Gotteslehre

Der Sache nach und historisch lassen sich philosophische und theologische Gotteslehre unterscheiden. Wenn in diesem Zusammenhang von »natürlicher Gotteserkenntnis« oder »natürlicher Theologie« die Rede ist, sollte nicht übersehen werden, daß es auch in der Sicht der kath. Theologie eine konkret verwirklichte bloße Natur nie gab. Die menschliche Vernunft gilt als von Gottes Gnade zur Gotteserkenntnis befähigt, ist dann allerdings zu wirklicher Erkenntnis fähig. Dies vorausgesetzt, gilt (nach Vorläufern wie Augustinus †430) F. Suárez († 1617) als Begründer einer eigentlichen philosophischen Gotteslehre, die sich mit der Erkenntnis Gottes als des Schöpfers der Welt, als des höchsten Gutes und als des letzten Zieles sowie mit den philosophisch erkennbaren Eigenschaften Gottes befaßt. Auch auf evangelischer Seite wurde die so verstandene philosophische Gotteslehre Teil der Metaphysik (Ch. Wolff † 1754). Die theologische Gotteslehre entstand aus einer jahrhundertelangen Beschäftigung mit Offenbarungszeugnissen. Ihr wissenschaftlicher Ansatz im Sinn einer konsequenten methodischen Durchformung des Stoffes datiert erst seit Thomas von Aquin († 1274). Er beginnt seine Gotteslehre mit der Reflexion über das eine göttliche Wesen und geht dann zur Offenbarung der Lebensdifferenzierung dieses einen göttlichen Wesens in Vater, Sohn und Geist über. Die stark metaphysisch bestimmte Methode sollte nicht übersehen lassen, daß Thomas immer neu bei Gottes Offenbarung ansetzt. Bemerkenswert ist die Bedeutung der Negativen Theologie und der Analogie in seiner Gotteslehre Im 16. Jh. wurde die theologische Gotteslehre in zwei Traktate der Dogmatik, »Vom einen Gott« (Gott) und »Vom dreieinigen Gott« (Trinität) geteilt und so, im Aufbau nahezu unverändert, ins 20. Jh. weitergegeben. Die Besinnung auf das Hören der Offenbarung ließ das Gottesdenken als Ansatz der Gotteslehre zurücktreten und die Gotteslehre zunächst stärker christologisch und dann pneumatologisch geprägt sein. Der Ernst des monotheistischen Glaubensbekenntnisses Israels und Jesu ließ das Profil Gottes des Vaters als des Ursprungs der ganzen Gottheit und als des Schöpfers, Offenbarers und Vollenders deutlicher hervortreten, während die trinitarischen Bekundungen und die Umrisse der Eigenschaften Gottes im Rahmen des Heilsgeschehens zu erörtern seien (es sei denn, man lasse sich, wie H. U. von Balthasar †1988, auf die Schilderung eines innergöttlichen Dramas dreier Subjekte von allem Anfang an ein). Die Erkenntnis Gottes als des unbegreiflichen Geheimnisses markiert das Ende jeder »wissenden« und informierenden Gotteslehre. So ist in der Gegenwart die Gestalt einer eigentlich theologischen Gotteslehre erst noch im Werden begriffen.