Ukraine

Die Mehrheit der Ukrainer bekennt sich zum christlichen Glauben. In der Religionsstatistik vom 1. Januar 2012 sind insgesamt 36 500 religiöse Organisationen (darunter 35 013 Kultusgemeinden) erfasst, die 55 verschiedenen Kategorien (Konfessionen, Jurisdiktionen) zugeordnet werden. Die tatsächliche Zahl der Religionsgemeinschaften ist jedoch weitaus höher. Von den Gemeinden zählen etwa 92 Prozent zum Christentum.

Die größte Konfession bildet die Orthodoxie, die derzeit in (zumindest) drei größere Jurisdiktionen gespalten ist: Neben der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die eine „selbstverwaltete Kirche mit erweiterter Autonomie“ im Verband des Moskauer Patriarchats bildet (UOK-MP), existieren die Ukrainische Orthodoxe Kirche-Kyjiver/Kiever Patriarchat (UOK-KP) und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche (UAOK). Die beiden letztgenannten, Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts entstandenen, Jurisdiktionen haben aber keine Kirchengemeinschaft mit der Weltorthodoxie.

Die UOK-MP ist hinsichtlich ihrer institutionellen Ausdehnung die größte orthodoxe Kirche der Ukraine und hat vor allem in den östlichen und südlichen Landesteilen eine starke Position inne. Anfang 2012 zählte die UOK-MP 12 340 Gemeinden. Die UOK-KP ist mit 4 482 Gemeinden in institutioneller Hinsicht die zweitstärkste orthodoxe Kirche, die UAOK zählt dagegen nur 1 208 Gemeinden. Die Zahl der Gläubigen, die sich zur Orthodoxie bekennen, betrug nach einer Umfrage des Razumkov-Zentrums aus dem Jahre 2010 68 Prozent der Bevölkerung. Im Vergleich mit den Gemeindezahlen zählten sich aber „nur“ 23 Prozent der Gläubigen zur UOK-MP, während sich 15 Prozent als Anhänger der UOK-KP und 26 Prozent als „bloß orthodox“ deklarierten.

Die größte katholische Kirche in der Ukraine ist die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK), die im katholischen Kirchenverband eine Kirche eigenen Rechts darstellt. Die Griechisch-Katholische Kirche umfasste Anfang 2012 insgesamt 3 700 Gemeinden. Die Zahl der Gemeinden der lateinischen beziehungsweise römisch-katholischen Kirche (RKK) betrug 918. Im Jahre 2010 bekannten sich 7,6 Prozent der Bevölkerung zur UGKK, 0,4 Prozent zur RKK.

Zu den größten protestantischen Gemeinschaften zählen baptistische Kirchen, evangelikale Pfingstkirchen und Adventisten. Ihre Zahl hat seit der Wende stark zugenommen, so dass der Protestantismus mit insgesamt 10 003 Gemeinden etwa 29 Prozent aller Kultusgemeinden ausmacht, obwohl sich 2010 nur 1,9 Prozent der Bevölkerung zum Protestantismus bekannten. Im Zuge des verstärkten Auftretens neuer religiöser Bewegungen ist auch ein deutliches Anwachsen „neochristlicher“ (insbesondere charismatischer) Strömungen zu verzeichnen.

Obwohl die Statistik ein Anwachsen jüdischer Gemeinden nach der Wende verzeichnet (2012 waren es 279), ist der Anteil der jüdischen Bevölkerung (etwa 0,1 Prozent) im Abnehmen begriffen. Die Zahl der muslimischen Gemeinden betrug 1207 (etwa 0,9 Prozent). Seit der Wende ist ein starkes Anwachsen von Jehovas Zeugen (1096 Gemeinden) zu verzeichnen. Die Zahl heidnischer Gruppierungen und östlicher Religionen ist dagegen vergleichsweise gering.

(Stand: September 2012)