame Singen und Musizieren verband, stärkte gegen die unbekannte Krankheit, das jähe Leiden und das Regiment des Todes.
Mit „Zusammenstehen“ veröffentlichte der Musiker Sebel ein Lied, das schnell zum YouTube-Hit wurde. Er verband damit den Aufruf, seinen Song selbst einzusingen, damit die Botschaft sich verbreite. In der Krise entstanden mit viel Kreativität gesungene Durchhalteparolen für eine Zeit danach. „Glaubt mir, es gibt ein Hinterher.“ So Philipp Dittberner (Bleib für andere zu Hause). Unterschiedliche Musikstile und Musikergenerationen, (un-)bekannte Künstler, z. B. Die Ärzte (Ein Lied für Jetzt), Sarah Connor (Sind wir bereit?), Silbermond (Machen wir das Beste draus), Max Giesinger (Nie stärker als jetzt: Lass die Ängste besiegen), Wolfgang Niedecken, Höhner mit Freunden (Zeit für Menschlichkeit) waren verbunden durch ihr Anliegen, Verständnis zu wecken, Angst anzugehen, Trost zu schenken. Radiosender und Spotify stellten Corona-Sound-Listen zusammen mit bekannten Liedern, die sich schon in anderen Krisen als Tröster bewährt hatten.

Bekannte Lieder aufzunehmen, eventuell ihre Texte an die aktuelle Situation anzupassen, damit die Botschaft gehört und behalten wird, zu Herzen geht, das ist eine bewährte Weise. So bekommt auch die erste Generation der Christinnen und Christen in Kolossä und Umgebung in ihrer Krise einen Brief, in dem ein ihnen vertrautes Lied zitiert wird.
Epaphras, ein von dort stammender Mitarbeiter des Paulus, hatte die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi in ihre Häuser gebracht. Männer und Frauen, Herren und Sklaven teilten den neuen Glauben und ihr Leben. Ihr Miteinander war geprägt von Glaube, Liebe, Hoffnung. Sie waren vereint in der Überzeugung, dass Jesus Christus ihr gemeinsamer Herr ist und dass sie immer mehr verstehen müssen, was sein Wille ist, um dementsprechend ihren Alltag zu leben. Wer die ersten Zeilen des Briefes liest, spürt: In den Gemeinden dieser Gegend gab es viel Anlass zur Dankbarkeit!
Doch ist es nicht immer leicht, den christlichen Glauben in all seinen Konsequenzen zu verstehen, in der Nachfolge seiner Liebe zu leben und sich von der Hoffnung auf die Auferstehung leiten zu lassen. Die Gemeinden gerieten in eine Krise. Deshalb bekommen sie Post, damit sie verstehen, woran sie sich halten können, um durchzuhalten.
Die Verfasser kennen die Situation vor Ort mit ihren aktuellen Herausforderungen und ersten Traditionen. Und sie kennen die Schriften, auf die sich auch der christliche Glaube gründet. Auf dieser Basis wollen sie ihnen die Bedeutung Jesu Christi vor Augen malen, dass sie die entscheidende Macht und Kraft der Auferstehung gegenüber allen anderen Mächten und Kräften begreifen!

Was liegt da näher, als sie an ein Lied zu erinnern, dessen Zeilen aufzunehmen und mit einigen weiteren Worten zu erläutern. „Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“ (Kol 1,15) So beginnt dieser Hymnus.
Dieses Lied führt noch vor die Osterereignisse zurück, denn von der Auferstehung aus betrachtet werden die Gedanken der Weisheit über die Schöpfung auf Jesus Christus gedeutet. In wenigen Begriffen ist da die Schöpfungsgeschichte aufgeblättert. In anderen Worten: Wenn ihr nach Gott sucht und ihn sehen wollt, schaut auf Jesus Christus. Er ist sein einmaliges Ebenbild und der, der von Anfang an eine einzigartige Beziehung zum Schöpfer hat. Voller Anspielungen auf die Vorstellungswelten ihrer Zeit ist der Christus-Hymnus ein Lied über den, der durch sein Leiden und seinen Tod dem Leiden und dem Tod die Macht genommen hat.

Leider können wir nicht einstimmen, weil Text und Melodie heute unbekannt sind. Aber die Herausforderung des Hymnus bleibt: Welche Lieder schenken heute Trost und Hoffnung?
Auf welche Weise wird der Sieg über Leiden, Sterben und Tod zu Gehör gebracht?
Wie wollen wir die Hoffnung auf die Auferstehung den Menschen unserer Zeit mit Worten vor Augen malen?
Welche Osterlieder werden in diesen Wochen des Aprils 2021 in den Ohren und Herzen weiterklingen?

Pastoralblätter-Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen Pastoralblätter-Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.