Über gemeinsames Gehen zu glanzvollen AussichtenAuf dem Weg zum 3. Ökumenischen Kirchentag

An den 3. Ökumenischen Kirchentag bin ich vermutlich etwas naiv herangegangen, denn ich bin: eine Laiin. Ich habe nicht Theologie studiert und kann mich daher im Wortsinn als theologisch ungebildet bezeichnen. Ich möchte im Folgenden darüber nachdenken, warum es so wichtig ist, dass es mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) jeweils Laienbewegungen als Veranstalter des Kirchentages und der Katholikentage im Gegenüber zu den Kirchen gibt und worin die Chance liegt, wenn sich diese Kräfte in einem Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) bündeln.

Eine Chance liegt zweifellos in der Freiheit, die DEKT und ZdK als Veranstalter des 3. ÖKT für sich in Anspruch nehmen. Wir dürfen als Laien-Bewegung Antworten verlangen auf Fragen, die die Kirchen vielleicht gar nicht stellen würden. Und wir können all jenen eine Stimme verleihen, die sich in den Kirchen nicht mehr gehört fühlen oder den Kontakt zu christlichen Gemeinschaften verloren haben. Zugleich können wir Plattform sein für die vielen, die sich ihrerseits an unseren Diskursen beteiligen und uns damit auch in die Pflicht nehmen möchten. Das Risiko von Laienbewegungen besteht zweifellos darin, dass sie sich notwendigerweise in Widersprüche zu Autoritäten und Institutionen begeben. Je mehr ich aber darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass auch das eine Chance ist!
Denn gerade dieser Widerspruch, das Ringen um Positionen, auf die es keine einfachen Antworten gibt, auch und gerade gegen „Lehrmeinungen“ und kirchenrechtliche Positionen, hat nicht nur die Ökumene Stück für Stück vorangetrieben. Auch in wesentlichen Fragestellungen des zivilgesellschaftlichen Lebens müssen die vielfältigen Stimmen der christlichen Gemeinschaften artikuliert und öffentlich gemacht werden. Das Medium, der „Booster“ dafür sind ganz zweifellos Katholikentage, Kirchentage und eben auch Ökumenische Kirchentage. Sie verbinden als Großereignisse die Macht der Vielen, derjenigen, die die Kirchen tragen und sich als eine Bewegung verstehen, mit der Professionalität derjenigen, die verfasste Kirche repräsentieren. Und gemeinsam laden sie all diejenigen ein, die – auch über das Christsein hinaus – eine Plattform für drängende Fragen und Diskurse suchen und mit Recht dabei erwartungsvoll auf uns Christinnen und Christen schauen. Dabei dienen diese Großereignisse der Bündelung, als Brennglas in Zeit und Ort und damit auch in der öffentlichen Wahrnehmung und Rezeption.
Ich möchte im Folgenden einige Gedanken meines Verständnisses von der Kraft der „Laienbewegung“ des 3. ÖKT (1.) sowie seiner Aufgaben und Ziele (2.) formulieren und anschließend eine vorläufige Bilanz unseres gemeinsamen Weges auf dem Weg zu einem 3. ÖKT ziehen (3.).

Die Laienbewegung des 3. ÖKT

Der 3. ÖKT wird vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag veranstaltet und verantwortet. Während der DEKT als eingetragener Verein organisiert ist, ist das ZdK ein Organ im Sinne des Konzilsdekrets über das Apostolat der Laien. Beiden Organisationen ist damit – bei allen Unterschieden im Einzelnen – in Statut bzw. Satzung das Element der „laienhaften“ Begleitung und Beratung zugeschrieben. Das setzt neben einer beim ZdK etwas stärker ausgeprägten institutionellen Nähe zur Kirche zugleich eine kritische Distanz voraus, die der Begleitung und Beratung notwendig innewohnt. Beide Organisationen und damit auch der 3. ÖKT verstehen sich darüber hinaus auch als Mittler in und zugleich Teil der Zivilgesellschaft, deren Anliegen sie aufnehmen und in den Kontext des christlichen Glaubens einbeziehen.
Der Begriff des Laien ist mehrfach vieldeutig. Unter einem Laien kann jemand verstanden werden, der auf einem bestimmten Gebiet keine Fachkenntnisse hat, oder jedenfalls keine geprüften Fachkenntnisse; im religiösen Kontext werden als Laien auch diejenigen bezeichnet, die kein geistliches Amt innehaben. Gerade letztere Bedeutung ist durch die Reformation und das „allgemeine Priestertum aller Getauften“ wiederum in Frage gestellt. Im Kontext der Kirchentage geht es beim Laienbegriff auch um die Frage von Haupt- und Ehrenamt, denn viele Mitwirkende sind im Hauptamt ausgewiesene Expertinnen und Experten, teilweise auch mit Bezug zur Religion, bringen dieses vielfältige Wissen aber ehrenamtlich und damit ohne eine „Machtposition“ im Sinne von ausgewiesener Entscheidungsbefugnis innerhalb der Gremien ein. Allein diese bei weitem nicht vollständige begriffliche Klärung steht im Widerspruch zur lateinischen Bedeutung des Wortes laicus, das jedenfalls auch die Komponente des „ungebildeten“ erfahren hat. Im Kontext der Kirchentage ist der Begriff des Laien aus meiner Sicht im ausschließlich positiven Sinne der Vielfalt der als Laienbewegung nicht hierarchisch Angebundenen, in der Sache „Bewegten“ zu verstehen und beschreibt einen großen Schatz an Fähigkeiten und Kenntnissen, die in der Summe besonders kraftvoll wirken.
Die Freiheit solcher Laienbewegung, die zugleich die Zivilgesellschaft in ihrer Vielfalt einlädt zum Dialog, ist bei den brennenden Themen der Ökumene eine wesentliche Bedingung für mutige Schritte.
Denn in ihrer Vielfalt, ohne die mannigfachen Bindungen der äußerlichen Anknüpfungen an Hierarchien aller Art, zugleich mit einem weiten Blick für die Ökumene versehen, darf Laienbewegung Fragen auch an die Nicht-Laien stellen und nach Antworten auch außerhalb festgefügter Strukturen suchen. Zugleich können Laienbewegungen einen Diskurs organisieren, der, wo er fehlt, zu Vertrauensverlust, fundamentaler Opposition und Abkehr führen kann. Es ist deshalb klug, wenn Laien und Nicht-Laien sich gegenseitig befruchten und so zu einem gemeinsam verantworteten Ergebnis beitragen.
Nach dem 1. und 2. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin und 2010 in München hat es lange gedauert, bis der 3. Ökumenische Kirchentag in den Blick genommen und 2021 realisiert werden wird. Daran haben viele mitgewirkt, die als Christinnen und Christen, als Laien und Nicht-Laien nicht stehen bleiben wollten bei der Trennung der Konfessionen, sondern vor allem das Verbindende in den Blick nehmen wollen. Dabei ist die Praxis der Gemeinden oft viel weiter als die Theorie der Theologen. Gerade das Gemeindeleben vor Ort, auch die sich ändernde Struktur der Kirchen, die als dramatisch zu bezeichnende Mitgliederentwicklung beider großer Konfessionen, die Vertrauenskrisen durch Machtmissbrauch und fehlende Aufrichtigkeit im Umgang damit zwingen dazu, uns gemeinsam den Herausforderungen zu stellen.

Aufgaben und Ziele des 3.ÖKT

In der Ökumene begegnen sich ZdK und DEKT auf geschwisterlicher Augenhöhe und mit dem Anspruch des respektvollen und wertschätzenden aufeinander Zugehens und der Vermittlung gemeinsamer Anliegen sowohl untereinander als auch mit allen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) vertretenen Kirchen sowie vielfältigen weiteren Religionen.
Die grundlegenden Aufgaben und Ziele des 3. ÖKT sind in unserem Grundlagenpapier zum 3. ÖKT festgehalten. Es geht im Kern um zwei große Anliegen. Die kraftvolle Förderung der Überwindung dessen, was unsere Konfessionen noch trennt, und die Aufgaben, die wir jenseits der konfessionellen Unterschiede als gemeinsame an und in dieser Welt begreifen und wahrnehmen wollen.
Es kann an dieser Stelle nicht zu den vielfältigen Fragen der Ökumene Stellung genommen werden. Das Grundlagenpapier greift einen Punkt aber ganz besonders heraus: „Wir sehnen uns danach, gemeinsam Abendmahl/Eucharistie feiern zu können. Deshalb werden wir mit ganzer Kraft bei der Vorbereitung, während der Tage in Frankfurt am Main und nach dem Ökumenischen Kirchentag, in gestärkter Verbundenheit um die Möglichkeit des gemeinsamen Abendmahls ringen.
“Mit diesem Bekenntnis erscheint es fast zwingend, dass die Gremien des 3. ÖKT, allen voran das Gemeinsame Präsidium und der Gemeinsame Vorstand nach eingehender Diskussion, aber in größter Einmütigkeit die über viele Jahre entwickelte Schrift des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen [und Theologinnen!] (ÖAK) „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ zur Grundlage ihrer Beratungen und Beschlussfassung bei der Frage zu Feier von Abendmahl und Eucharistie gemacht haben. Es war und ist den Veranstaltern des 3. ÖKT ein drängendes Anliegen, auf dem Weg zu einer selbstverständlichen Gemeinschaft in dieser zentralen Frage des christlichen Miteinanders einen großen Schritt nach vorn zu machen. Es verwundert nicht, dass gerade die Laien und Laiinnen aus der theologisch begründeten Freiheit des geprüften Gewissens für Frankfurt am Main eine praktische Umsetzung entwickelt haben, die in der Öffentlichkeit des 3. ÖKT zu einem sichtbaren Standpunkt der Ökumene werden soll. Der gegenseitige Besuch, das Kennenlernen, das wertschätzende Staunen vor den Schätzen der anderen Konfessionen, zugleich aber auch die weite Öffnung der Türen und die Gewährung von Zutritt zur Mahlfeier: Das alles ist das gelebte Zeugnis des gemeinsamen Glaubens an die Gegenwart von Jesus Christus in Abendmahl und Eucharistie. Auch hier hat sich das Leitwort „schaut hin“ manifestiert. Ja, wir wollen hinschauen zum anderen, wir wollen ihn sehen und erkennen. Und dann wollen wir miteinander feiern, so wie Christus uns einlädt an seinen Tisch. Für mich wird das ein Glanzpunkt des 3. ÖKT sein.
Mindestens so wichtig und als Signal in die Welt ist für mich aber auch die Stärkung und das Bekenntnis zu unserer gemeinsamen Verantwortung für die Mitmenschlichkeit. Hierzu heißt es im Grundlagenpapier u. a.: „Das christliche Gottesbekenntnis führt uns zur unbedingten Achtung der Würde aller Menschen und zum Einstehen für ein gerechtes und friedliches Zusammenleben“. In der ersten Phase des Lockdowns 2020 haben manche gefragt, wo denn die Kirchen seien. Das war aus meiner Sicht nicht ganz fair, denn die Kirchen waren wie alle anderen Institutionen zunächst einmal auf Informationen angewiesen, die sie, ebenso wie andere, nicht hatten. Zudem haben viele Geistliche und Pfarrerinnen und Pfarrer im Stillen viel geleistet, vor allem in der Sterbe- und Trauerbegleitung. Die unfaire Frage war aber vielleicht auch ein Kompliment. Denn sie zeigt, dass den Kirchen in der Not und der Krise eine besondere Rolle zugeschrieben wurde. Genau diese Aufgabe, die aus unserem gemeinsamen Glauben gespeist wird, müssen wir als Christinnen und Christen annehmen und sichtbar machen. In gelebter Verantwortung müssen wir uns zuständig fühlen für die Themen der Zeit. Mit den seinerzeit definierten vier Hauptthemenbereichen hatten wir, der 3. ÖKT, diese umrissen und wollten sie ganz kirchentagsgemäß in über 2.500 Veranstaltungen mit über 100.000 Menschen vor Ort diskutieren. Wir wollten zuhören, aber auch Position beziehen, wollten Plattform sein für den Austausch der vielen Menschen, die sich engagieren in dieser Gesellschaft. Das alles ist an einem kleinen Virus und seinen Folgen gescheitert. Nach den erwähnten mehrfachen Umplanungen sind nun extreme Straffungen notwendig gewesen. Der 3. ÖKT wird digital und dezentral. Es dürfen sich keine physischen Menschenansammlungen bilden – das Markenzeichen früherer Kirchentage! Der Schwerpunkt des 3. ÖKT wird nun auf den Samstag konzentriert werden. Nach einem Himmelfahrtsgottesdienst am Donnerstag, der ohne Publikum gestreamt wird und einem Gedenken zu Beginn, das dem jüdisch-christlichen Dialog verpflichtet ist und am Freitag stattfinden soll, wird es am Samstag in digitalen Formaten einen immer noch sehr weiten Blick auf die wesentlichen Themen unserer Zeit geben. Dabei wollen wir auch nicht aussparen, was uns selbst wehtut. In über 50 Programmangeboten, dazu zahlreichen Bibelarbeiten und in der Nacht vielen kulturellen Angeboten soll es neben der Rezeption vor allem auch partizipative Beteiligung und Begegnung geben. Es werden weiterhin wesentliche Fragen der Zeit aufgerufen, darunter „Kirche und Macht“, „Finanzen und Wirtschaft“, „Schöpfung und Klimakrise“ oder auch „Digitale Gesellschaft“, „Internationale Zusammenarbeit“ oder „Zivilcourage“. Am Samstagabend wollen wir schließlich konfessionelle Gottesdienste feiern, uns dabei aber gegenseitig besuchen, weiter kennenlernen und gemeinsam feiern. Am Sonntag werden wir in einem großen ökumenischen Gottesdienst zusammenkommen und nachspüren, was wir gesehen und erfahren haben.
Zugleich hoffen wir auf dezentrales Engagement und die Aktivierung der Kräfte vor Ort, in den Gemeinden und an vielen Orten, wo Menschen sich im kleineren Maße und coronagerecht begegnen können. Das wird nicht das „Kirchentagsfeeling“ auslösen können, auf das wir uns alle gefreut hatten. Aber es kann den Blick auf das lenken, was uns wichtig ist. „schaut hin“ lädt ein zum genauen Hinsehen, zum Wahrnehmen und: zum Handeln! Im Evangelium bei Markus 6,38 – dem Gleichnis von der Speisung der 5000 –, dem das Leitwort „schaut hin“ entlehnt ist, sagt Jesus zu den Jüngern: „geht hin und seht nach“. Er wollte die Jünger damit aktivieren, er wollte, dass sie nicht stehen blieben in der Feststellung des Mangels – nur fünf Brote und zwei Fische für die viel zu vielen Hungrigen. Er wollte, dass sie die schier aussichtslose Situation noch einmal ansahen und sich dadurch eine Lösung für den Hunger der Vielen finden ließe. Deshalb steht das Leitwort für das genaue Hinsehen und zugleich für das Handeln. Wir als Christinnen und Christen sollten als Menschen, als Personen jeden Tag dafür einstehen, die Welt ein bisschen heller, ein bisschen gerechter zu machen. Die Mit-Menschlichkeit ist für mich der Gottesebenbildlichkeit und dem Auftrag am Rande des Paradieses geschuldet. Der Blick unseres Gottvaters auf diese Welt ist zugleich ein durch seinen Sohn geprägter menschlicher Blick geworden; auch Jesus Christus hat nicht weggeschaut, er hat hingeschaut, auf das Elend, auf die Ungerechtigkeit, auf die Mächtigen seiner Zeit. All das können wir auch – mit unseren bescheidenen Maßstäben, in einem weit unvollkommeneren Maße, aber mit der Aufrichtigkeit, die wir unserem Schöpfer schulden: Die Verantwortung für diese Welt zu übernehmen, die uns anvertraut ist. Wir tun das geprägt von dem liebevollen Blick unseres Gottvaters, der uns eint, weit über die Konfessionsgrenzen hinweg.

Vorläufige Bilanz des gemeinsamen Weges

Wenn man einen Weg miteinander geht, gerät man fast automatisch in einen Gleichschritt. Zugleich fällt das Reden leichter, wenn man sich bewegt, den Blick nach vorn und nicht beständig auf das Gegenüber richtet. Manche Kommunikationstrainer nutzen das und lösen sich von Konferenz- und Besprechungstischen, wenn es um kreative, frei machende Gesprächsformate und Gedanken gehen soll. Etwas in dieser Art ist auch auf dem Weg zum 3. ÖKT geschehen.
In den Gremien des 3. ÖKT sind wir uns näher und nahe gekommen. Unterschiede in der Kultur des Miteinanders, in den Fragen von Hierarchie und Partizipation, in dem Verständnis der Herangehensweise an Themen sind verblasst und einem Ziel gewichen. Anfängliche, durch Unsicherheiten bedingte Kontrollmechanismen haben sich vielfach aufgelöst und sind im fachlichen und persönlichen Miteinander aufgegangen. Wir haben voneinander gelernt und sind uns immer schneller „einig“ geworden. Gerade die mehrfachen, dramatischen Erfordernisse radikaler Umplanungen – von einem ÖKT 100.000+x über einen ÖKT maximal 30.000 zu „digital und dezentral“– haben uns gar keine andere Wahl gelassen, als es miteinander zu schaffen. In der Geschäftsstelle in Frankfurt zählt Kompetenz, ob katholische oder evangelische, ist nicht bedeutend.
Die Leitwortdebatte, die durchaus sehr engagiert geführt wurde, hat einen ersten, einenden Blick auf den 3. ÖKT entwickelt. Thomas Sternberg und ich waren uns von Anfang an einig, dass der ÖKT neben den kernökumenischen Themen vor allem das Handeln der Christenheit in der Welt in den Blick nehmen muss. Das hatte etwas mit Glaubwürdigkeit und auch der Dringlichkeit dessen zu tun, was uns an Problemen auf dem Tisch lag. Was uns allen, Gremien, Mitarbeitenden und den Vertreterinnen und Vertretern der gastgebenden Kirchen besonders wichtig war: Wir wollten das Gemeinsame suchen und nicht das Trennende! Dieser Perspektivwechsel, der nicht die Abgrenzung, sondern die Überwindung der Grenzen in den Blick nahm – „schaut hin“(!) – war der Schlüssel zum Erfolg. Ab einem gewissen, früh einsetzenden Zeitpunkt gab es keine Fragen mehr, die wir aus der Abgrenzung heraus diskutiert hätten. Sondern wir haben um Lösungen und Wege gerungen, haben uns „ehrlich gemacht“ und offene Diskurse in geschwisterlicher Wertschätzung geführt. Es gab wenige Momente, wo wir an einem Scheideweg standen. In solchen Momenten haben wir die Stille gesucht und uns im wahrsten Sinne des Wortes „in die Augen geschaut“. Das hat stets zu guten Ergebnissen geführt, die keine Sieger und keine Verlierer kannten. Wir haben nicht eskaliert, sondern deeskaliert. Es ist so ein Gemeinsames gewachsen, das trägt und auf Vertrauen fußt.
Vor diesem Hintergrund sind die durchaus scharfen Reaktionen „aus Rom“ besonders aufgefallen. Tonalität, „Flughöhe“ und Richtung der öffentlich gemachten Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre und des Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen haben durchaus geschmerzt. Nicht wegen des Inhaltes, über den man diskutieren muss und der theologisch bearbeitet werden wird. Nein, wegen der erkennbar wieder „höher gezogenen dogmatischen und kirchenrechtlichen Mauern“, so Bischof Feige in einem Interview, die aus meiner Wahrnehmung an der Wirklichkeit und der Erforderlichkeit eines gemeinsamen, ökumenisch sensiblen Dialogs vorbeigehen und die wir als Laienbewegung längst überwunden haben. Ich meine, dass wir es uns schlicht nicht mehr leisten können, uns auf das zweifellos noch vorhandene Trennende zu fokussieren. Unwillkürlich musste ich an die „Bewerbungsrede“ von Papst Franziskus noch als Kardinal Bergoglio 2013 vor dem Kardinalskollegium denken, in der er den „Geist des theologischen Narzissmus“ und eine kirchliche Selbstbezogenheit geißelt. Diese seine Rede ist als Aufbruch, als programmatisch, als wegweisend empfunden worden. Es ist das Privileg der Laien, dieses Postulat ohne jeden Umweg annehmen und den vorgeschlagenen Weg gehen zu dürfen. Als Laien können wir unseren Glauben gemeinsam in die Welt tragen und danach handeln. Auch das ist ein Glanz, der vom 3. ÖKT ausgehen soll.

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