Liberale Theologie

Als Liberale Theologie bezeichnet man eine Richtung der Theologie, die sich Glaubensfragen vom Ausgangspunkt des menschlichen Geistes und unter den Vorzeichen der Naturwissenschaften nähert.

Liberale Theologie ist ein Ende des 18. Jahrhunderts aufkommender Begriff für eine "aufgeklärte" Richtung der evangelischen Theologie, die Christentum und Religionen im allgemeinen als vernünftig und nützlich aufzeigen und die Vereinbarkeit des mündigen Glaubens mit dem menschlichen Freiheitsanspruch nachweisen wollte.

Bei frühen Vertretern wie David Friedrich Strauß († 1874) und Ferdinand Christian Baur († 1860) wurde das Christentum noch als höchste Form aller Religionen angesehen, während es später unter dem Eindruck der religionsgeschichtlichen Schule (Ernst Troeltsch †1923) relativiert wurde. Unter dem Einfluss von Friedrich Schleiermacher († 1834) u. Albrecht Ritschl († 1889) verstanden Vertreter der "kritischen" oder "rein geschichtlichen" Theologie die dogmatische Glaubenslehre als Objektivation des subjektiven Glaubens (Adolf von Harnack † 1930).

Die von Ritschl herkommende, bis zur Gegenwart einflußreiche Liberale Theologie betont die Praxis der Nächstenliebe und verlangt die Verwirklichung der Herrschaft Gottes in einer veränderten Gesellschaft (ethische Basis der Dogmatik). Ein folgenreiches Ergebnis der Liberalen Theologie war die weit verbreitete, zum Teil extreme Bibelkritik. Das Erbe der liberalen Impulse im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebt in einer positiven Bewertung der nichtchristlichen Religionen, in der Bejahung moderner Kultur und Gesellschaftsformen, in Zurückhaltung gegenüber dogmatischen Ansprüchen und in der Suche nach der Überbrückung konfessioneller Gegensätze weiter.

Liberale Theologie war ein polemischer Begriff, mit dem vor allem lutherische Theologen und die Vertreter der Dialektischen Theologie, wie sie meinten, die Auflösung der Glaubenssubstanz und die falsche Anpassung an die "Welt" bekämpfen konnten.

Quelle: Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch, Neuausgabe 2008 (6. Aufl. des Gesamtwerkes), Verlag Herder

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