Pro & ContraKrabbelkinder auf Tour?

Auch die Allerjüngsten profitieren schon von Ausflügen in die nähere Umgebung! Oder sind Kinder, die noch nicht laufen können, in der Kita doch am besten aufgehoben? Zwei Erzieherinnen – zwei Standpunkte.

Krabbelkinder auf Tour
© StockSnap auf Pixabay

Pro:
"Ausflüge sind Teil der frühkindlichen Bildung."

Krabbelkinder nur aufgrund ihres motorischen Entwicklungsstandes von Ausflügen auszuschließen, halte ich für einen fatalen und defizitorientierten Gedanken. Ihre Erfahrungsmöglichkeiten dürfen nicht auf Räumlichkeiten und Außengelände ihrer Kita oder Tagespflege begrenzt werden. Vielmehr sollten auch sie bereits die Chance erhalten, über den Tellerrand zu schauen und dadurch ihren Lebensraum Stück für Stück zu erweitern. Genau das ist Sinn und Zweck von Ausflügen.
Sicher, Kinder, die noch nicht laufen können, werden auf dem Weg zum Park oder Spielplatz im Krippenwagen geschoben. Doch auch für sitzende Kinder gibt es dabei interessante Dinge zu entdecken. Ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ spricht nichts dagegen, unterwegs immer mal wieder anzuhalten, um Interessantes evtl. näher und nicht nur visuell zu erkunden. Am Ausflugsziel können die Jüngsten die Umgebung dann oft krabbelnd erkunden – mit einer vertrauten Fachkraft in ihrer Nähe und einer Decke als sicheren Start- und Landepunkt für die kleinen Erkundungstouren. Solche Erlebnisse unterstützen ihre gesunde Entwicklung und forschende Neugier. Für Menschen jeden Alters gilt: Wissen muss mit echten Erfahrungen verbunden sein, damit es für den Einzelnen inhaltliche Bedeutung gewinnt und auf andere Situationen übertragen werden kann. Das gilt erst recht für junge Kinder! Indem sie sich hautnah mit der Welt, die sie umgibt, auseinandersetzen, sammeln sie Erfahrungen aus erster Hand, die ihr Weltwissen mit der Zeit anschaulich erweitern.

Miriam Werner

Contra:
"Ausflüge machen für Krabbelkinder keinen Sinn!"

Krabbelkinder sitzen bei Ausflügen die meiste Zeit in Boller- oder Krippenwagen. Die damit verbundene Passivität ermöglicht es ihnen nur sehr eingeschränkt, die Umgebung zu erkunden. Egal, wie interessant das angesteuerte Ziel ist und welch spannenden Weg sie bis dahin zurücklegen: Die Allerjüngsten nehmen unter diesen Umständen alles nur visuell wahr. Für gewinnbringende Erfahrungen müssen sich die Mädchen und Jungen die Umwelt aber über alle Sinne erschließen können. Und das können Krabbelkinder nirgendwo besser als im Kita-Außengelände. An Blumen riechen, über die Wiese krabbeln oder planschend das Element Wasser entdecken: Im vertrauten Schutzraum können sich die Mädchen und Jungen frei bewegen und schon allein dadurch wertvollere Erfahrungen machen als auf einem Ausflug. Dies gilt umso mehr, je naturnaher und U3-spezifischer das Außengelände gestaltet ist. In der Einrichtung ist es für pädagogische Fachkräfte außerdem einfacher, den Schlaf- und Wickelbedürfnissen einzelner Kinder gerecht zu werden, als z. B. auf einem Spielplatz. Den eigenen Rhythmus beibehalten zu können, ist für die Jüngsten sicherlich bedeutsamer, als außerhalb der Kita unterwegs zu sein! Doch auch ein Aspekt, der die Bedürfnisse der Fachkräfte betrifft, spricht gegen Ausflüge mit Krabbelkindern. Geht man von einem Krippenwagen mit sechs Sitzen, sechs Kindern sowie etwas Gepäck und Getränken aus, ergibt sich schnell ein Gesamtgewicht von ca. 130 kg, das es zu schieben gilt. Eine enorme körperliche Belastung!

Christiane Wagner

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