Der Monatsspruch im Juli 2020

"Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir." Eine Andacht zum Monatsspruch im Juli.

Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
1. Könige 19, Vers 7

Er ist am Ende seiner Kräfte angelangt. All seine Mühe hat Manuel in das Projekt gesteckt. Nicht immer haben seine Kollegen ihn dabei unterstützt und mitgezogen. Er musste sie motivieren, ihnen gut zureden, ja auch drohen: Die Zeit drängt, der Auftraggeber klopft ungeduldig an die Tür, die Kosten steigen in die Höhe. Jetzt heißt es, sich noch einmal zusammenzureißen, das Letzte zu geben. Doch nun kann er nicht mehr. Nein, von Burn-out würde er nicht reden. Es fehlt einfach die Power. Der 44-Jährige bricht zusammen: „Wie soll es weitergehen?“, fragt er mich bei einem persönlichen Gespräch.
Auch Elia ist nach 40 Tagen an seinem Ziel angelangt. Der Berg Horeb liegt vor ihm. Der Prophet ist müde und kraftlos. Er hat mit den Baals-Priestern einen blutigen Kampf geführt. Seine Todfeindin, Königin Isebel, trachtet ihm nach dem Leben. In einer Höhle am Gottesberg bricht er zusammen, und es bricht aus ihm heraus, all seine Sorge, sein Leid, sein Schmerz: „Alle haben mich verlassen. Meine Feinde sind hinter mir her. Ich bin ihnen schutzlos ausgeliefert. Es ist genug. Am liebsten würde ich sterben.“ Dass er gerade unter einem Wacholder die nötige Ruhe findet, besitzt tiefe Symbolkraft.
Schon seit dem Altertum wurde das Zypressengewächs als Würz- und Heilpflanze benutzt. Mit Wacholderräucherungen wollte man im Mittelalter Krankheiten, Hexen und Dämonen vertreiben. Wacholderextrakte kommen auch heute noch zur Kur von Magenbeschwerden zum Einsatz. Dass Elia gerade unter dieser Pflanze einschläft und ins Träumen kommt, zeigt noch einmal, wonach er sich im tiefsten Herzen sehnt: nach Schutz, Stärkung und Heil. Er ist an einem Tiefpunkt angekommen. Er zweifelt an sich selbst und hat nur eine Frage: Wie soll es weitergehen?
„Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!“
Essen hält Leib und Seele zusammen. Elia, der es wahrlich satthat, soll satt werden. Brot des Lebens, Lebensbrot, Nahrung für Leib und Seele, innere Stärkung, Heilung. Für jeden mag diese Art Kraftstoff anders ausschauen. Für Elia, der so lange unterwegs war, ist es bestimmt eine richtige Mahlzeit, die ihm guttut. Für Manuel ist es vielleicht das persönliche Gespräch, das er mit mir führt. Einfach mal rauslassen, was ich schon lange satthabe. Bei anderen wieder kann das die Familie sein, die stärkt und Zusammenhalt schenkt. Oder ein Gottesdienst, ein Abendmahl, die Predigt oder das Lied, das mir unter die Haut geht.
Was ist solches Lebensbrot für mich? Vielleicht sollten wir uns auch einmal in eine Höhle begeben, an einen Ort der Stille und Meditation, um eine Antwort zu finden. Manchmal braucht es auch Engel, himmlische Boten, die einem einen Anstoß geben: Schau doch mal genauer hin, das kann dir helfen und dir neue Kraft schenken. Etwas, das die bedrohlichen Geister vertreibt, die meinen Geist gefangen nehmen. Du musst nicht so sein wie deine „Väter“ oder deine Vorgesetzten oder die inneren Antreiber, die ihre Ansprüche an dich stellen. Bei Gott zählt das nicht. Ganz gleich, wie es dir momentan geht, wenn dir jegliche Power fehlt – er schenkt dir neue Kraft.
Und dann geht er wieder los, Elia, weil er noch einen weiten Weg vor sich hat, sein Leben noch nicht zu Ende ist. Aber wohin? Was hat Gott mit ihm vor? Wie sieht sein Plan aus? Und wo spüre ich oder begegne ich Gott?
„Nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen“, heißt es in den folgenden Versen. Kein lauter, fordernder Gott tritt ihm gegenüber, sondern ein stiller und sanfter – kaum wahrnehmbar, oder doch? Ein stilles, sanftes Sausen, eine „Stimme verschwebenden Schweigens“, so übersetzt es der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber. Was für ein kraftvolles Bild.
Die Stille als heilsame Erfahrung – auch nach dem Gespräch mit Manuel haben wir zuerst einmal geschwiegen. Und dann gebetet. Unsere Gedanken vor Gott gebracht. Schließlich weitergeplant, in die Zukunft geblickt. Ich denke, wir sollten das öfter tun: vor wichtigen Übergängen innehalten, sich die Zeit der Stille und des Nachdenkens gönnen, vor wichtigen Gesprächen und Begegnungen, vor Entscheidungen, die anstehen. Ich wünsche Ihnen und mir den Mut und die Kraft für solche stillen Momente – um Gottes „Stimme verschwebenden Schweigens“ wahrzunehmen.

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