Die Tür der Konfirmation" – Konfirmationspredigt

Eine Türe ist „eine bewegliche flächige Verschlussvorrichtung einer den Zutritt ermöglichenden Öffnung in der Wand“. Das ist eine sehr exakte Definition von „Türe“ - und sagt so wenig, was eigentlich eine Türe ist. Immerhin erfahren wir, dass es ums Schließen und Öffnen geht. Je nachdem, ob wir den Zutritt oder den Ausschluss anderer betonen, wird die Türe anders aussehen. Der Charakter einer Tür sagt viel darüber aus, was sich hinter ihr befindet. Ob wir vor einer Panzertüre stehen oder vor dem Kirchenportal einer alten Kirche, ist ein entscheidender Unterschied. Während die Panzertüre klar signalisiert: Da kommst du nicht hinein, lädt das Kirchenportal mit seinen Steinfiguren und Ornamenten besonders ein, hereinzukommen. Die Schönheit des Portals ist nur der Vorgeschmack der inneren Schönheit.

Mit der begrifflichen, erklärenden Rede, also dem Logos, ist eine Türe nur eine „Wandöffnung“. Nehmen wir „Türe“ aber als erzählende, symbolische Rede, als Mythos, dann ist etwas viel Tieferes gemeint. Etwa beim Knusperhäuschen und dem Ofen bei „Hänsel und Gretel“ oder die Türe bei den „Sieben Geißlein“. Wehe, wenn sie aufgemacht wird! Aber auch in modernen Märchen wie Michael Endes „Unendliche Geschichte“ spielen Türen eine große Rolle. Im Kapitel „Die drei magischen Tore“ wird beschrieben, was man erfüllen muss, damit sie einen einlassen.

Die biblischen Geschichten sind ebenfalls voll solcher Tore: angefangen beim Paradiestor, das von einem Engel bewacht wird, über die Türe der Arche; ihre Öffnung bedeutet den Neuanfang der Menschheit. Und dann hin bis zu Petrus, der beim Tor stand - also zwischen Vergangenheit und Zukunft - und in seiner Unentschlossenheit seinen Herrn drei Mal verleugnete. Schließlich bildet die schwere Steintür vor dem Grab Jesu den Höhepunkt aller Öffnungen. Das Neue, das damals spürbar wurde, ist in die Welt hineingedrungen.

Am heutigen Sonntag der Konfirmation sind wir es, die euch nachschauen. Ihr geht heute durch die symbolische Tür der Konfirmation. Ihr seid keine Kinder mehr. In der Kirche geltet ihr von nun an als Erwachsene. Noch wissen wir nicht, wohin der Weg euch führt, aber wir schauen euch hoffnungsvoll nach. Wir hoffen nämlich, dass es euch besser gelingen möge als je einer Generation zuvor, Frieden und Menschlichkeit in diese Welt hineinwirken zu lassen.

Unsere Tür hier ist nun nicht irgendeine. Sie trägt einen Namen. Es sind die fünf Buchstaben „Jesus“. Ohne ihn wären wir und wäret ihr nicht hier. Wenn wir dennoch versammelt sind, so darum, weil wir in dem, was er sagte, immer noch so viel Gültiges und Wahres finden.

Dieser Jesus sagt von sich: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet“ (Joh. 10,9). Logisch ist das natürlich nicht zu verstehen, mythisch dagegen ist das Bild hervorragend gewählt. Denn Jesus verkündet eine andere Welt und ein anderes Leben. Er ist also wie ein Portal, das offensteht. Es lädt zum Eintreten ein. Wer hindurchgeht, sieht, spürt, merkt, versteht, erahnt etwas Neues. Jesus nennt es „Reich Gottes“. Dieses fasziniert seit 2000 Jahren Menschen aller Erdteile, aller Hautfarben, jeden Alters, unabhängig von ihrer Herkunft.

Ist es aber nun nicht doch eine Überheblichkeit, wenn da einer kommt und behauptet: er sei die Tür, und wer sie passiere, werde gerettet? Diese Frage muss gestellt werden. Denn es gilt, die Geister zu unterscheiden. Nicht jede offene Tür eröffnet etwas Gutes. Da gibt es Scheintüren, die gar nicht offen sind. Es gibt Falltüren, die uns in den Abgrund fallen lassen. Es gibt Einwegtüren: Wer drinnen ist, kommt nicht mehr heraus. Es gibt Fata Morgana-Türen, die verschwinden, wenn wir eintreten möchten.

Was für eine Tür ist nun Jesus? Sie ist ein Angebot. Sie ist ganz eng mit ihm verknüpft. Er bietet keine Dinge, die er nicht kennt. Er verkündet nur das, was er selber durchgemacht hat. Durch ihn dringen die Angebote des Reiches Gottes hinein in diese unsere Welt, eben wie durch eine Tür. Durch ihn wissen wir genauer, wie Gott es mit uns meint; was Gott mit uns vorhat. Durch ihn kennen wir Gott besser. Wenn wir all das zusammennehmen, was er uns von Gott erzählt hat, dann ist es, als seien wir vom kleinen Vorzimmer ins größere Hauptzimmer getreten. Natürlich fällt euch das jetzt nicht so auf. Wenn ihr euch aber einmal vorstellt, ihr wüsstet tatsächlich keine biblische Geschichte, kein Bild, keine Kirche, keine Lieder und Gebete - einfach gar nichts -, dann wird euch bestimmt bewusst, wie viel ihr trotz allem dennoch wisst.

Achten wir auf das, was Jesus verkündet hat. Beachten wir seine Leitsätze, dann sind wir bereits durch ihn hindurch. Dann haben wir seine Türe bereits passiert und sind auf der anderen Seite. Denn wir erahnen jetzt eine Welt, wie sie von Gott gewollt ist, eine Welt, wie sie sein müsste.

Jesus bezeichnet sich als Türe. Man könnte auch sagen: Er ist das Hauptportal, wir aber sind die vielen kleinen und größeren Nebentüren. Denn auch durch uns kann die Nachricht von einer neuen Welt an andere Menschen weitergegeben werden. In dem, was wir tun für diese Welt, und indem wir von dieser neuen Welt erzählen, sind wir Tore und Türchen für andere Menschen.

Das wäre es dann, was wir euch von heute mitgeben wollen. Seid Türen für die gute Botschaft von Gottes Reich. Und vergesst nicht das Portal „Jesus“; durch dieses hindurch dürfen wir immer gehen. - Und die Älteren unter uns wissen, dass es auf der anderen Seite wieder Neues zu erfahren gibt.

Anmerkung: Beim Chor steht ein blumengeschmückter Bogen. Nach dem Konfirmationsakt gehen die Konfirmierten einzeln hindurch und werden auf der anderen Seite von den im Vorjahr Konfirmierten mit einer Rose empfangen.

Gebet:
Türen und Tore stehen uns offen, Herr, aber was dahinter kommt, ist oft eine herbe Enttäuschung. Gelockt und verlockt sind wir plötzlich irgendwo, wo wir nicht sein möchten. Deshalb vertrauen wir dir, der du selbst die Türe bist und mit uns kommst.
Türen und Tore sind uns verschlossen, weil wir nicht hineinpassen, wir anderen unpassend erscheinen. Ausgeschlossen stehen wir davor. Darum vertrauen wir dir, der du uns öffnest, wenn wir anklopfen. Und wir kommen in deine Gemeinschaft, die sich Kirche nennt.

Liedvorschlag: 209 (Ich möcht', dass einer mit mir geht)

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