Kindheitspädagogik

Wie der Begriff bereits vermuten lässt, grenzt sich die Kindheitspädagogik inhaltlich von derjenigen Pädagogik ab, die sich mit Jugendlichen und Erwachsenen beschäftigt. Die Bezeichnung ging aus einem Diskussionsprozess um eine neu entstandene Berufsgruppe hervor. Die seit 2004 an deutschen Hochschulen neu eingerichteten Bachelor- und Masterstudiengänge für Bildung und Erziehung im Kindesalter hatten stets die mehrheitlich akademische Ausbildung der Frühpädagogik im europäischen Ausland vor Augen. Darüber hinaus sollte auch der Erkenntnis Rechnung getragen werden, dass hier ein lange Zeit verkannter Frauenberuf endlich aufgewertet werden müsse. Hinzu kam das schlechte Abschneiden Deutschlands bei internationalen Vergleichen in Sachen Bildungsprozesse und -ergebnisse. Zu Beginn sahen sich die frühpädagogischen Studiengänge samt und sonders vor die Herausforderung gestellt, die Vorgaben des Bologna-Prozesses umzusetzen und zugleich die Höherqualifikation pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sicherzustellen. Die berufsrechtliche Gleichstellung der Studienabsolvent*innen mit staatlich anerkannten Erzieher*innen musste mit den zuständigen Länderministerien ausgehandelt werden. Somit fasste die Berufsbezeichnung Erzieher*in Fachschul-und Hochschulabsolvent*innen zusammen. Nachvollziehbar blieb jedoch der Anspruch der Hochschulen bestehen, dass ihre Ausbildung auch in eine höhere Bewertung und bessere Bezahlung der Absolvent*innen einmünden sollte. Und so riefen sie als ihre Interessenvertretung die Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit (BAG-BEK) ins Leben, die sich seitdem im Austausch mit der AGJ und den Ministerien um eine treffende und angemessene Berufsbezeichnung für akademisch ausgebildeten Frühpädagog*innen mühte – nicht zuletzt auch mit dem Ziel, eine bessere tarifliche Einstufung dieser neuen Fachkräfte zu bewerkstelligen. Im Frühjahr 2009 empfahl die BAG-BEK dann auf ihrer Tagung die Berufsbezeichnung „Kindheitspädagogen/-innen“ für Absolvent(inne)n der neuen Studiengänge. Dieser Empfehlung an die Hochschulen schloss sich zwei Jahre später dann die Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) der Länder an. Auf diese Weise etablierten sich in Deutschland sowohl die Kindheitspädagogik als Studiengang als auch die Berufsbezeichnung „Kindheitspädagoge/Kindheitspädagogin“.

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