Der Monatsspruch im Juli 2011

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Matthäus 6,21

Sommerzeit ist Körperzeit. In meinem Körper ist mein Herz. Dort schlägt es, lässt mein Blut pulsieren. Dort kann ich es spüren. Ich trage es mit mir herum, jeden Tag, vom Anfang bis zum Ende. Eigentlich kann ich es nicht rausnehmen, amputieren und woanders verorten, wohin und woran hängen. Da müsste ich meinen ganzen Körper, ja mich, meine Seele mitnehmen.
Ich bin mein Herz. Wo mein Herz ist, bin ich. Wo ich bin, ist mein Leben. Mich fragt der Monatsspruch also: Wo lebe ich? Was ist mein Lebensmittelpunkt, mein Lebenselixier? Für was und wen schlägt mein Herz? Wo gehört mein Herz hin? Woran hänge ich es? Er macht mir auch ein kleines schlechtes Gewissen: Hänge ich mich, mein Herz wirklich an das Richtige? Oder genau an das Falsche? Höre ich ihn nicht sagen: Nicht daran, bloß nicht!! Weiß der Monatsspruch nicht, wie schwer das ist? Und was ist, wenn sich mein Herz, ich mich nicht entscheiden kann, beim besten Willen, und mein Herz an zwei Orten schlägt, wie doppelt schlagen muss, zerrissen ist?

Nochmal anders mit dem Monatsspruch beginnen: Wo ist mein Schatz? Poetisch, bildlich, zu romantisch: Am Ende des Regenbogens, vergraben, dort kann ich ihn finden. Sind Menschen Schatzsucher? Nicht immer, nicht unbedingt im Alltagstrott, aber ab und zu - und generell: Schatzsucher. Das klingt nach Kindergeburtstag, nach Schatztruhe, nach Schatzinsel, Schatzkarte. Menschen auf der Suche, ein bisschen doch Glücksritter ihres Lebens, den Schatz im Leben suchen, vielleicht lebenslang, ihn finden, entdecken in kleinen Dingen, in unglaublichen Augenblicken, in zugefallenen Menschen, bei mir, bei IHM; Schatz öffnen, glänzen sehen, von ihm beleuchtet, beseelt werden. Das kann Gott uns doch nicht verwehren.

Noch mal genauer hinhören auf unseren Monatsspruch: Der „Schatz", von dem er spricht, ist im Griechischen der Ort zum Aufbewahren und ist das Aufbewahrte selbst. Das geht von der Vorratskammer über den Speicher bis hin zur Sparbüchse, vom Vorrat über den Schatz bis hin zum wertvollen Fund. Wo bewahre ich denn alles auf? All das, was mir wert ist, dass ich es aufbewahre? Verfalle ich dem Irrtum, dass in Form von Geldmünzen, Scheinen, virtuellen Zahlen auf Sparkonten, Wertpapieren ich das sammeln, aufbewahren kann, was für mich im Leben wertvoll ist? Das mir Wertvolle sammeln und aufbewahren: die Erinnerungen, Momente, kleinen Dinge, an denen ganz spezielles Leben haftet; ja Worte, Bücher, Bilder, Begegnungsorte; das, was mein Leben ausmacht, von ihm tief erzählt, auch manche Wunden, bittere Worte. Wo bewahre ich das auf? Habe ich die Zeit und Kraft dazu? Im Setzkasten? In einer kleinen Schachtel? In meinem Herzen? Dort wäre mein Herz am richtigen Fleck, merkwürdig. Ein Schatz höherer Ordnung.

Diesen Schatz sammeln, suchen, immer wieder entdecken, ja sich darin aufbewahren; und nicht die anderen „Schätze" suchen, ansammeln, die wir jetzt in Anführungsstrichen setzen, die nur vorgaukeln, sie hätten das Leben an sich, in sich, wir wären sie … Das macht uns zu Schatzsuchern höherer Ordnung, dann entdecken wir, wie diesem Schatz etwas Unvergängliches anhaftet, etwas Seelenhaftes, etwas, was von uns, unserem Leben, von unserer Hoffnung, von unserem Scheitern, von unserem Vertrauen, unserem Träumen, Warten, von unserer Erde und unserem Himmel erzählt, offenbart; dann sind wir schon auf der Suche nach Gott und verorten uns sachte bei ihm. Dann könnte geschehen, was der Monatsspruch still bedrängend fordert: Sei mit deinem Leben, mit deinem Herzen bei Gott, denn bei ihm ist das Leben. Lass dich befreien von allen unnützen „Schätzen".

Dann mögen wir spüren, wie wir selbst leise sagen: Ja, Gott, dein ist mein ganzes Herz, das, was in mir schlägt, mich atmen lässt, ich, mein Leben; dann könnte sich mein Herzschlag, mein Herzflimmern, meine Schatzsuche heilsam alles kurz unterbrechend wie wenden, und ich dürfte spüren, wie Gott selbst mich als seinen Schatz sucht, als das ihm so Wertvolle wie Kostbare: Ich bin einer, wir sind welche, die Gott für so absolut wichtig findet, dass er uns sucht, findet, als seine Schätze glänzend liebevoll anschaut und vorsichtig aufbewahrt. Sein Herz schlägt doch für uns. Und das mitten im Sommer.

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