Diakonie 1/2022

Heft 1/2022Post-Covid–Pastoral in Zeiten nach der Pandemie

Inhalt
1. Auflage 2022
Bestellnummer: Z060038
Erscheinungstermin PDF: 2022
Bestellnummer PDF: D100686

Mit einem leicht veränderten, neuen Gesicht begrüßt Sie diese erste Ausgabe der Diakonia im Jahr 2022. Auch wenn die Gestaltung der Titelseite künftig ein wenig »frischer« daherkommt, wurden wesentliche Elemente beibehalten: Auch künftig soll eine übersichtliche Covergestaltung einen ersten Einblick in die Beiträge des Heftes bieten. Und die farbliche Gestaltung orientiert sich an der Tradition der Zeitschrift, die seit vielen Jahrzehnten darum bemüht ist, als praktisch-theologische Fachzeitschrift Wissenschaft und Praxis ins Gespräch zu bringen und zugleich die Theologie mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen zu vernetzen, um so zur Weiterentwicklung der pastoralen Praxis beizutragen.

Das Schwerpunktthema dieses Heftes lautet »Post-Covid – Pastoral in Zeiten nach der Pandemie«. Als dieses Heftthema festgelegt wurde, war noch nicht abzusehen, dass Deutschland mit nochmals unerwarteter Heftigkeit von einer vierten bzw. fünften Welle der Pandemie erfasst werden würde. Umso aktueller und relevanter ist das Thema des vorliegenden Heftes. Zwar müssen viele Fragezeichen mit Blick auf die Pastoral in Zeiten nach der Pandemie gesetzt werden. Doch auch wenn niemand den weiteren Pandemieverlauf voraussagen kann, dürfte eines feststehen: Die Jahre der Pandemie haben zu einer weiteren Erosion traditioneller Kirchlichkeit geführt. Parallel dazu sind neue Kommunikations- und Sozialformen von Kirche entstanden. Diese haben im Sinn einer Normativität des Faktischen unser bisheriges Kirchenbild bereits verändert und werden auch künftig dazu beitragen, dass die Kirche – und damit auch ihre pastorale Praxis – anders wahrgenommen wird.

Die Autorinnen und Autoren dieses Heftes reflektieren in den folgenden Beiträgen die Herausforderungen, vor denen die Pastoral der Kirche angesichts der Pandemieerfahrung steht und zeigen Perspektiven auf, wie sich eine Pastoral in Zeiten nach der Pandemie ändern wird.

Ihnen wünsche ich eine inspirierende Lektüre und freue mich, dass die Diakonia auch künftig ein Forum praktisch-theologischer Reflexion und Weitsicht sein wird – und dabei inhaltlich an den wegweisenden Impulsen anknüpft, mit denen das Redaktionsteam rund um die bisherige Schriftleiterin Prof. Dr. theol. Dr. med. Doris Nauer die Diakonia in den zurückliegenden Jahren erfolgreich weiterentwickelt hat.

Über diese Ausgabe

Berichte und Diskussionen

  • Plus S. 69-71

    NachrufEin Nachruf auf Joachim Schmiedl

    Am 10.12.2021 starb völlig unerwartet im Alter von 62 Jahren Prof. Dr. Joachim Schmiedl, der in den vergangenen Jahren der Redaktion der Diakonia angehörte. Einen Nachruf auf den Kirchenhistoriker und Konzilsforscher hat Peter Hünermann verfasst und wenige Tage nach dem Tod von Joachim Schmiedl im Rahmen einer digitalen Trauerfeier der Theologinnen und Theologen, die am Projekt »Vatican II – Legacy and Mandate« mitarbeiten, vorgetragen.

Thema

  • Plus S. 2-10

    Gastlichkeit als pastorale RevitalisierungEin Antwortversuch auf post-covidale Ermüdungsbeschleunigungen

    Die Corona-Pandemie beschleunigte manche pastoralen Verlusterfahrungen und initiierte eine Suche nach neuen, post-covidalen Vitalisierungsansätzen. Vor allem im Bereich der Liturgie entstanden neue und innovative Formen. Dennoch attestieren Studien, dass partizipative Gemeindeformen und sozialpastorale Initiativen noch ausbaufähig sind. Auf dem Weg zu einer post-covidalen Pastoral könnte der alte biblische Archetyp der Gastlichkeit leitend sein, der eine Grundhaltung der Großzügigkeit und eine Öffnung für Diversität in sich birgt.

  • Plus S. 11-18

    Missionarisch. Existenzeill. SpirituellPerspektiven für das Wirken der Kirche nach der Pandemie

    Die Chancen kirchlichen Wirkens nach der Pandemie erkundet der Beitrag unter dem Aspekt der Mission, der Anthropologie und der Spiritualität. Die missionarische Perspektive mit einem existenzanalytischen Zugang soll dazu beitragen, dass die Kirche sich immer weniger selbstzentriert und immer mehr missionarisch für ein gutes Leben einsetzt. Mit der anthropologischen Perspektive wird der Blick im kirchlichen Wirken auf das Wesen Mensch als Ebenbild Gottes gelenkt und dafür plädiert, dass anthropologische Aspekte in der Gestaltung kirchlicher Praxis mitbedacht werden. Mit der spirituellen Perspektive wird dafür plädiert, dass das kirchliche Wirken nach der Pandemie Räume eröffnet, in denen der Mensch in der Erfahrung seiner Liebeswürdigkeit lernt, selbst maßlos und bedingungslos zu lieben.

  • Plus S. 26-33

    Der Wendepunkt der PastoralDie Pastoral nach der Pandemie entscheidet sich in der Krise

    Das pastorale Handeln der Kirche befindet sich in seinen vielfältigen Bereichen von Gemeinde- und Kategorialseelsorge in einer andauernden Krisensituation, die sich über die vergangenen zwei Jahre erstreckte und neben Momenten der Entspannung auch Augenblicke der äußersten Verdichtung von Wendepunkten sowohl gesellschaftlich als auch individuell erlebte. Bei der Frage danach, wie sich die Pastoral nach der Pandemie entwickeln wird, ist die Blickrichtung auf die hinter dem Wendepunkt der Krise liegende Zukunft ebenso entscheidend wie eine Haltung der Hoffnung, die den passiven Optimismus überschreitet und aktiv wie kritisch den Wendepunkt zu gestalten weiß. Formgebend ist dabei eine Neuausrichtung der Pastoral, die jenseits bekannter pastoraltheologischer Handlungsmaximen das In-der-Welt-Sein in der Zuwendung zum Einzelnen wiederentdeckt.

  • Plus S. 34-41

    Wir werden weniger, aber: Wie soll das geschehen?Der "Kataysator Corona" und konträre Szenarien eines Minderheitenchristentums

    Immer wieder ließ sich während der verschiedenen Lockdowns vernehmen, dass Corona so etwas wie ein Katalysator oder gar Brandbeschleuniger der Entkirchlichung bzw. Säkularisierung sei. Dabei offenbart die Wortwahl bereits eine Voreinstellung, wie man zu den derzeitigen Transformationen steht. Werden sie vor allem als Verlust oder als Herausforderung gedeutet? Was aber fürchtet man genau zu verlieren: gesellschaftliche bzw. systemische Relevanz, politischen Einfluss, öffentliche Präsenz?

  • Plus S. 42-49

    Pastoral nach der PandemieAnmerkungen zu einigen Stilfragen einer nachpandemischen Pastoral

    Stark schwankende Inzidenzwerte und die stete Gefahr überbelasteter Intensivstationen verbunden mit potenziellen oder faktischen Einschränkungen der individuellen wie sozialen Bereiche – allein diese nachpandemischen Realitäten zeigen an: Es wird grundsätzlich schwer vorstellbar sein, dass die Kirche sich überhaupt noch einen pastoralen Stil erlauben kann, der sich nicht von den »negativen Kontrasterfahrungen« (Edward Schillebeeckx) der pandemischen Zeit wie Vulnerabilität, Unsicherheit oder gar Ohnmacht durchdrungen erfährt. Denn keine nachpandemische Erinnerungs- und Erzählkultur, sofern sie sich nicht ideologisch wie realitätsresistent aufbaut, wird verschweigen oder wegretuschieren können, dass die COVID-19-Pandemie eine epochale Krisenerfahrung ist, die alle Menschen gleich – ob religiös oder nichtreligiös – (be-)trifft und zur Stellungnahme herausfordert, weil sie die Unkalkulierbarkeit bisher erfolgsreicher Handlungs- und Orientierungssicherheiten und das Versagen bis dato routinierter Handlungs- und Orientierungsstrategien radikal aufdeckt.

  • Plus S. 50-57

    Auf der Spur des Samariters und des Gottesknechts IjobCorona - fundamentaltheologisch betrachtet

    Eine Katastrophe von solch globalen Ausmaßen, wie sie uns nun schon seit über zwei Jahren beschäftigt, fordert nicht nur Fachleute der Virologie, der Politik und der gesellschaftlichen Gruppen heraus, sondern auch die Repräsentantinnen und Repräsentanten des Glaubens. Als Fundamentaltheologe, der sich den klassischen Aufgabenfeldern dieses Faches – die Begründung von Religion, Glaube und Kirche im Spannungsfeld von biblischem Zeugnis und rationaler Verantwortung – verpflichtet weiß, geht es mir freilich nicht um pastoraltheologische Post-Covid-Konzepte, sondern um die fundamentalen Fragen christlicher Existenz.

  • Plus S. 58-65

    Not sehen und handeln in Zeiten der PandemieSchlaglichter einer diakonischen Kirche, die sich verändert

    Die Diskussion darüber, ob die Kirchen während der ersten Phase der Pandemie präsent waren, hat bei vielen ein verkürztes Kirchenbild offensichtlich werden lassen. Gerade die caritativen Einrichtungen und Dienste, die nicht geschlossen wurden, blieben bei der Mehrheit der Wortmeldungen außer Acht. Dabei waren sie präsent. Nach und nach setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Kirchen mit ihren Wohlfahrtsverbänden eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielen. Die Entwicklungen in caritativen Arbeitsfeldern lassen darüber hinaus Schlüsse zu, die für die weiteren Kirchenentwicklungen wichtig wären. Als exemplarisch haben sich die beiden Felder des ehrenamtlichen Engagements und der Digitalisierung erwiesen, geben sie doch Hinweise auf längerfristige Trends.

Aus dem Fuchsbau

  • Plus S. 66-68

    Tödlicher Abgrund zwischen Karfreitag und Ostern

    Alles, was vorher über das Nachher des Todes gedacht, erhofft und phantasiert wird, zerschellt an der Todesgrenze selbst. Der Abgrund zwischen Karfreitag und Ostern ist unendlich tief. Da helfen keine Beschwichtigungen, der Tod sei ja nur ein Übergang oder es gebe ein Organ, das den Tod überleben könne.